1. Bundesliga 16/17
| 14.39 Uhr

Italiener vor Gericht
Tonis Kampf mit der deutschen Sprache – und dem Steuerrecht

Luca Tonis Kampf mit der deutschen Sprache – und dem Steuerrecht
Luca Toni hat mit seinen Teamkollegen nie über die Kirchensteuer gerredet. FOTO: dpa, mum sja
München. Luca Toni streitet sich mit seinem früheren Steuerberater vor Gericht um viel Geld, es geht um eine nicht entrichtete Kirchensteuer in Millionenhöhe. Was bei der Aussage des Ex-Bayern-Stars deutlich wurde: Am Ende dürfte sich die Sprachbarriere fatal ausgewirkt haben.

Völlig geplättet malte Luca Toni irgendwann nur noch abstrakte Figuren auf ein kleines Blatt Papier. Nach stundenlanger Verhandlung in einem heißen und stickigen Gerichtssaal war auch die Dolmetscherin am Ende ihrer Kräfte. Der einstige Stürmerstar des FC Bayern hat mit seiner Aussage als Kläger vor dem Oberlandesgericht München dargelegt, warum er von seinem angeklagten Ex-Steuerberater Schadenersatz für nicht weniger als 1,7 Millionen Euro Kirchensteuer verlangt - und zugleich ein Deja-vu in punkto Sprachbarriere erlebt.

So ratlos, wie er im Sitzungssaal E.37 immer wieder die Übersetzerin anblickte, so dürfte er vor knapp acht Jahren als Neuling in München ohne Deutsch- und Englischkenntnisse manches Treffen und manchen Behördengang hinter sich gebracht haben. Und genau dadurch geriet er nach eigener Aussage in die Bredouille: Weil ihm niemand erklärt habe, dass es in Deutschland eine Kirchensteuer gebe, sehe er nicht ein, dass er die dann geforderte Nachzahlung allein begleichen müsse.

"Ich wäre aus der Kirche ausgetreten", sagte der 38-Jährige Fußballer. "Wenn meine Freunde wüssten, dass sie so viel bezahlen müssen, um Katholik zu sein, würden sie auch austreten." Es gehe ihm nicht um den Betrag, sondern darum, selbst zu entscheiden, wer Geld erhalte. "Das gebe ich dann lieber einem Waisenhaus als der Kirche."

Porträt: Luca Toni: Ewiger Ohrenschrauber FOTO: afp, mlm

Der Steuerberater und eine Zeugin behaupteten, sie hätten Toni bei einem Treffern über die Kirchensteuer in Kenntnis gesetzt - im Endeffekt steht Aussage gegen Aussage. Für 28. Oktober ist ein weiterer Termin angesetzt. Wann ein Urteil ergeht, ist noch unklar.

Was vom Mittwoch übrig blieb, ist die Erkenntnis, dass auch ein Star, der beim FC Bayern ein Netto-Monatsgehalt von 500.000 Euro hatte und in 89 Spielen 58 Tore erzielte, immer wieder auf Hilfe angewiesen war. "Ich habe mich alleine nirgendwo hin bewegt, ich kannte ja die Sprache nicht", erzählte der Stürmer. Die Bayern stellten ihrem prominenten Neuzugang deshalb einen Italienisch-Übersetzer, der ihm in der Kabine und bei Terminen nicht von der Seite wich.

"Bin zu den Bayern, um Fußball zu spielen"

Auch als Toni im Büro von Uli Hoeneß seinen Anmeldeschein ausfüllte und - letztlich fatalerweise - keine Religion deklarierte, war jener Dolmetscher dabei. "Ich habe dann einfach unterschrieben", sagte der Sportler. Ob er sich denn nicht eingehend mit dem Formular befasst habe, wurde Toni im Gericht gefragt. Da faltete der Sportler im blauen-grauen Anzug und hellblauen Hemd die Hände und meinte: "Ich bin zu Bayern gegangen, um Fußball zu spielen. Alles andere hat mich nicht interessiert. Für solche Dinge bezahle ich Experten."

Fotos: Luca Toni trifft gegen Juve und schraubt am Ohr FOTO: dpa, hm

Immer wieder fragten Richter Johannes Nagorsen und der Anwalt des beklagten Steuerberaters, ob Toni denn ausschließen könne, bei diversen Meetings über Kirchensteuer gesprochen zu haben. Und immer wieder wiegelte der inzwischen bei Hellas Verona aktive Torjäger ab: "Das hat mich alles nicht interessiert. Für mich zählte nur Fußball."

Auf die Frage, ob Toni denn mit Teamkollegen über das Thema geredet habe, musste er lachen. "Glauben Sie mir, wenn es eine Sache gibt, über die Spieler nicht reden, dann ist das die Kirchensteuer", sagte er. Das übersetzte die Dolmetscherin, es folgte ein Kichern im Saal. Dann gab der Richter den Satz zu Protokoll und die Dolmetscherin übersetzte für Toni zurück. So ging das sechs Stunden lang. Und am Ende war der Fußball-Altmeister froh, endlich wieder nach Italien zurückkehren zu dürfen.

(dpa)
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