1. Bundesliga 16/17
| 15.01 Uhr

Sieg gegen Juve
Drei entscheidende Momente im Bayern-Spiel

Joker Thiago stellt Partie gegen Juve auf den Kopf
Joker Thiago stellt Partie gegen Juve auf den Kopf FOTO: afp
München/Düsseldorf. Eine Parade von Neuer, die Auswechslung Khediras und die guten Griffe von Guardiola bei seinen Einwechslungen bringen München ins Viertelfinale der Champions League. Von Martin Beils

Was wäre gewesen, wenn Thomas Müller seinen Kopf nicht in die Flanke des vorzüglichen Kingsley Coman gesteckt hätte? Wenn der Angreifer den FC Bayern München nicht mit seinem Treffer zum 2:2 in der Nachspielzeit in die Verlängerung gebracht hätte? Der Donnerstag wäre der Tag gewesen, an dem die Fußball-Experten Gericht über Pep Guardiola gehalten hätten. "Ich weiß genau, was passiert, wenn wir nicht gewinnen", hatte der scheidende Trainer im Vorfeld gesagt. Prophetische Gaben bedurfte es dazu nicht. Das Aus im Achtelfinale wäre eine Schmach gewesen. Viel zu früh für die Münchner. Viel zu früh für den Trainer, der an sich und seine Mannschaft die höchsten Ansprüche stellt. Als Gescheiterter wäre er weitergezogen zu Manchester City.

Doch Müller in der ersten Extraminute sowie die eingewechselten Thiago und Coman in der Verlängerung hielten Klub und Trainer mit ihren Treffern in der Spur. Das 4:2 im Rückspiel übertraf noch das rasante erste Treffen der beiden stolzen Klubs, in dem die Lombarden nach einem 0:2-Rückstand noch ausgeglichen hatten. Der Kontrast zwischen dem Münchner "Hühnerhaufen" (Ehrenpräsident Franz Beckenbauer) im ersten Abschnitt und dem immer deutlicher vor Kraft strotzenden Auftritt, je länger die Partie dauerte, machte diese Begegnung zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.

Müller rettet Bayern gegen Juve in die Verlängerung FOTO: afp

Der bayerische Weg führt weiter Richtung Giuseppe-Meazza-Stadion im Mailänder Stadtteil San Siro. Zwischenstation heute Mittag: die Verbandszentrale der Uefa in Nyon am Genfer See (12 Uhr, RP online). Dort wird das Viertelfinale ausgelost. Ohne jede Beschränkung, was Gegner und Heimspiel-Auswärtsspiel-Rhythmus angeht. Die Münchner könnten auf den FC Barcelona treffen, der sich am Mittwochabend mit Leichtigkeit gegen den FC Arsenal durchgesetzt hat (3:1 nach 2:0 im Hinspiel), auf Real Madrid, auf Guardiolas künftigen Klub Manchester City oder auch auf den VfL Wolfsburg als dem hässlichen Entlein im Kreis von Europas Elite.

Sportvorstand Matthias Sammer hätte bester Laune sein müssen. Wegen des Sieges. Und wegen der Art, wie er zu Stande gekommen ist. Auf die von Sammer geschätzte deutsche Art nämlich. Mit dem Glauben an die eigenen Qualitäten, mit einer Immer-wieder-aufstehen-Mentalität und mit einer Willenskraft, die bis zum letzten Pfiff des Schiedsrichters reicht. Die "Zeit" schrieb von einem "unguardiolischen Sieg", weil nicht die katalanischen Zutaten wie Ballbesitz und Ballzirkulation die entscheidenden waren, sondern lange Pässe, weite Flanken und wuchtiges Kopfballspiel der Marke Hrubesch aus dem Repertoire hervorstachen. Guardiola lobte die "deutsche Mentalität", die seine, vom Chilenen Arturo Vidal angetriebene Elf ausmachte.

Sammer grantelt

Die möglichen deutschen Gegner im Viertelfinale FOTO: afp

Doch Sammer lobte nicht, Sammer grantelte. Sein Zorn richtete sich gegen Ex-Präsident Uli Hoeneß, der am vergangenen Sonntag bei der Feierstunde für Mönchengladbachs neuen Ehrenringträger Jupp Heynckes laut vom Triple aus Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions-League-Sieg geträumt hatte. "Dummes Zeug", schimpfte Sammer, "wie oft haben wir in der Geschichte von Bayern München - auch mit Uli Hoeneß - dieses so genannte lächerliche Triple gewonnen? Einmal. Und das ist noch nicht so lange her. Und jetzt sollen wir es gleich wieder gewinnen? Wir geben uns Mühe, aber es ist doch völlig unrealistisch, diese Dinge so zu benennen."

Die wogende Begegnung lässt sich verdichten auf Momente, in denen sie zu Gunsten der Bayern kippte. Wäre Juan Cuadrado mit seinem Versuch, das 3:0 zu erzielen, nicht kurz vor der Pause am zuvor fahrigen, in dieser Szene aber in WM-Manier parierenden Manuel Neuer gescheitert, wäre die Partie entschieden gewesen.

Und womöglich hätte sich die Begegnung in andere, für Juve ruhigere Bahnen begeben, wenn Trainer Alleghri nicht auf die absurde Idee gekommen wäre, Sami Khedira vom Platz zu nehmen. Die Zeitung "Tuttosport" sah in der Vorarbeit des deutschen Mittelfeldspielers zum 1:0 ganz zu Recht "nur die Kirsche auf der Torte mit den Zutaten Persönlichkeit, taktische Intelligenz und perfektes Lesen des Spiels". Auch mit der Hereinnahme Mario Mandzukics als Ersatz für den bis dahin prägenden Andrea Morata lag Allegri daneben.

Die dritte entscheidende Szene entsprang geschicktem Coaching. Sieben Minuten erst war Thiago auf dem Platz, als er Juventus mit dem 3:2 den entscheidenden Stoß versetzte. Auf Vorlage des auch oder gerade erst in der Spätphase der Partie gedankenschnellen Thomas Müller. Die beiden untermauerten die alte Fußballerweisheit: Große Spiele werden durch große Spieler entschieden.

Quelle: RP
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