1. Bundesliga 16/17
| 19.28 Uhr

Bayern holt historischen Titel
Guardiola dankt Heynckes: "Jupp, das ist für Dich!"

Fotos: Bayern feiern mit Papp-Schale in Ingolstadt
Fotos: Bayern feiern mit Papp-Schale in Ingolstadt FOTO: afp
Ingolstadt. Der historische vierte Meistertitel in Serie soll bei Bayern München ein paar Wunden heilen. Trainer Pep Guardiola lobt Borussia Dortmund und widmet den Triumph seinem Vorgänger Jupp Heynckes.

Die Feierlichkeiten fielen eher zurückhaltend aus. Ein bisschen "Humba", eine kleine Polonaise, ansonsten umarmte eher brav jeder jeden – und das war es dann auch schon. Wobei, in der Kabine, berichtete der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge kurz darauf, sei hinterher schon dem Anlass entsprechend gefeiert worden, schließlich sei dieser vierte Meistertitel von Bayern München nacheinander ja schon "historisch". Doch auch er wollte nach dem 2:1 (2:1) beim FC Ingolstadt doch nicht verhehlen, dass es unter anderen Umständen wohl heftiger zugegangen wäre.

Nein, sagte Rummenigge, man brauche nicht "lange drumherum reden": Auch wenn die Meisterschaft in der Bundesliga der "ehrlichste Titel" sei, die Champions League halte nun mal den "wichtigsten Klubtitel" bereit. Und deswegen ist diese vierte Meisterschaft nacheinander in der Tat historisch, einzigartig, aber im Falle des FC Bayern eben nur ein Trostpflaster nach dem erneuten Ausscheiden im Halbfinale der Königsklasse. "Der Titel wird die Wunder vom Dienstag wieder ein bisschen schließen", sagte, glaubt, hofft Rummenigge. Danach rief er plötzlich aus: "Es lebe der FC Bayern!"

Die Saisontreffer Nummer 28 und 29 von Torjäger Robert Lewandowski (15./Foulelfmeter und 33.) sicherten den Bayern den Sieg bei den Schanzern, der angesichts der Niederlage von Borussia Dortmund bei Eintracht Frankfurt (0:1) gar nicht mehr erforderlich gewesen wäre zum vorzeitigen Gewinn der Meisterschaft. Unabhängig davon gab es vom Münchner Klubchef ein großes Lob, "Dortmund war wirklich stark, das hat uns angetrieben", sagte Rummenigge. Dass sich beide Klubs am 21. Mai in Berlin im DFB-Pokalfinale wiedersehen, erscheint ihm deshalb logisch: "Auf dieses Finale kann sich Deutschland freuen."

Dieses Finale wird dann auch das Abschiedsspiel für Trainer Pep Guardiola sein, doch so weit wollte der Spanier erst mal gar nicht vorausblicken. Nein, er saß da in seinem T-Shirt mit der durchaus doppeldeutigen Aufschrift "4ever Deutscher Meister", und verteilte in einer Art weiterer Abschiedsrede Komplimente: Zunächst, man höre und staune, an seinen Kollegen Ralph Hasenhüttl, der beim Abschied aus Ingolstadt Tränen in den Augen hatte, erst dann an alle beim FC Bayern und an seine Spieler. Und schließlich an Borussia Dortmund für eine "Wahnsinns-Wahnsinns-Wahnsinns-Saison".

Als aller Dank bereits gesagt schien, wurde Guardiola noch richtig sentimental. Er wolle diesen vierten Titel, den "schwierigsten" in den drei Jahren beim FC Bayern, "mit Jupp Heynckes teilen", sagte er mit bewegter Stimme. Es gebe "viele Legenden beim FC Bayern", fügte er an, aber Heynckes sei eine "richtige Legende".

Großen Eindruck hinterließ der Triple-Trainer bei seinem Nachfolger vor allem durch seine Zurückhaltung, nie, betonte Guardiola, habe Heynckes sich in all der Zeit geäußert über ihn. Dem Spanier hat das offensichtlich großen Respekt abgenötigt, deshalb: "Jupp, das ist für Dich."

Hasenhüttl saß bei all dem staunend daneben. Er hatte Tränen in den Augen nach dem Spiel, einige Zuschauer pfiffen wegen des Wechsels zu RB Leipzig, es ging emotional zu. Nicht minder zu bewegen schienen ihn freilich die Aussagen von Guardiola. "Pep, Du bist nicht nur ein Riesentrainer, Du bist auch unglaublich bescheiden, wenn es einer verdient hat, diese Titel zu gewinnen, dann bist Du das", sagte der Österreicher über den Katalanen, der auch als Mensch "unglaublich" sei. Ein paar Minuten später standen beide auf und umarmten sich. Es dürfte die längste Umarmung an diesem Tag gewesen sein.

(seeg/sid)
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