Bundesliga
| 07.00 Uhr
Bayern München holt noch einen Star
Pep Guardiola bekommt Wunschspieler Thiago
Düsseldorf. Bayern München hat die Verpflichtung des Mittelfeldspielers vom FC Barcelona bekanntgegeben. Er kostet 25 Millionen Euro. Von Robert Peters

Bayern Münchens neuer Trainer Pep Guardiola bekommt den Mann, den er unbedingt wollte. "Ich brauche Thiago, Thiago oder nix!", hatte er vergangene Woche gesagt. Jetzt bekommt er ihn. Das gab der Rekordmeister gestern Abend bekannt. Für den 22 Jahre alten Mittelfeldallrounder, der einen Vierjahresvertrag erhält, zahlen die Bayern 25 Millionen Euro an den FC Barcelona, fünf davon in Form eines Freundschaftsspiels. "Thiago Alcantara war der große Wunsch unseres neuen Trainers Pep Guardiola", sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge: "Wir freuen uns, dass uns dieser große Transfer gelungen ist. Er ist ein fantastischer Spieler mit großer Perspektive, der den FC Bayern verstärken wird."

Am hoch veranlagten Alcantara, der bei der U 21-EM in Israel mit Spanien den Titel geholt hatte und zum besten Spieler des Turniers gewählt worden war, hatten einige europäische Topklubs großes Interesse gezeigt, darunter Manchester United.

Sammer mahnt schon wieder

Zuvor hatten Matthias Sammer und Guardiola die Diskussionen bestimmt. In der Rolle des schon mal sehr einsamen Mahners fühlt sich Sammer einfach wohl. Als Spieler war er gegen den Strich gebürstet, als Trainer konnte er sich in den besten Phasen über Dinge ereifern, die niemand außer ihm sah. Und als Sportvorstand des FC Bayern München hält er es für seine Pflicht, den Botschafter der Bodenhaftung zu geben. Mal macht er das, indem er schlechte Laune verbreitet, während alle jubeln – unvergesslich seine säuerliche Kritik an zwei Gegentoren beim 9:2 gegen den HSV. Nun ruft er dazu auf, ein wenig Normalität im Umgang mit Trainer Pep Guardiola zu pflegen. "Wir sind stolz, dass der begehrteste Trainer der Welt hier ist", sagte er der "Bild am Sonntag", aber "ich möchte in dieser ganzen Euphorie nicht vermitteln, dass wir blind vor Freuden-Trunkenheit durch die Gegend laufen."

Das ist Sammer, wie er sich selbst am liebsten sieht – nüchtern mitten im Rudel der Aufgeregten, als Geschäftsmann unter Fußball-Romantikern und Wundergläubigen. Während ein Teil des Bayern-Anhangs vermutlich längst glaubt, dass Guardiola nach dem Training ein Ründchen über den Starnberger See geht, erklärte Sammer: "Es ist jetzt sehr, sehr wichtig, hart zu arbeiten." Dabei kann er ziemlich angestrengt schauen.

Und er vergisst natürlich ungern zu erwähnen, dass er selbst einen schweren Job bewältigen muss. "Die ganze Zeit habe ich gelesen, dass Pep Guardiola unter Druck steht. Ich finde jedoch: Wir als Klub stehen unter Druck", sagte Sammer, "weil wir als Bayern München einen neuen Trainer und dessen Stab erst einmal aufnehmen und ihnen die Bedingungen schaffen müssen, erfolgreich zu arbeiten." Das eine Schlüsselwort ist Erfolg, das zweite Geduld. "Der Weg, den wir gemeinsam gehen, bedarf einer dauerhaften Analyse in kurzen Zeitabständen", stellte Sammer fest, "wenn der Weg positiv ist, aber die Ergebnisse noch nicht passen, darf es nicht dazu führen, dass wir die Nerven verlieren."

Ausnahmezustand in München

Das ist viel leichter gesagt als getan. Denn schon jetzt herrscht um den überragenden europäischen Klub der zurückliegenden Saison der Ausnahmezustand – alles ist noch eine Spur hysterischer als sonst. Jede Bewegung im Training wird bewertet, aus Guardiolas Wortbeiträgen wird die Taktikrevolution herausgelesen, Spieler müssen nach zwei gemeinsamen Übungstagen erklären, was alles anders, neu, bahnbrechend ist. Und wenn Erfolg bedeutet, besser zu sein als in der Vorsaison, dann muss der Trainer die ersten Gegner eindrucksvoll vom Platz fegen lassen.

Alles andere als eine turmhohe Überlegenheit, als Fußballzauber auf dem Rasen wird zuverlässig in Unruhe münden. Dafür sorgt bereits die stets sehr unterhaltsame Münchner Medienszene. Das vielzitierte Umfeld wird, das lehrt schon die Erfahrung, zuerst die Nerven verlieren. Da wird es nicht leicht für die Münchner Klubführung, zu ihrer Überzeugung zu stehen. Deshalb beschwört Sammer geradezu einen positiven Ausgang des Projekts.

Quelle: RP
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