1. Bundesliga 16/17
| 10.01 Uhr

Bayern-Präsident
Die Bewerbungsrede von Uli Hoeneß im Wortlaut

Hoeneß zum Bayern-Präsidenten gewählt
Hoeneß zum Bayern-Präsidenten gewählt FOTO: ap, MS
München. Vor Beginn der Abstimmung hat sich Uli Hoeneß mit einer emotionalen Rede bei den Mitgliedern des FC Bayern München beworben. Die Rede im Wortlaut.

"Vor gut zweieinhalb Jahren war ich auch hier gestanden, da habe ich nicht gewusst, was aus mir wird.

Dass ich heute hier stehen kann, habe ich verschiedenen Faktoren zu verdanken. Meinen Freunden - und meinen zwei Familien.

Die eine Familie ist meine private Familie, meine Frau, die gekämpft hat wie eine Löwin, meine Kinder, mein Schwiegersohn, meine Schwiegertochter - und die vier Enkel, wir haben vier Enkel, nicht drei, wie ich überall lesen musste, alles Buben.

Und dann die Familie des FC Bayern.

Als ich damals zu der Versammlung kam, auf der Karl Hopfner zum Präsidenten gewählt wurde, habe ich mich lange gefragt, ob ich da eigentlich hingehen soll, was ich da überhaupt noch soll. Ich war zurückgetreten, wegen meiner Steuersache, und dann habe ich mich dann doch entschlossen, kurzfristig. Als ich dann hier reinkam und diese Ovationen, diese Unterstützung gespürt habe, da habe ich genau diesen Satz gesagt: Das war's noch nicht. Weil ich so überwältigt war. Von der Zuneigung, von der Liebe, von der Freundschaft, die ich hier erleben durfte. Das hat mich in der ganzen Zeit, in der ich in Haft war, immer wieder angetrieben: zu diesen Leuten zurückzukommen.

Ich habe in der Zeit 5500 Briefe bekommen, auch viele aus dem Bereich der Mitglieder, der Fans des FC Bayern München. Und immer dann, wenn ich gar nicht mehr weiter wusste, meistens an Sonntagen, weil am Wochenende ist man 40 Stunden eingeschlossen, dann habe ich diese Briefe gelesen. Und ich habe manchmal im meinem Bett gesessen oder gelegen - und geweint wie ein Schlosshund, weil ich nicht verstehen konnte, dass Menschen, die mich nicht gekannt haben, mir seitenlange, handgeschriebene Briefe schreiben, um mich aufzumuntern, um mir die Kraft zu geben, es wieder zu packen.

Und ich glaube, das hat in erster Linie dazu beigetragen, dass ich diese schwierige Zeit so gut überstanden habe.

Ich habe einen großen Fehler gemacht, gar keine Frage. Ich respektiere jeden hier im Saal, der mir heute seine Stimme wegen dieses Fehlverhaltens nicht gibt, ich bin Demokrat. Aber ich habe alles getan, um diesen Riesenfehler wieder gut zu machen. Ich habe meine Steuerschulden inklusive Zins und Zinseszins und der Kirchensteuer bis auf den letzten Cent bezahlt.

Ich habe mich im Gefängnis verhalten, wie ein Häftling es nicht besser machen kann. Und die Beurteilung durch die Chefin der Anstalt in Landsberg hat dazu beigetragen, dass ich eine Halbstrafe bekommen habe, was in Bayern nicht selbstverständlich. Die Maßstäbe an die Halbstrafe sind extrem hoch. Und man muss alles, alles hundertprozentig erfüllen, um eine Chance zu haben, diese Halbstrafe zu erlangen. Und ich habe es geschafft, jetzt bin ich hier.

Ich bin glücklich, dass der Verwaltungsbeirat einstimmig darüber abgestimmt hat, mich als Präsident für diesen großartigen Verein zu nominieren.

Ich bitte Sie um eine zweite Chance - und ich verspreche Ihnen, dass ich alles tun werde, um ihre Erwartungen zu erfüllen. Ich bin nicht einer, der auf die Uhr schaut, wenn er zum Arbeiten geht, ich habe immer in meinem Leben die Arbeit, die angefallen ist, bis zum Ende durchgezogen. Und wenn es manchmal sieben Tage sein werden, dann werden es eben sieben Tage sein. Dafür wird und muss meine Frau Verständnis haben.

Ich möchte ein Bindeglied sein zwischen den Mitgliedern, zwischen Ihnen, denen der Verein zu 75 Prozent gehört, ich möchte ein Bindeglied zwischen Ihnen und dem Verein sein. Ich möchte ein Bindeglied zwischen dem Aufsichtsrat und dem Vorstand sein. Ich möchte ein Bindeglied zwischen dem Verwaltungsbeirat und dem Präsidium sein.

Ich möchte ein Kümmerer sein, ein Ratgeber für alle Mitarbeiter in diesem Klub, ich möchte für die Spieler von Basketball und Fußball da sein, wenn sie mich brauchen, und auch die Trainer können zu mir kommen, wenn sie Rat brauchen.

Ich denke, dass man am Ende dieser Zeit oft nachdenklich wird. Diese Kraft, die hat mir dieser Verein zurückgegeben. Ich bedanke mich auch bei Karl-Heinz Rummenigge, dass er mir die Möglichkeit gegeben hat, in meiner Freigängerzeit beim FC Bayern zu arbeiten, in der Jugendabteilung, das hat mir den Blick geöffnet auf viele Dinge, die ich in der Zukunft gegebenenfalls gut gebrauchen kann.

Aber ich glaube, ich werde mich auch darum kümmern, dass der FC Bayern seiner ungeheuren sozialen Verantwortung wie bisher gerecht wird. Das ist mir ein wichtiges Anliegen. Denn Fußball ist das eine. Die Gesellschaft ist das andere. Der FC Bayern München ist ein wichtiger Teil dieser Gesellschaft und hat da wichtige Aufgaben.

Die Fähigkeit, in einer klaren Sprache und Aussprache Probleme anzusprechen, ist nicht verloren gegangen, sie schläft nicht, sie ruht und sie kann bei Bedarf jederzeit zurückkommen.

Ich möchte Sie nun bitten, mir ihr Vertrauen zu geben und mir bei der Wahl zum Präsidenten dieses großartigen Klubs ihre Stimme zu geben."

(sid)
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