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| 19.12 Uhr

Hoeneß hält Laudatio auf Heynckes
Die Geschichte von Uli und Jupp

Die Geschichte von Uli Hoeneß und Jupp Heynckes
Gute Freunde: Uli Hoeneß und Jupp Heynckes. FOTO: dapd
Mönchengladbach. Jupp Heynckes erhält den Ehrenring der Stadt Mönchengladbach. Uli Hoeneß, sein langjähriger Freund, hält die Laudatio. Es wird der erste öffentliche Auftritt des ehemaligen Bayern-Managers und -Präsidenten nach seiner Haftentlassung. Von Robert Peters

Es ist die Nacht einer großen Niederlage. Bayern München hat das Champions-League-Finale im eigenen Stadion gegen den FC Chelsea nach Elfmeterschießen verloren. Trainer Jupp Heynckes ist auf dem Weg nach Hause. Es gehen ihm viele Gedanken durch den Kopf, er denkt auch an Rücktritt. Da schellt sein Telefon. Am anderen Ende ist Uli Hoeneß, der Präsident des Klubs. Er macht seinem engen Freund klar, dass es das noch nicht gewesen sein kann. Und er erwischt den richtigen Moment.

2013 führte Heynckes die Bayern zum Triple

In Heynckes erwacht noch in dieser Nacht wieder der Kampfgeist. Er macht weiter. Ein Jahr später, 2013, gewinnt er mit den Bayern die Champions League, den deutschen Pokal und die deutsche Meisterschaft. Das hat noch kein deutscher Trainer geschafft. "Triple-Sieger", sagt Heynckes, "bleibst du für die Ewigkeit."

Das hat der Rat seiner Heimatstadt Mönchengladbach verstanden. Er verleiht dem ehemaligen Fußballer und Trainer "für seine herausragenden Verdienste um die sportliche Bedeutung der Stadt" den Ehrenring. Die Laudatio bei der großen Feier am 13. März wird der alte Freund Hoeneß halten.

Erster öffentlicher Auftritt nach der Haft

Für Hoeneß wird es der erste öffentliche Auftritt nach der Entlassung aus der Haft. Ende Februar kommt er nach der Hälfte der Strafe, die er wegen Steuerhinterziehung abgesessen hat, frei. Die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Augsburg hat entschieden, dass "außergewöhnliche Gründe" für eine vorzeitige Haftentlassung sprechen.

Dazu zählen vorbildliche Führung als Häftling, sein ungebrochenes soziales Engagement und die Tatsache, dass Familie und Verein in geradezu unerschütterlicher Treue zu ihm stehen. Natürlich gilt das auch für seine Freunde. Für seinen Freund Heynckes erst recht. Er hat eine besondere Beziehung zu Hoeneß.

Kennengelernt als Nationalspieler Anfang der 70er Jahre

Sie lernen sich als Nationalspieler kennen. Heynckes spielt für Borussia Mönchengladbach, Hoeneß für die Bayern. Es sind die beiden großen Vereine der beginnenden 70er Jahre. Heynckes ist ein paar Jahre älter als Hoeneß. Zusammen werden sie mit der bis zum WM-Triumph 2014 unbestritten besten Nationalmannschaft 1972 Europameister und 1974 Weltmeister. Und sie verlieren sich nicht aus den Augen, als der eine (Hoeneß) schon mit 27 in den Managerjob wechselt und der andere mit 34 in Mönchengladbach zu einer der größten Trainerkarrieren des Landes aufbricht.

1987 holt Hoeneß seinen Freund zum FC Bayern. Sie feiern zwei deutsche Meisterschaften, aber in einer Krise des Klubs entlässt Hoeneß den Kumpel 1991. "Es war der schwerste Fehler meiner Manager-Laufbahn", sagt er später. Heynckes kommt herum in der Fußballwelt. Er führt den Außenseiter Athletic Bilbao in den Europapokal und das große Real Madrid zum Champions-League-Titel. Als er bereits über ein beschauliches Dasein als Rentner im umgebauten Bauernhof im Schwalmtal nachdenkt, bekommt Hoeneß die Gelegenheit, seinen Fehler zu korrigieren.

Heynckes folgte beim FC Bayern auf Klinsmann

Er setzt den vermeintlichen Hoffnungsträger Jürgen Klinsmann vor die Tür und holt Heynckes als Übergangstrainer. Der Gladbacher beseitigt die gröbsten Trümmer, die Klinsmann in seinem Reformeifer hinterlassen hat. Und er bekommt wieder richtig Lust auf den Trainerjob. Bayer Leverkusen macht er zu einem ernsthaften Mitbewerber um die deutsche Meisterschaft.

Mit Hoeneß bleibt er eng verbunden. Er ist 2011 der logische Nachfolger für den fachlich aufregenden, menschlich schwierigen Louis van Gaal. Hoeneß weiß, dass die Mannschaft nun nicht nur einen taktischen Experten mit Sinn für Ausbildung braucht, sondern auch eine Art väterlichen Freund.

Die Verbindung hält, als Hoeneß ins Gefängnis muss

Heynckes schafft seine größten Erfolge, weil er auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn alle Qualitäten zusammenbringt. Es ist eine schöne Ironie der Geschichte von Uli und Jupp, dass sie sich in der dritten Münchner Zusammenarbeit am wenigsten privat treffen. "Der Job nimmt einen so in Anspruch, dass kaum Zeit bleibt", sagt Heynckes auf dem Weg zum Champions-League-Finale in London 2013. Da steht schon fest, dass Hoeneß wegen Steuerhinterziehung angeklagt wird. Die Verbindung hält, als Hoeneß ins Gefängnis muss.

Auf Nachfragen antwortet Heynckes fast irritiert: "Selbstverständlich haben wir Kontakt. Er ist mein Freund." Das wird Mitte März in Mönchengladbach unterstrichen. Heynckes hat darum gebeten, dass Hoeneß die Laudatio hält. "Ich finde, das ist eine schöne Geste", sagt der Gladbacher OB Hans Wilhelm Reiners. Hoeneß findet das sicher auch.

Quelle: RP
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