1. Bundesliga 16/17
| 09.07 Uhr

Wochenlange Pause
Robben-Verletzung ist Bayerns wahre Niederlage

Fotos: Robben muss gegen Gladbach verletzt vom Platz
Fotos: Robben muss gegen Gladbach verletzt vom Platz FOTO: dpa, geb hak
Die schwere Bauchmuskelverletzung von Arjen Robben trifft den FC Bayern vor den Wochen der Wahrheit mehr als das 0:2 gegen Gladbach. Wenn der beste Spieler der Saison ausfällt, wiegt das selbst beim Rekordmeister schwer.

Eine gute dreiviertel Stunde nach der ärgerlichen Niederlage war die Stimmung bei Bayern München endgültig im Keller. Arjen Robben hatte aus der Klinik die Hiobsbotschaft übermittelt: Riss in der Bauchmuskulatur, mehrere Wochen Pause. Eine Nachricht, die den Rekordmeister vor den Wochen der Wahrheit erschütterte. Da gerieten Manuel Neuers ungewohnter Patzer und das 0:2 (0:1) im Spitzenspiel gegen Borussia Mönchengladbach schnell zur Randnotiz.

"Es war kein angenehmer Abend für uns. Aber was noch viel unangenehmer ist, ist, dass Arjen verletzt ist. Das ist mindestens genauso schlimm wie die Niederlage", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in den Katakomben der Arena mit finsterer Miene.

Vor den entscheidenden Spielen in der Bundesliga sowie den Viertelfinals in der Champions League und im DFB-Pokal kommt die schwere Verletzung des Superstars für den FC Bayern zur Unzeit. Wie lange der 31-Jährige tatsächlich ausfällt, ist noch nicht klar, im Pokal gegen Leverkusen (8. April) und in der Königsklasse gegen Porto (15. und 21. April) dürfte Robben aber sicher fehlen.

Da sich Robben seit gut zwei Jahren in Topform befindet und dem Spiel der Bayern ohne ihn das gewisse Etwas fehlt, ist dies selbst für die Münchner mit ihrem Luxuskader ein herber Schlag. "Weltklasse ist eben schwer zu ersetzen", betonte Sportvorstand Matthias Sammer, platzierte aber zuvor bei Sky schon eine deutliche Botschaft: "Man muss Rückschläge wegstecken. Das zeichnet Sieger aus. Und wir wollen Sieger sein."

Pressestimmen: "Neuer ist auch nur ein Mensch" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Gegen Champions-League-Aspirant Gladbach waren die Bayern keine Sieger. Ohne Robben, der in der 24. Minute nach einem Foul von Tony Jantschke mit schmerzverzerrten Gesicht vom Feld geführt wurde, und ohne Franck Ribery, der seine Sprunggelenkverletzung noch nicht ganz überwunden hatte, fehlten dem Team von Trainer Pep Guardiola die Ideen und Überraschungsmomente, um die Borussia zu knacken. Man habe alles versucht, meinte Guardiola, "aber ohne Franck und Arjen war es schwer". Diese Worte machten allzu deutlich, wie sehr das Münchner Kollektiv von den beiden Offensivkünstlern abhängig ist.

Die Bayern-Stars wollten davon aber nichts wissen. "Heute schmerzt es, in Bremen hat es nicht geschmerzt", sagte Weltmeister Thomas Müller. Kapitän Philipp Lahm fügte trotzig an: "Natürlich ist es bitter, wenn sie ausfallen. Aber wir haben genügend gute Spieler, die das auffangen können." Ohnehin seien die Mechanismen beim FC Bayern immer gleich: "Wenn man nicht gewinnt, wird alles infrage gestellt."

Dass die Bayern zum zweiten Mal in dieser Saison und zum ersten Mal seit fast einem Jahr in der heimischen Arena ein Ligaspiel verloren, lag ausnahmsweise aber auch an Torwart Neuer. Das 1:0 der Borussia durch Raffael (30.), das aus dem Nichts gefallen war, ermöglichte er mit einem schweren Patzer. "Ich habe den Ball festhalten wollen", sagte der Nationalkeeper - stattdessen ließ er ihn durch die Arme rutschen. Auch das 2:0 erneut durch Raffael (77.)
hätte Neuer an einem besseren Tag wohl gehalten.

So verpassten die Bayern, bei denen wenigstens Thiago erstmals seit fast einem Jahr wieder im Kader stand, nach Wolfsburgs Patzer (1:1 in Mainz) "eine Riesenchance, den Sack schon fast zuzumachen", wie Lahm einräumte. Aber bei weiterhin zehn Punkten Vorsprung sei "auch nicht viel passiert", ergänzte er gelassen. Der FC Bayern müsse nun nach der zweiwöchigen Länderspielpause "wieder in die Spur kommen, dann mache ich mir keine Sorgen". Von Robbens schwerer Verletzung wusste er zu diesem Zeitpunkt noch nichts.

Von Bobadilla bis Raffael: Neuers Patzer gegen Gladbach FOTO: dapd
(sid)
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