1. Bundesliga 16/17
| 12.59 Uhr

BVB vier Punkte hinter Bayern
Nächsten Sonntag ist die Saison vorbei

Die Meistertipps der Bundesliga-Trainer
Die Meistertipps der Bundesliga-Trainer FOTO: dpa, geb jai
Dortmund. Als Uli Hoeneß noch Präsident des FC Bayern München war, hob er mahnend den Zeigefinger und sagte den berühmten, nachgerade poetischen Satz: "Der Nikolaus ist kein Osterhase." Hieß: Wer im Dezember in der Meisterschaft vorn liegt, ist noch lange nicht Meister. Altes Denken! Von Martin Beils

Die Münchner waren zuletzt immer so überlegen, dass sie ein früher Vorsprung auf die Konkurrenz schon entscheidenden Charakter hatte. Am 27. bzw. am 30. Spieltag der 34er-Serie, im März bzw. im April feierte Pep Guardiola seine beiden deutschen Meistertitel. Und vielleicht wird es in dieser Saison noch früher.

 
BVB - Bayern: Die letzten Duelle FOTO: afp, CHRISTOF STACHE

Wenn die Münchner am kommenden Sonntag gegen Borussia Dortmund gewinnen, beträgt ihr Vorsprung auf den vom Potenzial noch am ehesten als Mitbewerber um den Titel zu betrachtenden Klub bereits sieben Punkte. Die Münchner könnten dann die Saison, "von oben runter" zu Ende bringen, wie die Skatspieler sagen würden. Oder um es auf Hoeneß-Art auszudrücken: Der Wiesn-Wirt ist der Osterhase. Denn am letzten Oktoberfest-Wochenende wird bereits der Ausgang der ganzen Saison vorweggenommen. Man könnte auch in Abwandlung eines Guardiola-Zitats sagen: Die Meisterschaft ist vorbei. Zumindest, was den Titelkampf angeht.

Oktoberfest: Die Wiesn-Bilanz des FC Bayern

Der vergangene Spieltag machte den entscheidenden Unterschied zwischen Bayern München und allen anderen ambitionierten Vereinen deutlich. Der Rekordmeister gewinnt seine Brot-und-Butter-Spiele – zum Beispiel in Mainz – mit höchster Zuverlässigkeit. Die Dortmunder, denen die Leichtigkeit der ersten Wochen unter Trainer Thomas Tuchel abgeht, haben hingegen in der letzten Woche bei der TSG Hoffenheim und gegen den SV Darmstadt 98 Punkte liegen lassen.

Die Überlegenheit der Bayern fußt im Wesentlichen auf der individuellen Klasse in diesem Ensemble, aus dem zunächst Thomas Müller herausstach und jetzt Robert Lewandowski für die großen Momente sorgt. Immer wieder wird aber auch deutlich, dass die innerbetriebliche Konkurrenz ein entscheidender Faktor ist. Jeder, der von Guardiola nominiert wird, muss und will sich beweisen und schafft das in der Regel auch. Etwa der vormalige Mitläufer Sebastian Rode zuletzt in Darmstadt. So breit sind die Dortmunder nicht aufgestellt. Schalke 04 verfügt – bei aller Wertschätzung für die wirkungsvollen Maßnahmen des neuen Trainer André Breitenreiter – nicht über die Mittel, um ganz oben anzugreifen. Und die vor der Saison hoch eingeschätzten VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen sind schon aus dem Windschatten der Münchner gerutscht.

Fotos: Alaba verpasst Bayern-Trainer Guardiola Bierdusche FOTO: dpa, mum jai

Den Bayern ist der Erfolg zu gönnen. Er gründet sich ja im Wesentlichen auf sportlichen Sachverstand und wirtschaftliches Geschick. Wenn es ihnen aber nun als erstem Verein gelingt, zum vierten Mal hintereinander den Titel zu holen, wird einmal mehr deutlich, dass es der Bundesliga an Ausgeglichenheit mangelt – zumindest an der Spitze. Dabei galt eben diese Ausgeglichenheit ("Jeder kann jeden schlagen") und die daraus resultierenden Spannung seit jeher als Alleinstellungsmerkmal der Bundesliga im Vergleich der europäischen Topligen. Zum Vergleich: In England gab es in den letzten drei Jahren drei verschiedene Meister, die beiden Klubs aus Manchester und zuletzt der FC Chelsea.

Für den Fußballfan, der nach Spannung sucht und dessen Interesse nicht speziell bei einem Klub liegt, bleibt für die letzten 26 Bundesliga-Spieltage der Blick auf den Kampf um die Europapokalplätze und der gegen den Abstieg. Eine Prognose dazu: Darmstadt 98 kann mit seinen Unentschieden zwar den einen oder anderen Großen ärgern und etwa dem BVB Schaden zufügen, zum Verbleib in der Klasse wird das aber nicht reichen.

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