1. Bundesliga 16/17
| 12.26 Uhr

Rekord-Torjäger Müller leidet an Demenz
Hoeneß: "Wir helfen Gerd, wo es nur geht"

Portrait: Gerd Müller: Der Bomber der Nation
Portrait: Gerd Müller: Der Bomber der Nation FOTO: dpa
München. Er war einmalig, unerreicht. Hintern raus, kurze Drehung, Schuss – dann machte es bumm! Gerd Müller gilt auch heute noch als bester Stürmer, den Deutschland je hatte, als einer mit eingebauter Torgarantie. "Ohne die Tore von Gerd wäre der FC Bayern nicht das, was er heute darstellt, mit diesem Palast an der Säbener Straße – ich glaube, ohne Gerd Müller wären sie heute noch in dieser Holzhütte", würdigte "Kaiser" Franz Beckenbauer erst am Dienstag wieder seinen alten Weggefährten.

Wahrscheinlich wäre Deutschland 1974 auch nicht Weltmeister geworden, wenn nicht Müller in seiner unnachahmlichen Art zum 2:1-Siegtor gegen die Niederlande getroffen hätte. Doch längst ist es still geworden um den "Bomber der Nation". Sein letzter öffentlicher Auftritt liegt über zwei Jahre zurück – aus traurigem Anlass. Müller ist an Alzheimer erkrankt und wird deshalb seit Februar in einem Pflegeheim im Münchner Umland intensiv behandelt. Müller kämpft gegen das Vergessen.

Große Anteilnahme an Müllers Schicksal

Bundesliga: Ewige Torschützenliste FOTO: Imago

Der FC Bayern war am Dienstagabend damit an die Öffentlichkeit gegangen. Vor Müllers 70. Geburtstag am 3. November. Die Anteilnahme am Schicksal des früheren Torjägers ist seitdem groß.

 "Das berührt mich sehr. Er war wohl der allergrößte Stürmer, den wir hatten. Er war ein Stürmer, den wir so im heutigen Fußball nie mehr sehen werden", sagte Bundestrainer Joachim Löw am Mittwoch in Dublin. Uwe Seeler fügte bei Sport1 betroffen an: "Das Ganze macht mich einfach nur traurig. Er kann einem nur leid tun."

"Die Krankheit von Gerd geht mir natürlich an die Nieren", sagte etwa der aktuelle Bayern-Star Thomas Müller der "Bild": "Gerd ist ein großes Vorbild für mich. Ich habe Gerd in erster Linie immer als großartigen Menschen wahrgenommen. Seine Torquote wird in Deutschland niemand mehr erreichen. Dennoch ist er total bescheiden und hat sich nie darauf etwas Besonderes eingebildet."

Die großen Endspiele der Nationalmannschaft FOTO: AP

Während Beckenbauer, Karl-Heinz Rummenigge oder Uli Hoeneß auch nach der Karriere im Fokus der Öffentlichkeit lebten und immer noch leben, scheute Gerd Müller das Rampenlicht. Er war eben nicht der Entertainer, der Charismatiker. Müller hatte vielmehr Probleme mit seinem Leben außerhalb des Fußballs. Ende der 1980er-Jahre wurden Alkoholprobleme bekannt. Müller soll damals auch finanziell und privat in Not gewesen sein. Doch Beckenbauer, Rummenigge und Hoeneß fingen ihren Kumpel auf, gaben ihm im Verein eine Aufgabe als Trainer und wieder Halt im Leben. "Ohne die Hilfe meiner Freunde hätte ich es wohl nicht geschafft", sagte Müller einmal im Rückblick.

"Kleines, dickes Müller"

Und die Bayern unterstützen ihren legendären Torjäger, von Tschik Cajkovski einst liebevoll "kleines, dickes Müller" genannt, nach wie vor. "Wir helfen Gerd, wo es nur geht", wird Hoeneß in einer Biografie über Müller ("Der Bomber der Nation") zitiert, die am 12. Oktober im riva-Verlag erscheint. In erster Linie würde sich aber Müllers Frau Uschi "aufopferungsvoll um Gerd kümmern, steht ihm immer zur Seite – Tag und Nacht", führte Hoeneß weiter aus, der Müllers akute Probleme als "furchtbar" bezeichnet.

Noch scheint Müller sein Umfeld wahrzunehmen. "Er hat mich erkannt und Bulle zu mir gesagt. Sonst hat er aber wenig geredet", berichtete Franz "Bulle" Roth der Bild, nachdem er Müller vor zwei Wochen besucht hatte.

Zum großen Medien-Thema soll Müllers Erkrankung aber nicht werden. "Gerd, für den Werte wie Freundschaft und Fair Play von Bedeutung waren und sind, hat es verdient, dass wir alle rücksichtsvoll mit seiner Erkrankung umgehen", sagte Vorstandschef Rummenigge, für den Müller "einer der ganz Großen des Weltfußballs ist. Er war ein Torjäger, wie es ihn vermutlich nicht mehr geben wird".

"Dann macht es bumm"

Müller erzielte 365 Bundesligatore, 40 davon allein in der Rekordsaison 1971/72 – beide Werte sind bis heute genauso unerreicht wie die 78 Tore im DFB-Pokal. "Es hat gemüllert", wurde zum festen Begriff. Müller selbst brachte 1974 eine Schallplatte heraus – mit dem passenden Titel: "Dann macht es bumm".

In der Nationalmannschaft, wo er nach dem WM-Finale seine Karriere beendet hatte, waren es 68 Treffer in 62 Spielen. Erst im letzten Jahr knackte Miroslav Klose die phänomenale Marke, doch er benötigte für seine 71 Tore 137 Länderspiele. Klose war es deshalb auch immer peinlich, mit Müller verglichen zu werden. "Ich kann und darf mich mit ihm nicht auf eine Stufe stellen", sagte Klose: "Er ist und bleibt der Bomber." Hintern raus, Drehung, Schuss – Tor.

(sid)
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