Seit fünf Spielen sieglos: Bayern: Krise oder nicht?
zuletzt aktualisiert: 17.12.2001 - 16:16München (rpo). "Wir lassen uns keine Krise einreden", erklärt Bayern Münchens Trainer Ottmar Hitzfeld. Dagegen behauptet Präsident Franz Beckenbauer, er habe diese "Krise schon früher erwartet". Bei näherer Betrachtung stellte der "Kaiser" dann jedoch fest, dass "von einer Krise keine Rede sein kann".
Also was nun? Krise, oder nicht - die Fakten sind eindeutig: Seit fünf Spielen bereits ist der Rekordmeister in der Bundesliga sieglos. Das musste er zuletzt 1994 ertragen (7. bis 12. Spieltag), damals waren es unter Trainer Giovanni Trapattoni sogar sechs Spiele ohne Sieg (bei nur einer Niederlage). Am Saisonende wurde der FC Bayern nur Sechster, den Titel holte Hitzfelds Borussia Dortmund.
"Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass wir deutscher Meister werden können", behauptet Trainer Hitzfeld. Sehr überzeugend klingt das allerdings nicht: "Können" kann man viel. Und es wird in dieser Saison wohl auch nichts mehr werden mit dem Meistertitel. Von Rang vier zur "Halbzeit" noch auf Rang eins - das hat bislang kein Verein zu Stande gebracht, auch nicht der FC Bayern.
Eine ausreichende Erklärung für das anhaltende "Tief", wie Trainer Hitzfeld die "Krise" umschreibt, gibt es nicht. "Wir haben zurzeit nicht die nötige Durchschlagskraft", sagt der Coach, und er ergänzt: "Wir sind zurzeit weit davon entfernt, eine Top-Leistung zu bringen." Dass die Bayern zurzeit schlecht spielen, ist allerdings bekannt. Unklar ist, warum das so ist.
"Es ist einfach zu fragen: warum?", entgegnet Hitzfeld auf die Frage nach dem "Warum?". Eine passende Antwort darauf hat er derzeit offenbar nicht, die Situation ist ja auch neu für ihn: Noch nie hat er in der Bundesliga länger als vier Spiele auf einen Sieg warten müssen. Also füllt Hitzfeld das "Phrasenschwein". Er sehe "den Ernst der Lage", "wir dürfen uns keinen Sand in die Augen streuen".
Es gibt eine Reihe von Entschuldigungen. Viele Verletzte. Die Länderspielpause, die den FC Bayern aus dem Rhythmus brachte - seit Mitte November gab´s in der Bundesliga zwei Unentschieden zu Hause und drei Niederlagen auswärts, aus 15 möglichen Punkten wurden nur zwei, macht sechs Punkte Rückstand auf Tabellenführer Leverkusen. Dazu kam noch die strapaziöse Reise nach Tokio.
Dazu kam aber auch die Rückkehr von Stefan Effenberg. Seit er wieder in die Mannschaft integriert werden muss, läuft es nicht rund - für Lothar Matthäus ein Grund, den Kapitän sofort zu verkaufen. In der Bild meinte der deutsche Rekordnationalspieler: Effenberg habe als Leitwolf ausgedient. "Die Mannschaft spürt, dass er sie nicht führen kann. Das bringt Unsicherheit."
Hitzfeld freilich steht in Treue fest zu seinem "Cheffe" und widerspricht Vermutungen, dem FC Bayern stünde ein ähnlicher Zerfall bevor wie einst Hitzfelds Ex-Klub Borussia Dortmund. "Die Situation ist anders. Wir haben keine Zerfallserscheinungen in der Mannschaft, die Mannschaft ist weiter eine Einheit." Es gelte nun allerdings, sagt er vor dem Spiel gegen Borussia Mönchengladbach am Dienstag im Olympiastadion, "die Kräfte zu bündeln".
Manager Uli Hoeneß freilich mutmaßt, es habe sich "Unruhe entwickelt" im Team. Doch noch versucht der Leiter der "Abteilung Attacke", mit der ihm eigenen Logik die Lage zu entschärfen - zumindest nach außen. "Im Grunde ist die Situation in der Bundesliga gut für uns", meint Hoeneß, "wenn wir locker durchspazieren könnten, würde irgendwann ein brutaler Absturz kommen."
Doch auch das derzeit zu beobachtende sanfte Abwärtsgleiten kann dem Manager nicht gefallen. Ganz offensichtlich brodelt es in ihm. "Es gibt zwei Möglichkeiten: Reinhauen oder abwarten", sagt Hoeneß. Er wartet erst einmal ab, sagt aber auch deutlich: "Wenn jetzt nicht Winterpause wäre, müsste man reinhauen." Wenn´s nach Weihnachten mal nicht zu spät ist.
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