1. Bundesliga 16/17
| 16.01 Uhr

Bayern im Halbfinale der Champions League
Auf diese Fragen muss Guardiola Antworten finden

Bayerns Siegesserie in der "Königsklasse"
Bayerns Siegesserie in der "Königsklasse"
Düsseldorf. Der FC Bayern München steht im Halbfinal-Rückspiel gegen Atlético Madrid nach dem 0:1 vor einer Woche vor einer echten Herkulesaufgabe. Noch nie hat Atlético unter Trainer Diego Simeone auswärts in der "Königsklasse" 0:2 oder höher verloren. Bayern-Coach Pep Guardiola hat einige knifflige Aufgaben zu lösen. Von Denis Canalp

16 Spiele hat Simeone mit Atlético Madrid in der Champions League auf fremden Plätzen in den vergangenen drei Jahren absolviert, die Bilanz des wilden Argentiniers ist in der Fremde mehr als ordentlich, sieben Partien gewann er, fünf Mal holte sein Team ein Remis. Bei den vier Niederlagen in Barcelona (1:2), bei Real Madrid (0:1), in Leverkusen (0:1) und bei Olympiakos Piräus (2:3) erzielte der Gegner jeweils lediglich einen Treffer mehr, ein Kantersieg gelang niemanden gegen Simeones Madrid.

Und auch in den anderen Wettbewerben ist Atléticos Abwehr nicht gerade als Schießbude bekannt. In der laufenden Saison leistete sich die Mannschaft mit den traditionell rot-weiß gestreiften Trikots und den blauen Hosen nicht einen ergebnistechnischen Aussetzer, der den Bayern zum Weiterkommen ins Finale reichen würde. Das letzte Spiel, das die "Matratzen" auswärts mit mehr als einem Gegentor verloren, datiert aus dem Februar der Vorsaison. Am 15. Februar 2015 unterlag Atlético in der Liga Celta Vigo 0:2.

Aus Bayern-Sicht ist klar: Es wird mal wieder Zeit. Die Münchner benötigen ein 1:0, um zumindest die Verlängerung zu erzwingen, ein 2:0 würde den Weg ins Finale ebnen, sollte der Gast aus der spanischen Hauptstadt allerdings einen Treffer erzielen, müsste der FC Bayern drei Tore schießen, um am 28. Mai in Mailand im Finale nicht nur Zuschauer zu sein. Drei Tore kassierten die Spanier zumindest schon einmal in der laufenden Saison, allerdings im Heimspiel, wieder hieß der Gegner Celta Vigo, diesmal in der Copa del Rey. Atlético schied im Januar nach einem 2:3 im Rückspiel nach torlosen 90 Minuten im Vicente Calderon aus.

Die Bayern stehen dennoch mit dem Rücken zur Wand, Trainer Guardiola droht das dritte Aus im Halbfinale der Champions League gegen den dritten Gegner aus seiner Heimat. Die öffentliche Bewertung seiner Arbeit in München steht und fällt mit dem Spiel heute (und eventuell mit dem Finale), denn von der Paarung Bayern und Guardiola wird der Sieg der Champions League schlichtweg erwartet, egal wie realistisch diese Erwartungshaltung auch ist. Um den Triple-Traum weiter zu leben, hat Guardiola vor dem Rückspiel einige knifflige Fragen zu beantworten.

Spielt Jerome Boateng in der Abwehr?

Die Frage, ob der lange verletzte Abwehrchef in die Viererkette zurückkehrt, ist für Guardiola essentiell wichtig. Spielt Boateng von Beginn an, könnte Allzweckwaffe David Alaba endlich von der ungeliebten Innenverteidigung auf den linken Flügel versetzt werden. Alaba ist ein solider Innenverteidiger, aber ein Linksverteidiger von Weltklasseniveau, Boatengs Schnelligkeit und Zweikampfstärke passen perfekt zu Atléticos Kontertaktik. Die Personalrochade hätte noch eine weitere Folge: Der zuletzt formschwache Juan Bernat würde auf die Bank rücken. Für den Spielaufbau hätten eine Rückkehr Boatengs und eine Versetzung Alabas durchaus positive Folgen. Boatengs lange Diagonal- und Steilpässe könnten Tempo in das manchmal zu statische Bayern-Angriffspiel bringen und Alaba wäre auf der linken Seite mit seinem Kumpel Franck Ribéry wiedervereint. Die beiden verstehen sich blind und könnten so das Offensivspiel über den Flügel forcieren.

