1. Bundesliga 16/17
| 08.31 Uhr

FC Bayern München
Sammer hört auf – wieder mehr Macht für Hoeneß?

Porträt: Matthias Sammer: Heißsporn und Mahner
Porträt: Matthias Sammer: Heißsporn und Mahner FOTO: dpa, Peter Kneffel
München/Düsseldorf. Der deutsche Rekordmeister FC Bayern München und sein Sportvorstand Matthias Sammer gehen getrennte Wege. Der 48-Jährige hat eine Auflösungs-Vereinbarung seines bis 2018 laufenden Kontrakts unterzeichnet. Von Patrick Scherer

Meisterschaft? An Dortmund verloren. DFB-Pokal? An Dortmund verloren. Finale dahoam? Gegen den FC Chelsea verloren. Die Spielzeit 2011/2012 war eine der bittersten in der Geschichte des deutschen Fußball-Rekordmeisters FC Bayern München. Es war an der Zeit für frischen Wind. Und der kam, als im Sommer 2012 Matthias Sammer den Posten als Sportvorstand übernahm. Vier Meisterschaften, drei DFB-Pokalsiege und einen Champions-League-Titel später endet die Liaison zwischen Sammer und den Münchnern. Der 48-Jährige hat um eine Auflösung seines bis 2018 laufenden Vertrags gebeten. "Wir haben Verständnis für den Wunsch von Matthias Sammer und haben daher entschieden, diesem zu entsprechen", teilte Karl Hopfner, Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern, gestern mit.

Im April war Sammer ernsthaft erkrankt. Der FC Bayern teilte damals mit, dass sein Sportvorstand an einer "winzigen Durchblutungsstörung des Gehirns, die komplett und folgenlos ausheilen wird", erkrankt sei. Sammer war seit der Erkrankung aber nicht mehr wie gewohnt präsent. Am Sonntag ließ Sammer verlauten: "Mir geht es sehr gut. Meine Gesundheit ist wiederhergestellt. Die umfangreichen medizinischen Untersuchungen haben dies zu 100 Prozent bestätigt." Als Grund für die Vertragsauflösung gab Sammer die Fülle der Aufgaben an: "Ich hatte die Möglichkeit und die Zeit, über viele Dinge nachzudenken. Über meine Familie und über meine Tätigkeit beim FC Bayern München. Sportvorstand beim FC Bayern zu sein, bedeutet: sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag mit aller Energie dem Klub, der Mannschaft und auch der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stehen. Diesen Aufgaben möchte ich im Moment nicht nachkommen."

Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge erklärte: "In den vielen Gesprächen mit Matthias habe ich verstanden, dass er in seiner Auszeit in den vergangenen Monaten eine andere, eine neue Einstellung zum Leben eingenommen hat. Er setzt nun andere Prioritäten und dazu passt die Tätigkeit beim FC Bayern nicht mehr. Dafür habe ich Verständnis. In diesem Fall ist der Mensch wichtiger als der Klub."

Sammer als Mahner

Sammer trat in den vergangenen Jahren immer wieder als Mahner auf. Er hatte sich auf die Fahne geschrieben, nie Zufriedenheit einkehren zu lassen. Zufrieden zu sein ist in Sammers Verständnis von Sport der erste Schritt in die Erfolglosigkeit. Deshalb eckte er als "Motzki" gerne und häufig an, gerade obwohl es sportlich gut lief. Kurz nach Amtsantritt im September 2012 sagte er nach einem 2:0-Sieg bei Werder Bremen: "Wir waren zu lätschern. Im Prinzip war es lange Zeit ein richtiger Käse."

Dass die Bayern in Sammers erster Saison das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League holten, wurde kaum mit ihm in Verbindung gebracht. Dortmunds damaliger Trainer Jürgen Klopp sagte sogar: "Als Matthias Sammer würde ich jeden Tag Gott danken, dass man ihn dazugeholt hat. Ich glaube nicht, dass Bayern München einen Punkt weniger hätte, wenn Matthias Sammer nicht da wäre."

Während er intern gerne Finger in Wunden legte, gelang es Sammer öffentlich aber auch, die Lücke von Uli Hoeneß zu schließen. Als der ehemalige Bayern-Präsident wegen Steuerhinterziehung ins Gefängnis musste, übernahm Sammer dessen Job, den Klub in "Mia-san-mia"-Manier öffentlich vehement zu verteidigen.

Die Bayern teilten mit, dass die Stelle des Sportvorstands vorerst nicht neu besetzt wird, sondern seine Rolle "innerhalb bestehender Strukturen" aufgeteilt wird. Der Abschied Sammers heizt die Diskussionen um eine Rückkehr von Uli Hoeneß in führender Position weiter an.

Quelle: RP
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