1. Bundesliga 17/18
| 09.04 Uhr

Champions League
FC Bayern braucht Teamgeist und Thiago

Das ist Thiago Alcantara
Das ist Thiago Alcantara FOTO: dpa
Düsseldorf. Der Rekordmeister humpelt in sein Viertelfinalhinspiel der Champions League beim FC Porto. Von Robert Peters

Es geschah zu der Zeit, als sich Pep Guardiola noch in die Feinheiten der deutschen Sprache einfühlen musste. Da stellte ihm jemand die Frage, mit welchem Spieler er sein neues Team beim FC Bayern München noch verstärken wolle. "Thiago - sonst nix", antwortete der Trainer. Das ist fast zwei Jahre her, und damals wie heute hatte Guardiola ein Luxusaufgebot beisammen - nach seiner kühnen Ansage natürlich mit Thiago. Der einzige Unterschied: Im Frühling 2015 gehen dem Coach die Athleten aus.

Der FC Bayern zahlt die Rechnung für die hohe Belastung seiner Spitzenkräfte und humpelt mit reichlich Verletzten in die wichtigste Phase der Saison. In der Meisterschaft geht das wegen des Zehnpunkte-Vorsprungs sechs Spiele vor dem Ende sicher gut, im Pokal gibt es immerhin ein Heimspiel. Aber in der Champions League fällt innerhalb einer Woche die Entscheidung über den weiteren Weg, der nach dem erklärten Willen aller Beteiligten mindestens bis ins Finale am 6. Juni in Berlin führen soll.

Heute tritt der Meister zum Viertelfinal-Hinspiel beim FC Porto an. Und weil die Bayern mit einem sehr übersichtlichen Aufgebot angereist sind, preist Karl-Heinz Rummenigge vorsichtshalber die fantastische Einstellung. "Die Mannschaft macht das großartig", betont der Vereinschef, "sie holt sich unheimlich viel Kraft, indem sie sich mit diesem Spirit hochzieht." Er könnte auch mit Guardiola sagen: "Wir brauchen Teamgeist - sonst nix."

Mit Geschlossenheit reagierte der Rekordmeister bereits in seinen zurückliegenden Bundesliga-Begegnungen auf die personelle Misere. In Dortmund mauerte er sich unter gröbster Missachtung aller Regeln des feinen Guardiola-Fußballs zu einem 1:0-Erfolg; Eintracht Frankfurt war auch für eine erweiterte B-Mannschaft beim 3:0 kein angemessener Gegner. Zwischendurch behauptete sich ein immerhin hingebungsvoll kämpfendes Bayern-Team in Leverkusen. Im Pokal setzte sich der Titelverteidiger nach Elfmeterschießen durch.

Er konnte nämlich neben Teamgeist eine weitere Trumpfkarte ausspielen. Torwart Manuel Neuer ist von der Verletzungsseuche noch nicht angesteckt worden. Und weil er der beste Schlussmann der Welt ist, kann er im Notfall ganz allein gegnerische Angriffe oder Schüsse vom Elfmeterpunkt abwehren. Die Tore schießt er allerdings immer noch nicht selbst, auch wenn es ihn erkennbar dazu drängt, sein Revier bis weit über die früher mal festgeschriebenen Grenzen im Strafraum auszudehnen.

Ganz vorn muss er sich im Moment von Robert Lewandowski vertreten lassen, dem die neue Freiheit als einziger Bayern-Stürmer sichtlich ins Spiel passt. Seit hinter und neben ihm allein der unvergleichliche Dauersprinter Thomas Müller über den Platz ackert, trifft Lewandowski so, wie sich das die Bayern-Bosse bei der Verpflichtung im vergangenen Sommer vorgestellt hatten.

Dennoch hätten sie es gern, wenn er in den großen internationalen Spielen die Flügeldribbler Arjen Robben und Franck Ribéry an seiner Seite hätte. Sie können Bayerns Spiel unberechenbar machen, aber sie gehören zur Humpel-Fraktion. Bastian Schweinsteiger hat sich nach eben überstandener Verletzung dort ebenfalls wieder eingliedern müssen. Dadurch liegt im konstruktiven Bereich noch größere Last auf den schmalen Schultern von Thiago, der gerade mal zweieinhalb Einsätze hinter sich hat. Vielleicht braucht der FC Bayern am Ende auch Teamgeist und Thiago.

Quelle: RP
 
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