1. Bundesliga 16/17
| 20.35 Uhr

FC Bayern München
Guardiola nerven die Fragen nach Götze

FC Bayern München: Pep Guardiola nerven die Fragen nach Mario Götze
Pep Guardiola wird kritisiert, weil er Mario Götze nicht einwechselte. FOTO: dpa, pst jhe hak
Wolfsburg. Pep Guardiola wird es in München nicht immer leicht gemacht. Da gewinnt der Rekordmeister 2:0 beim VfL Wolfsburg und der nach langer Verletzungspause zurückgekehrte Franck Ribéry ist an beiden Treffern beteiligt, doch nach dem Spiel fragen Journalisten, warum Mario Götze nicht gespielt hat. Auf Fragen nach dem deutschen WM-Held reagierte Guardiola gereizt.

Für Götze wird die Zeit langsam knapp. Dreieinhalb Monate vor Beginn der Europameisterschaft spielt Deutschlands WM-Held beim FC Bayern München auf dem Weg zum 26. Meistertitel nur eine Statistenrolle. Trainer Pep Guardiola fiel nach dem wichtigen 2:0 (0:0) am Samstag beim VfL Wolfsburg jedem, dem er im Kabinengang begegnete, überschwänglich um den Hals. Di elAune beim Rekordmeister war prächtig. Nur Mario Götze wirkte nicht besonders zufrieden.

Obwohl Guardiola Götze, der seit November verletzt fehlt, Hoffnungen auf einen Einsatz über "vielleicht 90 Minuten" gemacht hatte, saß der Siegtorschütze des WM-Finales 2014 90 Minuten nur auf der Bank. Wie schon beim 3:1 gegen Darmstadt vor einer Woche und wie auch in Turin beim 2:2 in der Champions League am Dienstag. Dabei ist Götze längst von seiner schweren Muskelverletzung kuriert. Auf entsprechende Nachfragen reagierte Guardiola gereizt.

"Wir haben sieben Außenstürmer und ich muss eine Entscheidung treffen", grummelte Guardiola: "Wenn Mario mal spielt, dann fragt ihr, warum Thomas nicht gespielt hat oder Lewandowski oder Arjen Robben." Kapitän Philipp Lahm macht sich derweil keine Sorgen um Götze: "Für jeden ist das eine schwierige Situation, wenn man verletzt ist und auch, wenn man wieder zurückkommt. Aber ich mache mir um Mario keine Sorgen. Er ist ein super Fußballer und sehr professionell. Es ist bei ihm nur eine Frage der Zeit."

Dennoch war auffällig, dass Guardiola lieber auf andere setzte, als der Rekordmeister zur Pause drauf und dran war, einen Fehlstart in die laut Trainer "wichtigste Woche der Saison" hinzulegen. Thiago und Ribéry kamen im zweiten Durchgang von der Bank. "Mario hat gut trainiert, aber hat eben noch keinen Rhythmus", erklärte Sportvorstand Matthias Sammer.

Auch Ribéry war lange verletzt und stieg etwa zeitgleich mit Götze wieder ins Mannschaftstraining ein. Anders als bei Götze begann Guardiola bei Ribéry aber sogleich wieder mit der Integration, der Franzose hatte zuletzt bereits seine Einsatzzeit. Mit Erfolg. An beiden Bayern-Toren von Kingsley Coman (66. Minute) und Robert Lewandowski (74.) war Ribéry beteiligt. "Franck war sehr, sehr lange verletzt. Es hat uns heute aber sehr, sehr weiter geholfen", meinte Lahm und sprach vom "Glück, eine überragende Bank" zu haben: "Wir haben entscheidende Spiele vor uns und da brauchen wir jeden Spieler."

Dass Götze behutsamer aufgebaut wird, liegt an mehreren Sachen. Einerseits hatte Götze eine muskuläre Verletzung und soll langsam wieder an die Belastung gewöhnt werden, andererseits ist Götze – im Gegensatz zu Ribéry – kein perfekter Joker für die Außenbahn. Es scheint, als könne Guardiola es seinen Kritikern nicht rechtmachen. Gibt er einem zuvor verletzten Profi wieder Spielpraxis, heißt es, der Einsatz komme zu früh und der katalanische Startrainer gefährde unnötig die Gesundheit seines Spielers. Gibt er jetzt Götze mehr Zeit, nörgeln die Kritiker, dass die Rückkehr zu lange dauere.

In den entscheidenden Wochen der Saison sieht es so aus, als ob Guardiola, der sich unbedingt mit so vielen Titeln wie möglich verabschieden will, Ribéry, der nur wenige Minuten benötigt, um ins Spiel zu finden, mehr Vertrauen schenkt als Götze. "Natürlich kann er ihn irgendwo bringen. Aber es war für ihn und für alle erkennbar, dass es ein extrem knappes Spiel werden wird", meinte Sammer.

Je näher die EM im Sommer in Frankreich rückt, desto problematischer könnte dies für den einstigen Senkrechtstarter werden, der nach über vier Monaten Spielpause eigentlich dringend Praxis benötigt. "Für Mario vielleicht ein bisschen unangenehm", gestand Sammer, fügte indes hinzu: "Aber für mich vollkommen plausibel. Es ist keine Zeit für Experimente. Er wird seine Spielminuten bekommen."

Wie sehr Guardiola vor seinem Abgang einzig und allein auf Titel denn auf Spielerentwicklung aus ist, zeigt sich auch am Samstag wieder am ausgelassenen, fast kindlichen Jubel mit seinen Spielern. "Das ist eine entscheidende Woche für uns", erklärte Lahm den emotionalen Ausbruch Guardiolas nach dem Sieg in Wolfsburg: "Wenn wir die Spiele gewinnen, können wir definitiv von der Meisterschaft sprechen."

Am Mittwoch wartet Mainz und am Samstag geht es zu Götzes Ex-Klub Dortmund. "Unser Ziel ist es, mit mindestens acht Punkten Vorsprung nach Dortmund zu reisen und dann dort zu gewinnen. Dann haben wir elf Punkte Vorsprung, das ist dann eine Vorentscheidung", befand Lahm. Möglicherweise darf Götze erst danach wieder in der Liga ran. Die nötige Zeit, für die EM fit zu werden, hätte er dann auch noch.

(dpa)
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