1. Bundesliga 16/17
| 09.23 Uhr

Unruhe beim Rekordmeister
Bayern gibt Götze auf

Fotos: Mario Götze – Schwabe, Borusse, Weltmeister
Fotos: Mario Götze – Schwabe, Borusse, Weltmeister FOTO: afp, desk
Düsseldorf/München. Die Diskussionen um die Zukunft von Trainer Pep Guardiola und Nationalspieler Mario Götze bestimmen die Saison-Vorbereitung von Bayern München. Von Robert Peters

Neuerdings braucht der FC Bayern München Testspiel-Erfolge, um sich auf das große Ganze einzuschwören. Trotz einer überzeugenden Vorstellung gegen den AC Mailand (3:0) und einer eher durchschnittlichen gegen Real Madrid (1:0) beim Pokal seines Hauptsponsors Audi gelingt es dem Meister aber nicht, die Unruhe in den eigenen Reihen zu verbergen.

Es knistert seit der Rückrunde der vergangenen Saison, die nicht nur bei notorischen Kritikern den Eindruck verfestigte, dass auch der schon in den Rang eines Außerirdischen beförderte Trainer Pep Guardiola keine Wunder wirken kann. Seither betont jeden zweiten Tag irgendein wichtiger Funktionär oder der Fußballlehrer selbst, dass Gespräche über eine Vertragsverlängerung im Winter geführt würden. Zuletzt ließ sich Klubchef Karl-Heinz Rummenigge ohne Not zu der preiswürdigen Bemerkung hinreißen, "der FC Bayern wird auch ohne Pep weiteratmen". Guardiola murrte anschließend vernehmlich über Fragen nach seiner Zukunft. "Ich verstehe nicht, warum wir nicht über Fußball sprechen können", sagte er.

Dabei müsste er es besser wissen. Schließlich geht es in Deutschlands wichtigstem Klub nicht nur um Fußball, sondern auch immer um handelnde Personen, sehr oft um Eitelkeiten und ganz bestimmt um Erfolgsdruck. Guardiola hat sich dem Diktat des Gewinnens zumindest so weit unterworfen, dass er den Klub Spieler verpflichten lässt, die nicht unbedingt seinem fußballerischen Glaubensbekenntnis entsprechen. Arturo Vidal ist so einer, der in Guardiolas feingeistiger Idealvorstellung vom Spiel nicht vorkommt. Die Münchner Firmenspitze verspricht sich vom chilenischen Kämpfer mehr Druck auf den Gegner und eine insgesamt angriffslustiger auftretende Bayern-Mannschaft.

Beim Transfer von Mario Götze vor zwei Jahren war der Gedanke an die Spielidee eher zweitrangig. Geleitet wurde die Verpflichtung vom fußballerischen Vorstellungsvermögen der Fachleute in der Vereinsführung. Sie holten die damals größte deutsche Hoffnung, einen Spieler, der schon als Teenager das Team von Borussia Dortmund prägte. Einen jungen Kerl, der sich an der Schwelle zur Weltklasse zu bewegen schien. Den Beweis, dass er besser sei als Messi, wie es ihm Bundestrainer Joachim Löw bei der Einwechslung im WM-Finale eingeflüstert hat, konnte er aber nicht antreten. Bei Löw nicht, bei den Bayern schon gar nicht. Dort ist er nämlich keineswegs erste Wahl. In der Schlussphase der vergangenen Saison kam er in den wichtigen Spielen kaum zum Zug. Nun beim Supercup in Wolfsburg brachte Guardiola für Mittelstürmer Robert Lewandowski nicht den natürlichen Vertreter Götze, sondern Verteidiger Rafinha. Götze grummelt nicht zum ersten Mal. "Es war die letzten zwei Jahre nicht einfach für mich", sagte er, "es wird sich herausstellen, ob der Trainer nun öfter mit mir spricht."

Es wird sich auch herausstellen, was von Guardiolas öffentlichen Auskünften zu halten ist. Vor dem ersten Spiel im "Audi-Cup" hatte er noch erklärt: "Mario ist einer meiner liebsten Spieler. Er weiß das, wir haben oft darüber gesprochen, er ist ein Superspieler." So richtig nötig scheint er die Unterstützung durch diesen Superspieler nicht zu haben.

Auch die früheren Götze-Fans in der Führung gehen auf Distanz. "Er hat noch einen Vertrag über zwei Jahre, aber ich weiß nicht, wie seine Überlegungen da sind. Am Ende muss aber der Spieler selbst entscheiden", sagte Rummenigge der italienischen Sportzeitung "Gazzetta dello Sport". Italiens Meister Juventus Turin hat großes Interesse an der Verpflichtung. Götze blieb eher vage. "Man wird sehen", sagte er. Das hört sich nach Abschied an.

Quelle: RP
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