1. Bundesliga 17/18
| 13.52 Uhr

Bayern-Trainer macht Sorgenkind wieder stark
Heynckes weiß, wie Vidal tickt

FC Bayern München: Jupp Heynckes weiß, wie Arturo Vidal tickt
Zwei, die sich kennen und schätzen: Jupp Heynckes und Arturo Vidal. FOTO: dpa, awa fpt
München/Düsseldorf. Bayern-Trainer Jupp Heynckes hat Arturo Vidal zuletzt öffentlich angezählt. Mit seiner Kritik erzielte der erfahrene Coach die erwünschte Wirkung. Von Denis Canalp

Arturo Vidal ist kein besonders pflegeleichter Typ. Der Chilene sorgt seit Jahren in schöner Regelmäßigkeit abseits des Platzes für Schlagzeilen. Nicht selten wird der Bayern-Star im Zusammenhang mit einem unsteten Lebenswandel und mangelnder Fitness genannt. Doch Jupp Heynckes kriegt auch den schwerst tätowierten Chilenen hin.

Die Vorwürfe der mangelnden körperlichen Fitness lächelte Vidal nach dem 3:0 gegen den FC Augsburg entspannt auf dem Siegerfoto aus der Kabine weg. Stolz zeigte der "Krieger" auf dem Foto seinen Waschbrettbauch nach dem Spiel, indem der zuletzt zum Bankdrücker degradierte 30-Jährige mit seinem Treffer zur Führung und der Vorlage zum 2:0 zum Matchwinner der Bayern avancierte.

Zu seiner Leistung sagte Vidal nichts. Das taten andere. Sein Trainer zum Beispiel. "Laufstark, aggressiv und fußballerisch gut" sei sein Schützling gewesen, sagte Heynckes. Und fügte fordernd hinzu: "Das erwarte ich von ihm." Heynckes war zuletzt nicht besonders von Vidals Trainingsleistungen angetan und versetzte den Mittelfeldspieler in den wichtigen Spielen gegen RB Leipzig und bei Borussia Dortmund kurzerhand auf die Ersatzbank.

Vidal schwieg zur zwischenzeitlichen Degradierung, aber wer den ehrgeizigen Chilenen kennt, der weiß, wie sehr es in ihm brodelte. Vidal ist in Top-Form ein Spieler, der den Unterschied macht. Vidal ist zwar kein Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo, kein Edeltechniker und auch kein Torjäger, dafür ist er ein Spieler, der seine Mitspieler stärker aussehen lässt, weil die sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren können, während der "Krieger" kompromisslos aufräumt. Vidal ist ein Kämpfer, ein Dauerläufer, der überall auf dem Platz zu finden ist – eine echte Naturgewalt.

Heynckes kennt "seinen Arturo" genau

Doch für dieses extrem kraftraubende Spiel benötigt er hundertprozentige Fitness. Und die war ihm zuletzt tatsächlich etwas abhanden gekommen. Ob nun Partys in der chilenischen Heimat oder zu lasches Training unter Heynckes' Vorgänger Carlo Ancelotti der Grund dafür waren, lässt sich nicht eindeutig klären, aber das Ergebnis war eindeutig und nicht zu übersehen. Vor allem nicht für Heynckes, der "seinen Arturo ganz genau kennt", wie er zu sagen pflegt.

Porträt: Krieger von Bayer 04 Leverkusen, Juventus Turin und dem FC Bayern München FOTO: afp, IW

Heynckes und Vidal kennen sich noch aus der gemeinsamen Leverkusener Zeit, zwischen 2009 und 2011. Damals machte Heynckes den Chilenen unter dem Bayer-Kreuz zu einem Weltklasse-Fußballer, wollte ihn 2011 sogar zum FC Bayern mitnehmen. Ein Transfer ging damals nicht über die Bühne, weil sich Leverkusen weigerte, die nationale Konkurrenz zu stärken. Der Mittelfeldspieler wechselte zu Juventus Turin, kam 2015 dann aber doch noch mit Verspätung in München an - und mit einem gehörigen finanziellen Aufschlag. 37 Millionen Euro überwiesen die Münchener in den Piemont und mussten damit wesentlich mehr zahlen als 2011 die Turiner, die ihn für zwölf Millionen Euro aus Leverkusen holten.

"Ich hatte vor zwei, zweieinhalb Wochen ein längeres Gespräch mit Arturo. Ich habe gesagt, dass ich mit seinem gesamten physischen Zustand nicht zufrieden bin und dass er etwas ändern muss, wenn er spielen möchte", verriet Heynckes nach dem 3:0 am Samstag, dem achten Sieg im achten Pflichtspiel unter dem neuen alten Trainer. Vidal habe das zwar "nicht ganz so gesehen, aber er hat von dem Zeitpunkt an anders trainiert", sagte der Coach mit einem Grinsen im Gesicht.

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Heynckes weiß einfach, wie er mit "seinem Arturo" umzugehen hat. "In dieser Woche hat er wieder überragend trainiert", konstatierte Heynckes. Sein Warnschuss hat Vidal getroffen – und die Reaktion konnte sich sehen lassen.

 
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