1. Bundesliga 17/18
| 12.38 Uhr

Philipp Lahms letztes Spiel
Ein Großer verlässt die Bühne

Lahm sagt Servus: Der Rückblick auf seine Karriere
München. Philipp Lahm macht Schluss. Am Samstag spielt er sein letztes Spiel mit den Bayern. Aus dem lockeren Jungen ist eine der prägenden Figuren des Weltfußballs geworden.  Von Robert Peters

Er kennt den Blick aus diesem Tunnel. Hier hat er schon an einem sonnigen Freitagnachmittag im Juni 2006 gestanden, noch bevor Deutschland ahnte, dass ihm ein Sommermärchen bevorstand. Hier stand er vor hunderten von Heimspielen für den FC Bayern München und vor dem "Finale dahoam" in der Champions League 2012. Und hier steht er am Samstag zum letzten Mal. Philipp Lahm gibt gegen den SC Freiburg mit 33 Jahren seine Abschiedsvorstellung als Fußballer. Es geht "einer der außergewöhnlichsten Spieler des deutschen Fußballs", wie sein früherer Trainer Jupp Heynckes zu Recht sagt.

Vielleicht wird dem kleinen Mann in den paar Minuten im Spielertunnel der Münchner Arena die Größe des Augenblicks bewusst. Vielleicht hört er das leise Klacken der Stollen nur ganz weit entfernt, vielleicht nimmt er die Kollegen gar nicht wahr, das Schulterklopfen der gegnerischen Spieler, die Schiedsrichter und die Ballkinder.

Philipp Lahm - Stationen einer Karriere FOTO: dpa, spf hak

Vielleicht ist er für einen Moment woanders mit seinen Gedanken. Denn natürlich ist er nachdenklicher geworden in vierzehn Profijahren. Aus dem lockeren Jungen, der vor dem Einlaufen zum WM-Spiel gegen Costa Rica vor elf Jahren locker die Melodie des Liedchens pfiff, das draußen zur Einstimmung der Zuschauer gespielt wurde, ist eine der prägenden Figuren des Weltfußballs geworden. Ein Mann, der fast alles gewonnen hat, was der Globus an Sporttrophäen bietet.

Er ist Weltmeister, Champions-League-Sieger, deutscher Meister, Pokalsieger. Er war linker Verteidiger, rechter Verteidiger, Mittelfeldspieler. Dabei hat er die Fehlerfreiheit in seinem Spiel zum Programm erhoben. Einer seiner wenigen Patzer unterlief ihm ausgerechnet im Pokal-Halbfinale gegen Dortmund. Er leitete einen Gegentreffer und das Ausscheiden ein. Der Fehler führte dazu, dass die Welt nach dem Spiel kurz mal einen anderen Philipp Lahm erlebte. Der Mann, der öffentlich wie ein Politiker auftreten kann, war sprachlos und den Tränen nah. So viel Emotion gönnt er sich sonst nicht.

Aber er hätte das Finale in Berlin für einen würdigen Abschluss seiner großen Karriere gehalten - wenn schon die Krönung in der Champions League durch die Viertelfinal-Niederlage gegen Real Madrid ausfallen muss. Die Niederlage gegen Dortmund gehört zu den wenigen Tiefpunkten seiner Laufbahn, die sonst wirkt wie am Reißbrett geplant. Sie beginnt in der Jugendabteilung des FC Bayern. Dem knorrigen Westfalen Hermann Gerland fällt der schmächtige Junge zuerst auf. Gerland ist derart überzeugt von Lahms Talent, dass er noch heute beteuert: "Ich hätte meine Lizenz zurückgegeben, wenn der kein Großer geworden wäre, und wäre Volleyball- oder Wasserballtrainer geworden." Von Gerland stammt auch die korrekte Feststellung: "Der kann gar nicht schlecht spielen." Zunächst hat Lahm das als Leihspieler beim VfB Stuttgart nachgewiesen, dann in elf Jahren als unentbehrliches Mitglied des Bayern-Ensembles und in einem Jahrzehnt Nationalmannschaft. "Er ist der intelligenteste Spieler, den ich je trainiert habe", versichert Pep Guardiola, der drei Jahre sein Coach war.

Die Abschiede aus der Bundesliga FOTO: dpa, hak nic

Die Karriere nach der Karriere hat er längst vorbereitet, seine Holding investiert in Unternehmen der Gesundheitsvorsorge und Körperpflege. Er gilt mittelfristig als Kandidat auf ein großes Amt in der Fußballfirma Bayern München oder beim Deutschen Fußball-Bund. Und doch ist es immer noch schwer, sich Philipp Lahm anders als in kurzen Hosen vorzustellen. Im großen Lahm, den die deutschen Sportchroniken bald als einen in der Reihe der Fritz Walter, Uwe Seeler und Franz Beckenbauer führen werden, steckt immer noch der kleine Philipp, der mit einem Liedchen auf den Lippen Fußball spielt.

Dass er nicht immer nur der nette, manchmal kantenfreie junge Mann von nebenan ist, hat er aber längst bewiesen. Mit großem politischen Geschick setzte er seine Ansprüche auf das Kapitänsamt beim DFB gegen den alternden Platzhirsch Michael Ballack durch. Er musste nicht einmal in ein Wettröhren eintreten und begründete ein neues Zeitalter der flachen Hierarchien. Und als ihm sein eigener Klub 2009 viel zu wenig Konzept zu haben schien, gab er ein Interview, das alle Schwachstellen aufzeigte und das entgegen der Gepflogenheit im Verein nicht abgesprochen war. "Er wird die höchste Strafe zahlen, die je ein Bayern-Spieler gezahlt hat", kündigte der damalige Manager Uli Hoeneß an. Lahm konnte es verschmerzen. Sein Klub ist ihm sicher noch heute dankbar. Für die kleine Spende und die fachliche Anregung.

Quelle: RP
 
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