1. Bundesliga 16/17
| 09.06 Uhr

Rummenigge holt zum Rundumschlag aus
"Unser größter Konkurrent ist die Nationalmannschaft!"

Porträt: Das ist Karl-Heinz Rummenigge
Porträt: Das ist Karl-Heinz Rummenigge FOTO: dpa
Charlotte. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hat dem Fußball-Weltverband Fifa und dem Europaverband Uefa neue Dispute mit den europäischen Spitzenklubs angekündigt. Gleichzeitig kritisierte er DFL-Boss Seifert und den DFB.

"Ich habe bald einen Termin mit der Spieler-Gewerkschaft FIFPRO. Wir Klubs werden auch im Sinne der Spieler nicht mehr akzeptieren, dass Turniere weiter aufgebläht werden. Es gibt eine dramatische Entwicklung bei den Wettbewerben der Nationalmannschaften. Das muss korrigiert werden. Es wird eine Initiative geben, die weder der Uefa noch der Fifa gefallen wird", sagte der Vorstandsvorsitzende des deutschen Rekordmeisters im Gespräch mit der "Bild am Sonntag".

Aber auch mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) gäbe es Gesprächsbedarf, wie der 60-Jährige am Rande der US-Tour der Bayern erläuterte. "Unser größter Konkurrent im Sponsoring ist nicht Borussia Dortmund - sondern die deutsche Nationalmannschaft! Wir bezahlen die Spieler mittlerweile in einer noch vor zehn Jahren nicht vorstellbaren Höhe. Und der DFB und alle anderen Verbände nutzen unsere Spieler für Länderspiele und Sponsoren-Termine", sagte Rummenigge und ergänzte kämpferisch: "Wir haben einen wichtigen Vertrag mit unserem Gesellschafter Audi. Während der EM wurde aber beim DFB die gesamte Klaviatur von Mercedes Benz hoch und runter gespielt - mit unseren Spielern! Das kann und wird in Zukunft nicht mehr funktionieren. Wir werden die Verbände im Zweifel an die Rechtslage und ihre Verantwortung erinnern."

Bayern besiegt Inter FOTO: afp, gh

Rummenigge hält aufgeblähte EM für Fehler

Schwächen wolle er die DFB-Auswahl aber nicht. Deswegen werde auch nicht darüber diskutiert, künftig keine Spieler mehr abzustellen: "Das wäre falsch. Ich habe selber 95 Länderspiele gemacht und weiß, welchen Wert die Nationalelf für jedes Land hat. Den Wert sollte niemand mindern. Aber: Die Verbände tragen bei den Spielern keine Gehaltskosten."

Noch wichtiger ist Rummenigge aber, dass Fifa und Uefa ihre Turniere nicht noch weiter aufblähen: "Die EM hat es zum Beispiel gezeigt. Es war keine kluge Entscheidung, das Teilnehmerfeld auf 24 Mannschaften zu vergrößern. Es ging dabei um Politik, um Finanzen, und so etwas führt zu immer mehr Spielen, zu immer größeren Belastungen für die Spieler." Dies würden sich die Klubs nicht länger gefallen lassen, so Rummenigge.

Wechsel zwischen Dortmund und München FOTO: dpa, geb kno

Gleichzeitig sprang Rummenigge aber auch der Uefa zur Seite, indem er die Gründung einer neuen europäischen Super League, in der nur absolute Spitzen-Klubs spielen und milliardenschwer vermarktet werden sollen, für die nähere Zukunft nahezu ausschloss: "Es gibt sicher noch Bestrebungen gewisser Leute und Klubs in diese Richtung. Wir haben ein bewährtes System mit den nationalen Ligen und darüber die Europa und die Champions League. Ich glaube, alle großen Klubs tun gut daran, konstruktiv mit der Uefa zusammenzuarbeiten. Und umgekehrt."

"Seifert ist nicht der Staatsanwalt der Bundesliga"

Rummenigge kritisierte auch DFL-Chef Christian Seifert für dessen jüngste Aussagen in Bezug auf den Rekordmeister. "Ich glaube, dass er nicht der Staatsanwalt der Bundesliga ist, insofern würde ich ihn bitten, mit solchen Aussagen vorsichtig zu sein", sagte der Bayern-Boss im Interview mit "Sky Sport News HD".

Seifert hatte im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" angekündigt, dass er es künftig nicht mehr akzeptieren werde, wenn Bundesligisten mit einer Reserveelf in den Auswärtsspielen beim deutschen Rekordmeister Bayern München antreten. "Ich würde mich sehr stark dafür einsetzen, dass es Konsequenzen hat, wenn so etwas noch einmal passiert. Das zerstört definitiv die Glaubwürdigkeit des Sports", so der Boss der Deutschen Fußball Liga (DFL).

Rummenigge hält davon gar nichts, wie er am Rande der US-Tour der Bayern mitteilte: "Es interessiert mich nicht, das ist die Kompetenz des gegnerischen Trainers, wie er seine Mannschaft aufstellt." Auch aus einem weiteren Grund gefällt ihm die Aussage von Seifert nicht: "Damit wird irgendwie ja auch schon geschürt, dass wir deutscher Meister geworden sind, weil der eine oder andere Klub gegen uns nicht mit bester Besetzung aufgetreten ist. Ich glaube aber, das kann man schon verneinen."

Rummenigge glaubt, dass in der neuen Saison nicht nur Borussia Dortmund ein gefährlicher Konkurrent für die Bayern wird. "Ich glaube, dass Leverkusen eine gute Rolle spielen wird. Sie haben einen guten Transfermarkt gemacht", sagte der 60-Jährige der "Bild am Sonntag". Mittelfristig müsse es zudem das Ziel sein, in der Liga vier Mannschaften zu haben, die bis zum Ende um die Meisterschaft spielen und kontinuierlich in der Champions League mindestens das Viertelfinale erreichen können: "Ich bin optimistisch für die Bundesliga, denn einige Klubs machen jetzt einen guten Job. Ich glaube, dass die Bundesliga in dieser Saison emotional viel bieten wird."

(sid)
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