1. Bundesliga 16/17
| 11.07 Uhr

Kolumne Gegenpressing
Fußballkonzerne statt Vereine

Hummels hat im Zweikampf mit Konopljanka Glück
Hummels hat im Zweikampf mit Konopljanka Glück FOTO: afp
Düsseldorf. Ein Jurist will den FC Bayern aus dem Vereinsregister löschen lassen. Das macht durchaus Sinn. Denn es geht längst nur noch ums Geschäft. Von Gianni Costa

Lars Leuschner ist Professor für Bürgerliches Recht, Handels- und Gesellschaftsrecht an der Universität Osnabrück. Und Herr Leuschner ist Fan des FC Bayern München. Es ist ja allgemein bekannt und völlig unumstritten, dass der Gerechtigkeitssinn von Anhängern des deutschen Rekordmeisters besonders ausgeprägt ist. Uli Hoeneß hat es mit seiner Geschäftstüchtigkeit schließlich über Jahrzehnte dem Finanzamt vorgelebt. Nun kommt der Professor. Der Jurist hat kürzlich beim Amtsgericht München beantragt, dass der FC Bayern aus dem Vereinsregister gelöscht werden soll.

Der Vorstoß ist nicht ganz neu und hat schon andere "Vereine" betroffen. Beim ADAC gibt es ähnlich große Zweifel, ob die Rechtsform noch die richtige ist. Denn ein Verein darf laut Bürgerlichem Gesetzbuch "nicht auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb" ausgerichtet sein und höchstens im untergeordneten Sinne Umsätze erwirtschaften. Der ADAC fährt aber mit einem verzweigten Firmennetzwerk Millionen ein. Wie eben auch der FC Bayern München und viele andere Fußball-Bundesligisten.

Der eingetragene Verein FC Bayern München hält stolze 75,01 Prozent der Anteile an der FC Bayern München AG, in die der Verein seine Profifußballabteilung ausgegliedert hat. Diese hat im laufenden Geschäftsjahr fast eine halbe Milliarde Euro umgesetzt. Klingt mehr nach Großkonzern als schnuckliger Verein von nebenan. Natürlich wäre es tausend Mal ehrlicher, die Geschäfte sauber zu ordnen. Daran haben allerdings die Vereine nicht ganz so überraschenderweise überhaupt kein Interesse, weil sie über derartige Konstruktionen ihr Geschäftsgebaren prima verschleiern können. Es geht aber nicht nur um Geld, sondern auch um Macht.

Sollte das Gericht im Sinne des Professors entscheiden, müsste der FC Bayern München e.V. seinen Einfluss auf die AG drastisch verringern. Das ist allerdings gar nicht so einfach. Derzeit ist der Vereinspräsident satzungsgemäß auch der Vorsitzende des Aufsichtsrates. Auch andere Bundesligaklubs könnten Probleme bekommen. Das Vereinsmodell mit ausgegliederter Profi-Abteilung ist weit verbreitet.

Die Klubs der Republik sind noch ganz entspannt - bislang haben sie derartige Bestrebungen immer aussitzen können.

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Quelle: RP
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