1. Bundesliga 17/18
| 13.12 Uhr

FC Bayern München
Wird Lahm der neue Sammer?

Fotos: Philipp Lahm – Top-Außenverteidiger, Musterschüler, Weltmeister-Kapitän
Fotos: Philipp Lahm – Top-Außenverteidiger, Musterschüler, Weltmeister-Kapitän FOTO: rtr, WR/
München/Düsseldorf. Die Zukunft von Philipp Lahm beim FC Bayern München ist ungewiss. Der Kapitän des Rekordmeisters besitzt noch einen Vertrag bis 2018, erwägt aber ein vorzeitiges Karriereende im kommenden Sommer. Lahm könnte bei den Bayern ein Vakuum füllen. Von Denis Canalp

Was sagt Lahm zu einem Karriereende 2017?

"Ich würde das nicht ausschließen. Ich habe bereits vor neun Monaten gesagt, dass diese Situation eintreten könnte, und an diesem Gedanken hat sich nichts geändert. Ich will mich auf allerhöchstem Niveau messen können und den richtigen Zeitpunkt für mein Karriereende erkennen. Ich werde meine Zukunft sicher nicht von gewonnenen Titeln am Saisonende abhängig machen, sondern in meinen Körper hineinfühlen und dann entscheiden, wie es weitergeht", sagte Lahm am Mittwoch der "Sport Bild" und trat damit Spekulationen um seine Zukunft los.

Was spricht für ein Karriereende im Sommer?

Der Abgang von Sportvorstand Matthias Sammer im Juli. Sammer war das Bindeglied zwischen Vereinsführung, Trainerstab und Mannschaft, trat in der Öffentlichkeit gerne als der große Mahner auf, erstickte so Selbstzufriedenheit im Kader im Keim. Zudem entlastete er den ehemaligen Bayern-Trainer Pep Guardiola im Umgang mit den Medien. Seit Sammers Abschied, der offiziell aus gesundheitlichen Gründen seinen Job in München aufgab, gibt es diese Position im Klub nicht mehr. Anfangs schien der FC Bayern den Posten auch nicht unbedingt neu besetzen zu wollen: "Wir werden das bis auf Weiteres so weitermachen, wie wir das in den letzten Monaten schon machen mussten. Wir haben das auf mehrere Schultern verteilt. Wir werden in Ruhe eine Entscheidung treffen", hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gesagt. Zuletzt sah sich Rummenigge jedoch nach drei sieglosen Spielen in Serie im Oktober genötigt, selbst den Mahner zu geben. Er kritisierte die Einstellung der Profis öffentlich. In Rummenigges Idealvorstellung nimmt ihm allerdings jemand diese unangenehme Aufgabe ab.

Was spricht gegen ein vorzeitiges Karriereende?

Lahms sportliche Klasse spricht noch gegen ein Ende der Laufbahn in kurzen Hosen. Der Kapitän ist – ähnlich wie in der Nationalmannschaft seit seinem Rücktritt 2014 – immer noch nicht gleichwertig als Rechtsverteidiger zu ersetzen. Sein Notenschnit im "kicker" liegt bei 2,67 – ein absolter Topwert, wenngleich Lahm, der am Freitag 33 Jahre alt wird, deutlich mehr Pausen von Trainer Carlo Ancelotti verordnet bekommt. Der Routinier kam lediglich in sechs von zehn Spielen in der Bundesliga zum Einsatz, in der Champions League war er in drei von vier Partien auf dem Platz.

Wer könnte Lahm sportlich ersetzen?

Der Brasilianer Rafinha ist ein solider Lahm-Ersatz für einzelne Bundesligaspiele, taugt aber nicht als Dauerlösung rechts hinten in der Viererkette. Dafür sind die internationalen Ansprüche des FC Bayern zu ambitioniert. Joshua Kimmich wäre auf lange Sicht der einzige Bayern-Akteur, der Lahm als rechter Verteidiger ablösen könnte. Der 21-Jährige ist jedoch von Haus aus Mittelfeldspieler, hat in der laufenden Spielzeit seine Offensivstärke entdeckt und bereits sieben Pflichtspieltreffer auf dem Konto. Entscheiden sich die Bayern dafür, Kimmich auch in Zukunft im Mittelfeld auflaufen zu lassen, müssten sie einen externen Nachfolger für Lahm finden, doch Außenverteidiger von Weltformat sind rar.

Hat Lahm überhaupt das Zeug zum Sportvorstand?

Lahm ist als Kapitän und Führungsspieler schon seit Jahren ein hervorragender Repräsentant des FC Bayern, ist seit 1995 im Verein. Er kennt das Umfeld besser als jeder andere. Dass er aber auch über den sportlichen Tellerrand hinaus schaut und nicht nur "der nette Philipp" ist, beweist sein wegweisendes Interview im November 2009 mit der "Süddeutschen Zeitung".  Dieses Interview, in dem er die Klubführung für eine verfehlte Personalpolitik und fehlende Ideologie des Klubs kritisierte, kostete ihn stattliche 50.000 Euro – immer noch die höchste Geldstrafe der Klubgeschichte.

Der designierte Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der selbst mit gerade einmal 27 Jahren 1979 den Managerposten beim FC Bayern antrat, hatte zuletzt in einem Interview bei Lahm "Parallelen" zu seinen eigenen Anfängen als Manager erkannt. Eine Ausbildung für dieses neue Berufsfeld hat Lahm zwar nicht vorzuweisen, doch ihm stehen zahlreiche kompetente Menschen zur Seite. So regeln Rummenigge, Hoeneß (seine Wahl vorausgesetzt), der Technische Direktor Michael Reschke oder Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen ohnehin das Tagesgeschäft der Bayern inklusive Transfers und Vertragsverhandlungen. Der intern und extern respektierte Lahm wäre als Sammer-Nachfolger das Gesicht des Klubs. Und dabei vermutlich deutlich sympathischer als sein Vorgänger.

 
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