1. Bundesliga 17/18
| 10.19 Uhr

Kolumne Gegenpressing
Vielen Dank, FC Bayern München!

Porträt: Das ist Karl-Heinz Rummenigge
Porträt: Das ist Karl-Heinz Rummenigge FOTO: dpa
Meinung | Düsseldorf. Der deutsche Meister hat sich durch eine Asien-Tournee gequält - alles zum Wohl des deutschen Fußballs. Das findet jedenfalls der Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Von Robert Peters

Es ist mal wieder an der Zeit, dem FC Bayern München dankbar zu sein. Das finden jedenfalls die Bayern, vor allem der Ober-Bayer Karl-Heinz Rummenigge. Die Asientournee des Klubs sei ein "Beitrag zum Wohle des deutschen Fußballs", hat der große Vorsitzende des Vorstands gesagt.

Während sich seine tapferen Athleten durch Zeitzonen, die Verheerungen des Jetlags und unzumutbare klimatische Bedingungen quälen, liegt die Konkurrenz daheim in der Hängematte und schert sich kein bisschen um das große Ganze. Allenfalls zu mitleidigen Kommentaren erklären sich Mitbewerber wie der Limonadenklub aus Leipzig bereit. Dessen Trainer hat sich sogar für den uneigennützigen Beitrag des Branchenführers und der ebenfalls durch Asien tourenden Klubs aus Dortmund und Gelsenkirchen in gebotener Herzlichkeit bedankt. "Ich bin dankbar, dass wir davon verschont bleiben", sagte Ralph Hasenhüttl. Für Rummenigge ist das eine vergiftete Bemerkung. "Zynisch, unsolidarisch", schimpfte der Bayern-Chef.

Dabei hält er die Strapazen für zumutbar - anders als der andere Ober-Bayer Uli Hoeneß, der das ganze Treiben als grenzwertig bezeichnete. Fern aller Fensterreden über Solidarität sieht Rummenigge nämlich zunächst mal den Markt für den FC Bayern. Längst hat der Klub eine Art Niederlassung in Schanghai. Und Jörg Wacker, der Münchner Vorstand für Internationalisierung und Strategie, stellte bei der Eröffnung fest: "Wir haben in China mit aktuell schon über 136 Millionen Followern eine breite Fanbasis, mit der wir ab sofort noch stärker in den Dialog gehen wollen." Auf längere Sicht tragen die kraftraubenden Beiträge der spielenden Belegschaft dazu tüchtig bei. Der Ausflug nach Asien rechnet sich aber sogar kurzfristig. 14 Millionen Euro kassierte der Klub für seine Rundreise, und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) unterstützt die notleidenden Aushängeschilder des deutschen Fußballs bei den Reisekosten.

Ebenso wie die Bayern haben auch die Dortmunder in erster Linie ihre Geschäftspartner im Sinn, wenn sie sich über den fremden Kontinent jagen lassen. Der BVB betreibt sieben Kooperationen in Asien, die jeweils zwischen 150.000 und 500.000 Euro bringen. Zum Glück hat er sich nicht für seine Verdienste um den deutschen Fußball feiern lassen.

In dieser Hinsicht gewährt der zweite deutsche Großklub den Bayern den Vortritt. Das ist zumindest mal nicht blöd. Verdient hat die Borussia in diesem Jahr trotzdem. Elf Millionen Euro haben die Dortmunder für ihre Teilnahme an der kleinen internationalen Spielrunde nach Erkenntnissen der "Bildzeitung" eingenommen. Kaum weniger als die Bayern, die zweimal so viel (viermal) spielen mussten und nebenbei das Ansehen des deutschen Fußballs durch drei Niederlagen mehrten. Die Welt ist ungerecht, würde Rummenigge sagen.

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Quelle: RP
 
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