Der "Kaiser" spricht ein Machtwort: Bayern: Jancker ist unverkäuflich
zuletzt aktualisiert: 18.08.2001 - 20:53München (rpo). Nationalstürmer Carsten Jancker bleibt trotz eines "kaiserlichen Machtworts" hinsichtlich seiner beruflichen Zukunft beim FC Bayern München in Lauerstellung. "Ich glaube nicht, dass es stimmt", kommentierte der 26-jährige Fußball-Profi am Freitag wenig beeindruckt die schwarz auf weiß vorliegende Aussage von Präsident Franz Beckenbauer, der den intern nicht unumstrittenen Angreifer erstmals ohne Wenn und Aber für unverkäuflich erklärte.
"Obwohl er bei Bayern nicht so oft zum Zuge kommt, brauchst du einen solchen Sturm-Bullen - in der Nationalelf wie im Club. Deshalb ist auch das letzte Wort gesprochen: Ein Vereinswechsel kommt für Jancker nicht in Frage", schrieb Beckenbauer in seiner Kolumne für die "Bild"-Zeitung (Freitag-Ausgabe).
Jancker, der sich beim FC Bayern im Sturm großer Konkurrenz insbesondere durch die südamerikanischen Nationalspieler Giovane Elber und Claudio Pizarro ausgesetzt sieht, nahm die Rückendeckung von höchster Stelle lediglich als positives Signal zur Kenntnis: "Es ist ein Vorteil, wenn einer zu mir hält, erst Recht der Präsident."
Als endgültig abgehakt betrachtet er einen Vereinswechsel dagegen keineswegs. Für eine Ablösesumme von rund 30 Millionen Mark hätte er den Champions-League-Sieger im Sommer verlassen dürfen - trotz seines laufenden Vertrages bis 30. Juni 2003. Doch ein potenter Abnehmer für den 18-maligen Nationalspieler fand sich im europäischen Ausland nicht. Zu Wechselplänen mochte Jancker sich am Freitag öffentlich jedoch nicht äußern: "Dazu sage ich nichts", entgegnete er - und ließ damit ganz bewusst Raum für weiterhin anhaltende Spekulationen.
Nach erst drei Spieltagen will der Sturm-Riese offenbar erst die weitere Entwicklung seiner sportlichen Perspektiven im Luxuskader des deutschen Meisters abwarten, nachdem er in dieser Saison im Verein bisher erst insgesamt 85 Minuten zum Einsatz gekommen ist. Einmal ausgewechselt, zwei Mal eingewechselt und kein Tor lautet die unbefriedigende Bilanz. Vor dem Heimspiel an diesem Samstag gegen den FC St. Pauli ("Ich gehe davon aus, dass ich spiele"), gab er sich nach Außen betont gelassen: "Ich weiß nicht, wo die Hektik entsteht", wiegelte Jancker Fragen nach seiner persönlichen Befindlichkeit ab.
Seine sportlichen Qualitäten, die insbesondere Beckenbauer an ihm schätzt, hatte Jancker erst am vergangenen Mittwoch beim 5:2-Sieg der Nationalmannschaft beim Länderspiel in Budapest gegen Ungarn unter anderem mit einem Tor unter Beweis gestellt. Bei DFB-Teamchef Rudi Völler ist Jancker im Angriff derzeit erste Wahl, bei Vereinscoach Ottmar Hitzfeld dagegen nicht. "Wir haben beim FC Bayern im Sturm eine noch größere Auswahl als in der Nationalmannschaft", weiß Jancker um die bizarre Situation. Für sein großes Ziel, die WM 2002 in Südkorea und Japan, sind Tore und Spiele im Verein allerdings wichtig für den Erhalt seines Stammplatzes in der DFB-Auswahl.
"Das Hauen und Stechen beim FC Bayern ist im Sturm noch größer geworden", weiß Jancker. Zwangsweise setzt er verstärkt auf die kommenden "englischen Wochen" mit Bundesliga, Pokal, Champions League und Länderspielen, wenn beim FC Bayern wieder die Hitzfeld´sche Rotationsmaschinerie auf Hochtouren laufen wird und die Einsatzzeiten aller Spieler ansteigen dürften. Bis dahin nimmt er den Kampf um die Plätze im Team angeblich als Profi-Alltag in Kauf: "Ich bin jetzt sechs Jahre bei Bayern - die Situation belastet mich nicht mehr."
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