1. Bundesliga 17/18
| 07.33 Uhr

Guardiola vor Vertragsverlängerung?
FC Bayern: Immer noch ein bisschen besser

Lewandowski verwertet Traumflanke von Thiago per Kopf
Lewandowski verwertet Traumflanke von Thiago per Kopf FOTO: dpa, kne hpl
München/Düsseldorf. Pep Guardiola will das perfekte Spiel. Seine Bayern sind nah dran. Das könnte ihm die Vertragsverlängerung erleichtern. Von Robert Peters

Fragen zu seiner beruflichen Zukunft hat Pep Guardiola verboten. Vielleicht, weil es ihm auf die Nerven geht, dass nach jedem Spiel seine Vertragsverlängerung bei Bayern München zum Thema wird. Vielleicht, weil er wirklich noch nicht weiß, ob er im Sommer das nächste Sabbatjahr einlegen wird. Vielleicht, weil er denkt, dass sein Projekt vor der Krönung steht und eine Steigerung ausgeschlossen ist. Vielleicht, weil er sich auf dem Weg zur Vollendung seiner Spielidee von nichts irritieren lassen will – schon gar nicht von so irdischen Überlegungen wie der, ob es für ihn ein Bayern-Leben nach Ablauf seines Dreijahresvertrags gibt. Für jede dieser Möglichkeiten gibt es Belege.

Tatsache ist, dass die Münchner in den nun zweieinhalb Jahren ihrer Zusammenarbeit mit dem detailversessenen Katalanen nie so gut waren wie jetzt. "Es ist unser drittes Jahr zusammen. Wir kennen uns viel besser, ich kenne meine Spieler viel besser. Wir wissen, was wir wollen", sagte Guardiola nach dem über weite Strecken ziemlich beeindruckend herausgespielten 5:1-Erfolg über den FC Arsenal.

Guardiola hat in München seinen Ballbesitzfußball um die Komponenten Flügelspiel, rasendes Tempo und schnelle Verlagerung mit weiten Pässen erweitert. Die Vorstellungen seiner Truppe nähern sich phasenweise der Perfektion. Auch gegen Arsenal gab es minutenlang eine Vorführung, die das Londoner Team ohne erkennbare Gegenwehr über sich ergehen lassen musste. "Das war ein anderes Level", stellte der ehemalige deutsche Nationalspieler Per Mertesacker fest.

"Es war nicht perfekt"

Guardiola war der einzige, der sich hartnäckig mühte, ein Haar in der Suppe zu finden. "Es war nicht perfekt", erklärte der Coach. Denn es geschah, was selbst in Begegnungen mit hoffnungslos unterlegenen Mannschaften geschieht. Manchmal haben sie eben auch den Ball. Das ist für den Katalanen schwer erträglich. "Die Leute sagen, Ballbesitz ist nicht das Wichtigste – aber es tut mir leid: für mich schon", beteuerte er, "wenn es möglich ist, 100 Prozent Ballbesitz zu haben, dann will ich das."

Das klingt seltsam, nach einem ziemlich dicken Spleen. Aber es unterstreicht Guardiolas eigentliches Projekt: Er will das Spiel immer noch ein bisschen besser haben. Darum springt er auch nach den sehenswertesten Kombinationen und den tollsten Torschüssen seiner Spieler wie ein Rumpelstilzchen am Spielfeldrand herum, gestikuliert, ruft Anweisungen in drei Sprachen aufs Feld und holt sich seine Lieben zu taktischen Kurzreferaten in die Coaching-Zone. Er sieht stets noch eine Kleinigkeit, die anders zu Ende gespielt werden müsste, einen geringfügig falschen Lauf, oder er ahnt eine neue Situation, auf die sich sein Ensemble noch nicht eingestellt hat.

Dennoch macht es ihm Spaß, mit diesem gelegentlich wie eine einzige gut geölte Maschine funktionierenden Team zu arbeiten. Das sieht man, wenn die Augen mal nicht flackern, sondern strahlen. Guardiola ist mit den Bayern auf dem Weg zu den ganz großen Zielen. Er gibt zwar vor, sein einziges Ziel sei der gute, der schöne, vielleicht der nahezu perfekte Fußball. Aber natürlich will er Titel, nicht allein die Meisterschaft, die seine Münchner Arbeitgeber längst für selbstverständlich halten, sondern vor allem den Triumph in der Champions League. Er will den Henkelpott in der Hand halten, der ihm und allen bezeugt, wer die Besten in Europa sind.

Es könnte sein, dass er seine Mission mit einem Titel im Sommer für beendet hält. Es ist aber auch nicht so ganz unwahrscheinlich, dass er die erstaunlichen Möglichkeiten seiner Mannschaft noch viel besser erkennt als all die Experten und staunenden Wegbegleiter des Meisters. Auf dem Weg zur Perfektion wäre sogar ein Champions-League-Titel nur eine Etappe. Und wenn es Guardiola ernst ist mit seiner Zielbeschreibung, dann bleibt er noch ein bisschen.

Quelle: RP
 
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