1. Bundesliga 16/17
| 11.31 Uhr

Kritik an Guardiola nach Bayern-Sieg
Scholl: "Sie haben die Pep-Ketten abgestreift"

FC Bayern München: Mehmet Scholl tritt gegen Pep Guardiola nach
ARD-Experte Mehmet Scholl glaubt, dass die Bayern unter Carlo Ancelotti wieder mehr Freiheiten haben. FOTO: dpa, mjh hak skm hpl
München. Kein ausgelassener Jubel, keine großen Gesten: Carlo Ancelotti zupfte sich nach seinem Traumeinstand kurz den dunklen Anzug zurecht, gab Viktor Skripnik die Hand und verschwand dann mit einem Lächeln in den Katakomben. Selbst nach seinem glanzvollen Bundesliga-Debüt beim FC Bayern blieb der 57 Jahre alte Italiener nach außen entspannt wie immer.

Dabei war Ancelotti nach dem beeindruckenden 6:0 (2:0) des Rekordmeisters gegen ein völlig überfordertes Bremen "sehr glücklich und zufrieden", wie er einräumte. "Das war eine sehr gute Leistung meiner Mannschaft. Wir haben einen guten Start hingelegt", fügte Ancelotti stolz an.

Es war eine Machtdemonstration und der Anfang einer neuen Münchner Erfolgsgeschichte. Denn der Italiener machte der schon in den vergangenen Jahren unterlegenen Konkurrenz für die Zukunft wenig Hoffnung: "Diese Mannschaft hat eine fantastische Qualität. Wir werden weiter hart arbeiten. Natürlich können wir noch besser spielen."

Zumal dem neuen Bayern-Coach nach der zweiwöchigen Länderspielpause beim Spiel auf Schalke (9. September) dann voraussichtlich wieder alle Stars aus seinem Luxus-Kader zur Verfügung stehen. In Kingsley Coman, Arjen Robben, Douglas Costa, Holger Badstuber und Jerome Boateng kommt nach reichlich Qualität hinzu. Gegen ein desolates Bremen konnte es sich Ancelotti sogar leisten, den gerade genesenen Europameister Renato Sanches 90 Minuten auf der Bank zu belassen.

Zudem scheinen es die Bayern jetzt schon geschafft zu haben, den Ballbesitzfußball der Ära Pep Guardiola mit den Ideen von Ancelotti ("Wir versuchen, etwas offensiver zu spielen") effektiv zu verbinden. Die dominanten Münchner spielten schneller in die Spitze, Chancen und Tore gab es so zuhauf. Routinier Xabi Alonso wollte dennoch keine Rückschlüsse zulassen. Man kenne zwar die Ideen des Trainers, "er bringt neue Facetten rein, aber es ist noch zu früh".

Leise Guardiola-Kritik von Scholl und Simon

ARD-Experte Mehmet Scholl glaubt sogar, dass die Bayern unter Ancelotti wieder befreiter aufspielen können. "Die Bayern haben Spaß, Ancelotti hat sie frei gelassen. Sie haben die Pep-Ketten abgelegt", sagte Scholl nach der Partie und trat ein bisschen gegen den Katalanen nach.

Auch Kommentator Steffen Simon ließ sich zu einem Kommentar in Richtung Guardiola hinreißen. "Ein Feuerwerk, wie wir es unter Guardiola nie gesehen haben", sagte Simon in Laufe der ersten Halbzeit. Dieses Guardiola-Bashing kam im Netz allerdings weniger gut an. "Simon hält die Ancelotti-Bayern nach knapp einer Hälfte für besser als alles in drei Jahren Guardiola. Kannste dir nicht ausdenken", schreibt ein Twitter-User. "Lieber Herr Simon, mit dem pausenlosen Guardiola Bashing disqualifizieren sie sich gerade selber", ergänzt ein anderer. Ein Dritter schreibt: "Pep Guardiola hat den FC Bayern richtig nach vorne gebracht. Das schafft auch ein Steffen Simon nicht klein zu reden".

Die kleinen Änderungen funktionierten aber schon sehr gut. Torjäger Robert Lewandowski mit einem Dreierpack (13., 46., 77./Foulelfmeter), Alonso (9.), Kapitän Philipp Lahm (66.) und Franck Ribéry (73.) schossen Werder vor 75.000 Zuschauern regelrecht ab.

"Es ist noch ein langer Weg"

Lewandowski wollte den Traumstart aber nicht überbewerten: "Es ist noch ein langer Weg." Auch Rückkehrer Mats Hummels, der bei seinem Einstand wenig gefordert wurde, stellte klar, dass selbst so ein Sieg mit "viel Spielfreude" immer auch "harte Arbeit" sei. Deshalb war ihm die Aussage von Bundestrainer Joachim Löw, der schon zur Pause von einem "Trainingsspiel" für den Rekordmeister gesprochen hatte, auch "zu abwertend".

Während die Bayern mit Ancelotti laut Thomas Müller schon "sehr viel Spaß haben", hält sich der Spaßfaktor bei Bremen deutlich in Grenzen. Nach der Pokalblamage bei Drittligist Lotte und dem Debakel in München musste Manager Frank Baumann bereits Trainer Viktor Skripnik stützen.

"Wir werden da in den nächsten Monaten definitv nichts verändern. Wir haben die Entscheidung aus Überzeugung getroffen", sagte er zu erneut aufkommenden Diskussionen um den 46 Jahre alten Ukrainer. Skripnik habe "auch die letzten zwei Jahre bewiesen, dass er schwierige Situationen meistern kann. Wir werden da nicht die Nerven verlieren."

Krisenstimmung herrschte trotzdem. "Das war ängstlich, mutlos. Wie willst du da den Ball erobern? Da kann man sich nur entschuldigen. Wir müssen besser zusammenarbeiten", schimpfte Kapitän Clemens Fritz.

Auch Skripnik monierte, dass es sein Team den Bayern "viel zu leicht" gemacht habe. "Wir waren nicht aggressiv. Wenn du ohne Zweikampf gegen Bayern spielen willst, geht das nicht. Das war zu naiv", sagte er mit finsterer Miene und ergänzte vor dem nächsten Spiel am 11. September zu Hause gegen Augsburg: "Gott sei Dank gibt es jetzt zwei Wochen Pause." Genug Zeit für Aufbauarbeit.

(sid)
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