1. Bundesliga 17/18
| 15.13 Uhr

Verpflichtung des Kolumbianers
Hilft James Rodriguez dem FC Bayern?

James Rodriguez: WM-Torschützenkönig und neuer Bayern-Star
James Rodriguez: WM-Torschützenkönig und neuer Bayern-Star FOTO: rtr, PK/
Düsseldorf. James Rodriguez spaltet Bayern-Fans und -experten gleichermaßen. Ist der kolumbianische WM-Torschützenkönig der fehlende Mosaikstein auf dem Weg zum Champions-League-Titel? Oder nur ein überschätzter und ausgemusterter Profi von Real Madrid? Und welche Rolle spielt Trainer Carlo Ancelotti? Eine Analyse. Von Denis Canalp

Natürlich haben die Bayern in Rodriguez lediglich einen Ersatzspieler der "Königlichen" aus Madrid geholt. Real gewann in den vergangenen zwei Jahren die Champions League, die Nummer 10 stand jedoch in beiden Endspielen nicht im Kader. Seine Statistiken der vergangenen zwei Jahre lesen sich trotzdem gut: In der spanischen Primera Divison kommt er auf respektable 15 Treffer und 14 Vorlagen in 48 Spielen, war jedoch oft nur Teilzeitarbeiter und selten Stammkraft unter Trainer Zinedine Zidane. Seine Scorerpunkte in begrenzter Spielzeit sprechen dabei für seine Effizienz, 2016/17 benötigte er in der Liga gerade einmal 1181 Minuten für acht Treffer und sechs Vorlagen. Seine Scorerpunkte sammelte er jedoch selten gegen größere Klubs.

Die Spielerfrauen der Bundesliga FOTO: afp, ab

Gut angelegte Millionen

Und dennoch kann der kreative Mittelfeldspieler den Bayern helfen. Rodriguez ist kein Sprinter, verfügt dennoch über eine gute Grundschnelligkeit und Beschleunigung, seine größten Stärken sind jedoch seine Technik, seine Abschlussstärke, sein Passspiel und die Fähigkeit, unberechenbare Dinge auf dem Platz zu tun. Seine Schusstechnik ist herausragend, seine Standards und Flanken überdurchschnittlich, kurzum: Rodriguez ist ein richtig guter Fußballer. Die zehn Millionen Euro Leihgebühr für zwei Jahre sowie die anschließende Kaufoption in Höhe von kolportierten 35 Millionen Euro scheinen daher recht gut angelegt. Gerade in Zeiten, in denen zweifelsfrei talentierte U21-Nationalspieler wie Maximilian Philipp, die aber noch nicht den Titel "WM-Torschützenkönig" in der Vita stehen haben, Ablösesummen von 20 Millionen Euro kosten.

Rodriguez' Marktwert befindet sich damit jedoch geradezu im freien Fall. Nach der WM 2014 sicherte sich Real Madrid seine Dienste und überwies damals noch 80 Millionen Euro auf das Konto des AS Monaco. Wer jetzt kritisiert, dass die Bayern lediglich einen ausgemusterten Real-Profi holen, übersieht die Tatsache, dass genau dieser Preissturz erst den Wechsel Rodriguez' nach München möglich macht. Hätte der Kolumbianer zuletzt in Madrid geglänzt, wäre er schlicht unbezahlbar für den deutschen Rekordmeister gewesen. Einen Cristiano Ronaldo oder Gareth Bale können (oder wollen) sich die Münchener im Paket von Ablöse und Gehalt nicht leisten.

Gute Erfahrungen mit Aussortierten

Fotos: James Rodriguez bei Bayern offiziell vorgestellt FOTO: rtr, PK/

Zudem haben die Bayern mit dieser Sorte Spieler in der jüngeren Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht. Mark van Bommel stand beim FC Barcelona auf dem Abstellgleis, Thiago Alcantara war bei den Katalanen vor dem Wechsel an die Säbener Straße nur Ersatz und auch ein gewisser Arjen Robben galt in Madrid schon als gescheitert, bevor er beim FC Bayern die wohl beste Zeit seiner Karriere erlebte. Für Rodriguez spricht zudem, dass er heute erst seinen 26. Geburtstag feiert. Die beste Zeit seiner Fußballerlaufbahn sollte also noch vor ihm liegen.

Und dann ist ja noch die Beziehung zu Bayern-Trainer Carlo Ancelotti. Unter dem Italiener hatte Rodriguez seine beste Saison in Madrid. Eindrucksvolle 17 Treffer und 18 Vorlagen in 46 Pflichtspielen stehen für ihn unter der Regie des Italieners zu Buche. Neben Rekordtransfer Corentin Tolisso war Rodriguez Ancelottis absoluter Wunschspieler. Er soll beim Angriff auf den Gewinn der Champions League das Zünglein an der Waage zugunsten der Bayern sein.

Dass dieser Titel nur schwer zu planen ist, zeigt allerdings schon die Tatsache, dass seit der Einführung des Wettbewerbs einzig Real Madrid den Titel bisher erfolgreich verteidigte. Doch die Ansprüche in München sind gewachsen, nachdem der Klub in den vergangenen Jahren ein Stammgast im Halbfinale oder gar Finale der "Königsklasse" war. Meisterschaft und Pokal sind bei den Bayern kein Grund für große Jubelorgien, es zählt vor allem die Champions League. Ancelotti nimmt nun mit seinem Wunschspieler den nächsten Anlauf.

Ob Rodriguez der fehlende Mosaikstein ist, um Real, das drei der letzten vier Titel nach Madrid holte, zu überflügeln, ist schwer zu sagen. Was sich sagen lässt: Der Transfer verschärft auf jeden Fall noch einmal den internen Kampf um die Stammplätze. Vor allem Thomas Müller wird es künftig schwer haben, in der Startelf aufzutauchen. Bayerns Kader wird durch den Transfer besser – kein schlechter Anfang für den Angriff auf Europas Krone.

 
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