1. Bundesliga 16/17
| 12.37 Uhr

Müller-Wohlfahrt tritt zurück
Guardiola: "Kann diese Entscheidung nur akzeptieren"

Porträt: Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt – Wunder-Doc mit Wallemähne
Porträt: Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt – Wunder-Doc mit Wallemähne FOTO: afp, agz/VL/dg
München. Dieser Ärger trifft den FC Bayern hart. Mitten in die Nachwehen des 1:3 beim FC Porto wirft Klub-Ikone Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt hin. Über die Gründe kann vorerst nur spekuliert werden. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Unfallchirurg Volker Braun das Team betreuen. "Ich kann diese Entscheidung nur akzeptieren", sagte Bayern-Trainer Pep Guardiola am Freitag.

Helle Aufregung beim FC Bayern: Vor dem drohenden Aus in der Champions League vergrößert der spektakuläre Rücktritt von Klub-Ikone Müller-Wohlfahrt die Turbulenzen beim deutschen Rekordmeister. Der langjährige Vereinsarzt hielt sich am Morgen nach seinem einschneidenden Schritt mit einer weiteren Stellungnahme zurück. "Ich will noch nichts sagen, es ist noch zu früh. Ich werde mich noch äußern, aber nicht heute", sagte Müller-Wohlfahrt am Freitag mehreren Münchner Medien.

Die Bayern nahmen den Rücktritt in einer Neun-Zeilen-Erklärung "mit Bedauern" zur Kenntnis und kündigten "zeitnah" eine Entscheidung über die Nachfolge an. Vorerst werde der Orthopäde und Unfallchirurg Volker Braun das Team bei den Spielen betreuen – der Mediziner arbeitete zuletzt bei der zweiten Mannschaft in der Regionalliga.

Die Nachwehen des ernüchternden 1:3 im Champions-League-Spiel beim FC Porto sorgten für den überraschenden Schritt von Müller-Wohlfahrt am Donnerstagabend. Der Nationalmannschaftsarzt begründete seinen Rücktritt mit den Vorkommnissen nach dem Viertelfinal-Hinspiel. "Aus uns unerklärlichen Gründen" sei die medizinische Abteilung "für die Niederlage hauptverantwortlich gemacht" worden, hieß es in der Mitteilung. Man sehe dadurch das für eine erfolgreiche medizinische Arbeit notwendige Vertrauensverhältnis nachhaltig beschädigt.

"Es war seine Entscheidung"

Als ein Grund gilt der Dauerkonflikt mit Trainer Pep Guardiola. Das zerstörte Vertrauensverhältnis ist – auf jeden Fall kurzfristig – nicht zu kitten. Fast vier Jahrzehnte war Müller-Wohlfahrt im Amt, kurz unterbrochen wurde dessen Wirken bei den Bayern nur nach Ärger in der nur zehn Monate währenden Amtszeit von Jürgen Klinsmann in der Saison 2008/09.

"Es war seine Entscheidung", sagte Guardiola am Freitag zu dem Entschluss Müller-Wohlfahrts. "Ich habe großen Respekt, ich kann diese Entscheidung nur respektieren." Mit Müller-Wohlfahrt tritt auch sein Stab zurück, darunter Sohn Kilian.

Das Verhältnis zwischen Guardiola und Müller-Wohlfahrt war weit mehr als angespannt. Vor allem bei der Behandlung des über ein Jahr verletzten Spaniers Thiago gab es hinter den Kulissen mächtig Ärger. Zwar beteuerten sowohl Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge als auch Sportvorstand Matthias Sammer, dass es keine Probleme gebe. Aber alleine das Mimik- und Gestenspiel des katalanischen Starcoaches während einiger Bayern-Spiele stellte den gestandenen Mediziner ein Stück weit bloß.

Spekuliert wurde im Rahmen des Rücktritts in Medien auch darüber, dass es zu einer Diskussion zwischen Rummenigge und Müller-Wohlfahrt gekommen sein soll. Klar ist: Den vom Verletzungspech verfolgten Bayern passen die vielen Ausfälle nicht. Befeuert wurde die Situation durch den langwierigen Ausfall von Franck Ribery nach dem Donezk-Spiel im März. Nach dessen Knöchelverletzung wurde zunächst nur eine kurze Pause bekanntgegeben, jetzt fehlt der Franzose immer noch.

Spieler haben Recht auf freie Arztwahl

Guardiola hatte zuletzt bei Nachfragen zum Gesundheitszustand stets kurz angebunden auf den Arzt verwiesen. Dieser selbst wiederum hielt sich mit öffentlichen Einschätzungen betont zurück. Die Bayern-Stars vertrauen Müller-Wohlfahrt aber weiter, dürften auch nach seinem Ende auf der offiziellen Position "Mull" in seiner Praxis im Herzen der Stadt aufsuchen. Es gilt beim Klub das Recht der freien Arztwahl.

Hoch im Kurs steht der von Stars aus allen Bereichen gerne aufgesuchte Müller-Wohlfahrt auch beim DFB. Joachim Löw setzt total auf den 72-Jährigen, lobt ihn immer wieder. Der Bundestrainer gibt seiner medizinischen Abteilung auch einen hohen Anteil am WM-Titel.
Torwart Manuel Neuer und Kapitän Philipp Lahm – beide vom FC Bayern – wurden punktgenau zum ersten WM-Spiel in Brasilien fit. Auch das Risiko der Nominierung der lange verletzten Mittelfeldstrategen Bastian Schweinsteiger (FC Bayern) und Sami Khedira (Real Madrid) zahlte sich auf dem Weg zum Weltmeisterschaftstriumph aus.

Lobende Worte von Guardiola über Müller-Wohlfahrt sind dagegen nicht hängengeblieben. Der frühere Trainer des FC Barcelona, der zumindest im Fall des lange verletzten Thiago auch auf die Dienste eine Arztes an seiner früheren Wirkungsstätte gesetzt hatte, wünschte sich zudem einen präsenten Mediziner an der Säbener Straße. Dem kam der FC Bayern zu Jahresbeginn mit der Verpflichtung von Kilian Müller-Wohlfahrt nach.

Auch Klinsmann, der sich am Freitag auf Anfrage nicht äußern wollte, forderte bei seiner kurzen Bayern-Amtszeit 2008/09 einen ständigen Arzt am Vereinsgelände. Müller-Wohlfahrt ließ sich damals von seinen Aufgaben entbinden. Am Tag nach der spektakulären Trennung des FC Bayern vom ehemaligen Bundestrainer Klinsmann kehrte Müller-Wohlfahrt umgehend in das Amt des Teamarztes zurück. Damals übernahm auch Uli Hoeneß eine führende Rolle. Es wäre interessant zu wissen, wie der ehemalige Bayern-Präsident über die Causa von heute denkt.

(dpa)
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