1. Bundesliga 17/18
| 12.46 Uhr

Uli Hoeneß wieder Bayern-Präsident
Der Menschenfänger ist zurück

Pressestimmen: "Er ist wieder da"
Pressestimmen: "Er ist wieder da" FOTO: dpa, mbk sab
München. Uli Hoeneß ist zurück. Bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern ist zu erkennen, dass er sich in manchen Dingen nicht geändert hat.

Es dauert ein paar Minuten, ehe deutlich wird, dass sich manches nicht verändert hat. Uli Hoeneß kommt zum Ende der Rede, mit der er sich der Form halber um das Amt des Präsidenten des FC Bayern München e.V. bewirbt, er hat über jene zweieinhalb Jahre gesprochen, in denen er weg war, er hat umrissen, wie die Zukunft aussehen soll – dann sagt er mit verschmitztem Lächeln: "Die Fähigkeit, in einer klaren Sprache und Aussprache Probleme anzusprechen, ist nicht verloren gegangen, sie schläft nicht, sie ruht und sie kann bei Bedarf jederzeit zurückkommen."

Das Wahlvolk in der Halle hat Hoeneß spätestens mit diesem Satz fest im Griff. Leute, macht er deutlich: Die "Abteilung Attacke", die gibt es nach wie vor, und wenn es sein muss, öffne ich die Türe und komme raus, verlasst euch drauf! Die Halle tobt, in diesem Moment wird deutlich: Hoeneß, bis dahin fahrig, angespannt und fehlerhaft beim Ablesen vom Blatt, war, ist und bleibt ein Menschenfänger, der genau weiß, was er sagen muss, was die Leute hören wollen. Auf ihn haben sie gewartet, sehnsüchtig. Und von ihm, von Hoeneß, wollen sie klare Ansagen, wollen sie: "Mia san mia".

"Wir haben neben Dortmund einen zweiten Feind"

Kurze Zeit später, Hoeneß ist bereits mit 98,5 Prozent der Stimmen erneut zum starken Mann des FC Bayern gewählt worden, kommt er erst recht auf Betriebstemperatur. "Leipzig hat 4:1 gewonnen", berichtet er den Menschen in der rappelvollen Halle zwischendurch, dann, wieder mit diesem verschmitzten Lächeln, sagt er: "Wir haben neben Dortmund einen zweiten Feind, den wir jetzt endlich wieder attackieren können." Feind! "Es ist höchste Zeit", ergänzt Hoeneß, "dass mal wieder ein paar kommen, damit wir sie wieder richtig bekämpfen können." Jubel!

Um 20 Minuten nach Mitternacht, seine Krönungsmesse ist seit einer Viertelstunde vorbei, sagt Hoeneß, er habe davon geträumt, "so einen Tag wie heute zu erleben". Fünfeinhalbtausend Briefe habe er während seiner Haftzeit bekommen, teils von wildfremden Menschen und Fans anderer Klubs, er habe sie gelesen, wenn es ihm nicht gut ging, auf dem Bett sitzend oder liegend und heulend "wie ein Schlosshund". Nicht zuletzt diese Anteilnahme, macht er deutlich, habe ihm die Kraft gegeben, die "schwierige Zeit so gut zu überstehen", zurückzukommen und "es wieder zu packen".

Diese "Vision", wie Hoeneß es nennt, habe sich aber bereits an dem Tag entwickelt, an dem er für Karl Hopfner Platz machte, machen musste. An jenem 2. Mai 2014, als er rief: "Das war's noch nicht!" Wenn er noch weitere Visionen hat für den FC Bayern, so mag er sie erst mal nicht konkret benennen. Hoeneß redet vom 70 Millionen Euro teuren Nachwuchsleistungszentrum, das bald vollendet sein wird, von der "ungeheuren" sozialen Verantwortung, der der FC Bayern gerecht werden müsse, von sich und seiner Rolle als "Bindeglied" und "Kümmerer".

Er wird sich einmischen, keine Frage, und das wird zu Konfrontationen führen. Nicht mehr mit Hopfner, der, und das ist bemerkenswert, gleich mehrfach umjubelt wird am Freitagabend im Audi Dome. Nach immerhin 33 Jahren macht der laut Klubchef Karl-Heinz Rummenigge "Schöpfer des Wirtschaftswunders" des FC Bayern Schluss: "Das war's." Rummenigge sagt hernach zu Hoeneß: "Ich bin neugierig auf die neuerliche Zusammenarbeit mit dir." Hoeneß sagt zu Rummenigge, es sei immer "unsere Stärke gewesen, kontroverse Meinungen zu haben".

Selbstverständlich wird Hoeneß Vorstellungen haben, wie es mit seinem FC Bayern weitergeht. Aber: An erster Stelle steht zunächst die "sportliche Delle", die auch er schon erkannt hat, "wir müssen darüber reden, wie wir wieder Spiele gewinnen." In der kommenden Woche, ergänzt er, "werden wir mal darüber nachdenken, wie es weitergeht." Und ja, klar, "gewisse Stellschrauben müssen sicher verändert werden", betont er, aber, um daran zu drehen, dafür seien ja Rummenigge oder Trainer Carlo Ancelotti da, "da muss nicht der schlaue Hoeneß kommen."

Das aber glaubt er wohl selbst nicht. Denn, wie sagt er noch: "Wenn ich etwas mache, mache ich es richtig."

(seeg/sid)
 
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