1. Bundesliga 16/17
| 14.10 Uhr

Drama um Rekord-Torjäger der Bundesliga
Gerd Müller an Alzheimer erkrankt

Portrait: Gerd Müller: Der Bomber der Nation
Portrait: Gerd Müller: Der Bomber der Nation FOTO: dpa
Düsseldorf. Große Sorge um den "Bomber der Nation": Torjäger-Legende Gerd Müller ist an Alzheimer erkrankt. Das teilte Rekordmeister Bayern München am Dienstag mit.

Demnach wird der Siegtorschütze des WM-Finales 1974, der am 3. November 70 Jahre alt wird, seit Anfang Februar mit starker Unterstützung seiner Familie professionell betreut. "Der FC Bayern wird Gerd Müller und seine Familie immer unterstützen und ihm helfen, wann immer es nötig ist", sagte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Der Verein und die Familie baten in der Mitteilung um Rücksicht und die Wahrung von Müllers Privatsphäre. "Gerd, für den Werte wie Freundschaft und Fairplay von Bedeutung waren und sind, hat es verdient, dass wir alle rücksichtsvoll mit seiner Erkrankung umgehen und seine Privatsphäre und die seiner Familie respektieren", sagte Rummenigge.

Der behandelnde Arzt, Prof. Dr. Hans Förstl, sieht darin einen entscheidenden Faktor in der weiteren Betreuung Müllers. "Trotz unübersehbarer Zeichen seiner Erkrankung wurde er von der Bayern-Familie, den Fans und Medien mit Sympathie und großem Respekt behandelt. Das war sehr wichtig, weil es jedem Menschen mit einer beginnenden Alzheimer-Demenz nur zu wünschen ist, dass er sich so lange wie möglich in seinem vertrauten Umfeld, in dem er sich wohl fühlt, aufhalten kann", sagte Förstl.

Müller erzielte 365 Bundesligatore für den deutschen Rekordmeister, 40 davon allein in der Rekordsaison 1971/72 – beide Werte sind bis heute genauso unerreicht wie die 78 Tore im DFB-Pokal. Sogar das Toreschießen selbst wurde angesichts seiner phänomenalen Ausbeute nach ihm benannt: "Es hat gemüllert!", jubelten Fans und Reporter in den 70ern.

Beckenbauer: "Ohne Müller noch in dieser Holzhütte"

Die Leistungen für den Klub sind daher auch nach Ansicht alter Weggefährten wie Bayern-Ehrenpräsident Franz Beckenbauer nicht hoch genug zu einzuschätzen. "Ohne die Tore von Gerd Müller wäre der FC Bayern nicht das, was er heute darstellt", sagte der 70-Jährige am Dienstag: "Das, was der FC Bayern heute darstellt, mit diesem Palast an der Säbener Straße - ich glaube, ohne Gerd Müller wären sie heute noch in dieser Holzhütte."

Sein auch nach eigenem Dafürhalten wichtigstes Tor machte Müller 1974 für die Nationalelf: Im WM-Finale in München gegen die Niederlande kam er mit dem Rücken zum Tor an den Ball, drehte sich um die eigene Achse und schob die Kugel flach ins linke Eck. Es war der 2:1-Siegtreffer für Deutschland, ein "typischer Müller". Insgesamt traf der gebürtige Nördlinger in 62 Spielen 68 Mal für die DFB-Auswahl. Einzig Miroslav Klose (137/71) traf häufiger im Trikot mit dem Adler, kommt aber nicht an die sensationelle Torquote von 1,097 Treffern pro Länderspiel heran.

Je viermal wurde Müller deutscher Meister und Pokalsieger. Zwischen 1974 und 1976 gewann er dreimal in Folge den Europapokal der Landesmeister, dazu 1967 den Europapokal der Pokalsieger. Neben dem WM-Titel 1974 wurde er 1972 in Belgien Europameister. Bei der WM 1970 in Mexiko erzielte er zehn Treffer - auch das ist bis heute Rekord.

"Gerd Müller ist einer der ganz Großen des Weltfußballs. Ohne seine Tore wären der FC Bayern und der deutsche Fußball nicht das, was sie heute sind", sagte Rummenigge: "Gerd war ein Torjäger, wie es ihn vermutlich nicht mehr geben wird, und bei allen Erfolgen ist er stets bescheiden und zurückhaltend geblieben, was mich besonders beeindruckt hat." In der Bayern-Familie werde Müller immer seinen festen Platz haben.

(sid)
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