Welche Taktik wählt Atlético – und wie reagiert der FC Bayern?

Wie spielen die defensivstarken Spanier in München? Lassen sie sich tief fallen und setzen auf schnelle Konter wie in der zweiten Halbzeit im Hinspiel? Oder lässt Simeone seine Mannschaft am Anfang wieder so extrem pressen wie in der Anfangsviertelstunde in Madrid? Wahrscheinlich wählt Simeone eine ähnliche Taktik wie im Hinspiel, denn der deutsche Rekordmeister zeigte schon mehrfach in dieser Saison, dass er bei gegnerischem Pressing verwundbar ist. Wichtig wird es sein, defensiv einen frühen Gegentreffer wie im Hinspiel zu vermeiden und offensiv das Tempo hochzuhalten, um Atléticos dicht gestaffelte Abwehrkette zu sprengen. Die Bayern müssen das Pressing der Atlético-Spieler geduldig umspielen, dabei die Breite des Platzes nutzen und in der Offensive die sich bietenden Lücken konsequenter nutzen. Doch die Bayern werden nicht blind losstürmen, denn sie wissen, dass sie lediglich ein 1:0 aufholen müssen und dass das Spiel in München auch erst in der Verlängerung entschieden werden könnte.

Wie besetzt Guardiola das Mittelfeld – und was wird aus Müller?

Im Hinspiel setzte Guardiola auf Xabi Alonso auf der Sechs sowie Thiago und Arturo Vidal auf den Halbpositionen vor Alonso sowie die Außen Kingsley Coman und Douglas Costa. Guardiola wollte neben der enormen Schnelligkeit auf den Außenbahnen die Ballsicherheit des Trios im Zentrum nutzen, um das Spiel zu kontrollieren. Dafür war er sogar bereit, Thomas Müller zu opfern, obwohl dieser ja bekanntermaßen seit der Amtszeit von Louis van Gaal in München "immer spielt." Lässt Guardiola den erfolgreichsten Bayern-Torjäger der Champions-League-Historie im Rückspiel von Beginn an von der Leine? Oder setzt er wieder auf dessen Jokerqualitäten? Das hängt vor allem davon ab, ob Guardiola ein weiteres Mal Routinier Alonso, der besonders auffällig unter Pressingaktionen des Gegners leidet, vor der Abwehr vertraut. Alternativ könnte er Vidal etwas zurückziehen und Thiago den offensiven Müller zur Seite stellen. Nach den zuletzt eher bescheidenen Leistungen Thiagos wäre jedoch auch eine Startelf ohne Guardiolas Musterschüler denkbar. Vidal könnte Alonso in der Defensive unterstützen und das Sturm-Duo Robert Lewandowski und Müller durch Vorstöße immer mal wieder entlasten.

Wie knacken die Bayern Atléticos Abwehr-Beton?

Mit Tempo über die Außenbahn. Egal, ob wieder Coman und Costa spielen, oder Ribéry – auf diese Spieler kommt es gegen Atléticos Monsterabwehr, in der aller Voraussicht der im Hinspiel noch verletzt fehlende Uruguayer Diego Godín zurückkehrt, an. In Madrid gelang es den Bayern vor allem auf der rechten Seite nicht, den bärenstarken Filipe Luís in Bedrängnis zu bringen. Durch viel Bewegung ohne Ball muss der FC Bayern zudem versuchen, Lücken in die spanische Mauer zu reißen. Die Bayern brauchen außerdem viel mehr Durchschlagskraft als noch vor einer Woche. Ein Mittel könnte die Hereinnahme Müllers sein, denn Lewandowski rieb sich als einzige Spitze im Hinspiel auf, diente nur selten als Anspielstation. Mit zwei Angreifern (oder zumindest einer hängenden Spitze Müller neben Lewandowski), die sich immer wieder aus dem Zentrum herausbewegen und so ihre Gegenspieler aus der Komfortzone locken, könnte es dem FC Bayern gelingen, zum Erfolg zu kommen.

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