1. Bundesliga 17/18
| 18.06 Uhr

Bei Bayern nur noch Ersatzspieler
Gefrusteter Müller zurück in der Wohlfühloase Nationalelf

Fotos: Thomas Müller – Bayer, WM-Torjäger, Weltmeister
Fotos: Thomas Müller – Bayer, WM-Torjäger, Weltmeister FOTO: afp, desk
Düsseldorf. Zurück in der "Wohlfühloase": Thomas Müller will im DFB-Dress seinen Bayern-Frust verdrängen. Bundestrainer Joachim Löw stärkt ihm den Rücken.

Thomas Müller ließ die wartenden Reporter stehen, als wären sie lästige Gegenspieler. Ein kurzer Gruß, dann war der gefrustete Münchner Torjäger in der "Wohlfühloase" des Deutschen Fußball-Bundes am Stuttgarter Schlosspark verschwunden. Noch einmal reden über seine missliche Lage beim FC Bayern? Zunächst nur mit Joachim Löw.

Beim Bundestrainer genießt Müller nach wie vor höchstes Vertrauen – anders als bei seinem Klubcoach Carlo Ancelotti. "Er ist ein unheimlich positiver Faktor in unserem Team, ein Führungsspieler. Ich weiß, was Thomas Müller bei uns immer leistet", betonte Löw am Dienstag.

In München stellte sich das zuletzt ganz anders dar. "Ich weiß nicht genau, welche Qualitäten der Trainer sehen will. Aber meine sind scheinbar nicht hundertprozentig gefragt", hatte Müller nach seinem Kurzeinsatz am Samstag in Bremen in Richtung Ancelotti gesagt. Worte, die noch nachhallen.

Seit Müller seine Unzufriedenheit über die Rolle als Edeljoker kund tat, werden bundesweit Profis und Experten zum Schicksal des Stürmers befragt – und die Meinung ist einhellig. "Er ist von seiner Art und Weise, Fußball zu spielen, einzigartig im Weltfußball", sagte Müllers DFB-Kollege Sami Khedira der "Bild". Einen wie den Thomas, ergänzte er, "lässt man nicht gehen".

Das sieht Löw genauso. "Er hat jetzt einmal nicht von Anfang an gespielt, okay, aber bei uns hat er immer seine Leistungen gezeigt, immer viele Tore erzielt", sagte er. Mit fünf Toren und vier Vorlagen bei nur fünf Einsätzen ist der 27-Jährige mit Abstand erfolgreichster deutscher Offensivspieler in der WM-Qualifikation. In den Spielen am Freitag in Prag gegen Tschechien und am Montag in Stuttgart gegen Norwegen (jeweils 20.45 Uhr/Live-Ticker) dürfte Müller gesetzt sein.

Löw kann mit Problemkindern umgehen

Zumal Löw eine gewisse Kunst darin entwickelt hat, im Klub schwächelnde Nationalspieler im vertrauten DFB-Kreis wieder aufzubauen. Dass sich für Müller in München etwas ändert, ist dennoch unwahrscheinlich. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus ist "skeptisch, dass sich das in diesem Jahr verbessert", wie er dem kicker sagte. Müller brauche einen Trainer, "der ihn in seiner Elf haben will, dann wird ihn Müller nicht enttäuschen".

Ancelotti aber tut sich zunehmend schwer, in seiner Offensive unter all den internationalen Top-Stars einen Platz für den Ur-Bayern zu finden. In James Rodriguez hat er zudem einen weiteren Konkurrenten für Müller an die Isar geholt. Wenn der Kolumbianer wieder fit ist, wird es für Müller noch schwerer.

Die Bosse schätzen Müller, den Gaudiburschen vom Ammersee, als Identifikationsfigur für die Fans. Müller ist noch wichtiger geworden, seit die Eigengewächse Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Holger Badstuber den Klub verlassen haben. "Bayern braucht Thomas Müller", betonte der frühere FCB-Coach Ottmar Hitzfeld in der Münchner tz - und die Zahlen belegen dies.

In den vergangenen drei Spielzeiten holte der FC Bayern mit Müller in der Startelf zwischen 2,48 und 2,7 Punkten pro Spiel, ohne ihn nur 1,5 bis 2,22. Dennoch stand er seit dem Abschied seines Entdeckers Louis van Gaal immer seltener in der Startelf: Der Niederländer schenkte ihm noch in 89 Prozent der Spiele sein Vertrauen, Pep Guardiola in 77, Ancelotti in 72. "Müller spielt immer" - dieses Credo von van Gaal gilt jedoch nur noch bei Löw.

(seeg/sid)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

FC Bayern München: Thomas Müller zurück in der Wohlfühloase des DFB


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.