1. Bundesliga 17/18
| 18.44 Uhr

Bayern gegen Besiktas
Achtelfinal-Duell weckt Erinnerungen an "Aldi-Skandal" von 1997

Champions League: Bayern gegen Besiktas und der Aldi-Skandal von 1997
Fans von Bayern München (Archiv). FOTO: dpa, Boris Roessler
München. Beim bisher einzigen Gastspiel von Besiktas Istanbul beim FC Bayern sorgten Münchner Fans im Jahr 1997 für reichlich Ärger. Selbst die Politik schaltete sich damals ein.

Was Plastiktüten eines Discounters auslösen können, musste Bayern München vor über 20 Jahren schmerzlich erfahren. Beim bislang einzigen Duell im Europacup gegen Besiktas Istanbul hatten die Münchner Anhänger für den sogenannten "Aldi-Skandal" gesorgt. Dieser hätte beinahe sogar eine diplomatische Krise ausgelöst.

Was war passiert? Am 17. September 1997 stand im Olympiastadion das Duell zwischen dem deutschen Fußball-Rekordmeister und Besiktas in der Gruppenphase der Champions League an. Die Bayern-Anhänger bereiteten den türkischen Gästen vor einem Millionen-Fernsehpublikum aber alles andere als einen herzlichen Empfang: Sie hielten Einkaufstüten von Aldi sowie ein Spruchband mit der Aufschrift "Aldi grüßt Kunden" in die Höhe. Zudem sangen einige Anhänger: "Ihr könnt zum Aldi fahren."

Reaktionen zur Auslosung von Achtelfinale und K.o.-Runde

Die geschmacklose Aktion bestimmte danach tagelang die Schlagzeilen und sorgte für heftige Reaktionen. So titelte die türkische Tageszeitung "Hürriyet": "Rassismus auf der Tribüne." Der "kicker" bezeichnete die Choreographie als "diskriminierend, dümmlich".

Sogar die Politik schaltete sich ein. "Hier wurden zwei Millionen Türken vor der Weltöffentlichkeit beleidigt, denn diese Provokation zielte auf alle in Deutschland lebenden Türken", sagte Grünen-Politiker Cem Özdemir, damals wie heute Bundestagsabgeordneter, der Berliner Zeitung. "Ein kleiner Haufen von Verrückten", fügte er an, würde "eine ganze Tribüne, ja den gesamten Fußball ins schlechte Licht rücken".

Der FC Bayern sah sich schließlich gezwungen, sich mit großformatigen Anzeigen in türkischen Zeitungen zu entschuldigen. Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge musste sogar persönlich beim türkischen Generalkonsul Abbitte leisten. Zudem gab es auch bei den Fans Gegenreaktionen: So hielten etwa Dortmunder Anhänger beim Gastspiel des BVB in München einige Wochen später Lidl-Tüten in die Höhe.

Nun kommt es am Dienstag zum erneuten Duell gegen Besiktas - diesmal in der Allianz Arena. Die Fanszene der Münchner hat sich seit 1997 jedoch stark verändert. Ihr Kern gilt als antirassistisch, die Ultra-Gruppe Schickeria bekam 2014 sogar den Julius-Hirsch-Preis des DFB für ihren Einsatz gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus.

Zudem werden die türkischen Anhänger von Besiktas keinen Zutritt zum Stadion erhalten. Nach Krawallen im Europa-League-Viertelfinale 2016/17 gegen Olympique Lyon spielt Besiktas Istanbul auf Bewährung und könnte bei neuerlichen Verstößen seiner Anhänger von allen europäischen Wettbewerben ausgeschlossen werden.

Um das zu verhindern, hat Vereinspräsident Fikret Orman das komplette Kartenkontingent für die Gästefans zurückgegeben und die Münchner gebeten, keine Besiktas-Fans in die Arena zu lassen - dies wiederum sehr zum Ärger der Bayern-Ultras, die dieses Vorgehen stark kritisieren.

(sid)
 
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