1. Bundesliga 17/18
| 11.46 Uhr

Mannschaftsarzt tritt nach 40 Jahren zurück
Müller-Wohlfahrt und Guardiola: Ende eines Machtkampfes

Porträt: Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt – Wunder-Doc mit Wallemähne
Porträt: Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt – Wunder-Doc mit Wallemähne FOTO: afp, agz/VL/dg
Düsseldorf. Das ist ein echter Paukenschlag. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ist nach 40 Jahren als Vereinsarzt des FC Bayern München zurückgetreten. In einem Schreiben spricht der 72-Jährige von einem "geschädigten Vertrauensverhältnis". Nach dem 1:3 im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League ist der Ärzte-Streit beim deutschen Rekordmeister eskaliert. Die Verletzung von Franck Ribery war offenbar der Auslöser. Von Robert Peters und Stephan Seeger

Nach einem Bericht der "Bild" kam es in der Kabine zu einer Diskussion zwischen Karl-Heinz Rummenigge und Müller-Wohlfahrt. Der Bayern-Boss warf dem Kult-Mediziner vor, dass er die lange Verletzungsdauer von Franck Ribery zu verantworten habe. Der Franzose hatte sich im Achtelfinal-Rückspiel gegen Schachtjor Donezk am Knöchel verletzt und sollte eigentlich nur ein paar Tage ausfallen. Aus Tagen wurden nunmehr Wochen.

Neben Ribery fehlten in Porto David Alaba, Javier Martinez, Arjen Robben, Bastian Schweinsteiger und Medhi Benatia. Vor allem der Fall Benatia verärgert Guardiola. Der Marokkaner ging angeschlagen ins Viertelfinale des DFB-Pokals bei Bayer Leverkusen und musste früh ausgewechselt werden. Guardiola klatschte dem Ärzteteam auf der Bayern-Bank höhnisch Beifall.

Der Arzt kündigte am Freitag eine Erklärung für einen späteren Zeitpunkt an. "Ich will noch nichts sagen, es ist noch zu früh. Ich werde mich noch äußern, aber nicht heute", sagte Müller-Wohlfahrt mehreren Münchnern Medien. Die Bayern bedankten sich in einer nüchternen Pressemitteilung bei ihrem langjährigen Arzt. "Der FC Bayern München hat mit Bedauern die Entscheidung von Vereinsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (72), seine medizinische Tätigkeit für den Klub niederzulegen, zur Kenntnis genommen. Speziell Dr. Müller-Wohlfahrt, aber auch sein Team, haben in den zurückliegenden Jahren erstklassige Arbeit für den Klub und seine Spieler geleistet. Hierfür gilt unser ausdrücklicher Dank", schrieb der Klub in einer Pressemitteilung. Die Bayern kündigten zugleich an, "zeitnah" einen Nachfolger zu präsentieren. Bis auf Weitetes wird Dr. Volker Braun, Orthopäde und Unfallchirurg, die Mannschaft zu den Spielen begleiten.

Angefangen hat der Zoff zwischen Guardiola und Müller-Wohlfahrt mit der Personalie Thiago Alcantara. Der Spanier hatte sich im vergangenen Oktober den dritten Innenbandriss binnen sieben Monaten zugezogen und erst im April sein Comeback gegeben. Guardiola war mit der Betreuung von Müller-Wohlfahrt nicht einverstanden und schickte Thiago zur Behandlung nach Barcelona. Die Münchner Ärzte waren alles andere als begeistert und unterstellten Ramon Cugat, Guardiolas Arzt des Vertrauens, eine wenig sachgemäße Behandlung. Von Kortisonspritzen war die Rede, was der spanische Mediziner zurückwies.

Der FC Bayern beeilte sich, die Kontroverse zwischen Guardiola und dem Mediziner-Denkmal Müller-Wohlfahrt herunterzuspielen. Er verpflichtete den Trainer auf die Feststellung: "Die Ärzte, die Physiotherapeuten, ich und alle im Verein haben alles dafür getan, dass Thiago fit wird." Intern soll sich Guardiola jedoch darüber beschwert haben, dass kein Arzt die Trainingseinheiten begleitet. Der Coach fand es überaus irritierend, dass verletzte Spieler zur Behandlung erst einmal eine halbe Stunde durch die Stadt in Müller-Wohlfahrts Praxis gefahren werden mussten. Der Klub hat auf diese Klage mit einer typischen Bayern-München-Lösung reagiert. Zuletzt war immer ein Arzt beim Training, nicht ganz zufällig Müller-Wohlfahrts Sohn Kilian (34). Auf diese Weise wahrten beide Parteien ihr Gesicht.

Gemeinsam mit seinem Vater wird auch Kilian den Verein verlassen. Die Bayern reagierten am Donnerstag überrascht über die Entscheidung Müller-Wohlfahrts. "Wir haben von dieser Pressemitteilung keine Kenntnis, insofern können wir sie nicht kommentieren", sagte Mediendirektor Markus Hörwick.

Müller-Wohlfahrt arbeitete seit 1977 für den Rekordmeister und trat schon einmal zurück: Nach einem Streit mit Jürgen Klinsmann erklärte "Mull" 2008 seinen Abschied, kehrte nach der Entlassung Klinsmanns aber wieder zurück. Nicht auszuschließen, dass Müller-Wohlfahrt noch einmal zurückkehrt. Dafür müsste allerdings Guardiola entlassen werden. Und das ist eher unwahrscheinlich.

Quelle: RP
 
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