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| 09.35 Uhr

Bayern-Trainer geht nach England
Guardiola hat nicht mal Angst vor der englischen Küche

Pep Guardiola denkt in Perioden - Bayern-Trainer geht nach England
Länger als drei Spielzeiten hält es Pep Guardiola bei einem Verein nicht aus. FOTO: dpa, kne lof
München/Düsseldorf. Vor anderthalb Jahren brachte der Autor Martí Perarnau das Buch "Herr Guardiola" auf den Markt. Es befasst sich im Wesentlichen mit dem ersten Jahr des Fußballtrainers Pep Guardiola bei Bayern München. Ganz nebenbei verrät es einiges über Guardiolas Lebensplanung. Der Coach denkt danach offenbar in Perioden. Von Robert Peters

Und es behagt ihm nicht, länger als drei Spielzeiten für einen Klub zu arbeiten. In Barcelona, in seiner Heimat, ließ er sich bei der ersten Station widerwillig zu einer vierten Saison überreden. Sie endete in augenfälliger Überarbeitung und mündete in ein Sabbatjahr, das sich Herr Guardiola in New York gönnte.

Das Buch beantwortet zwei Jahre im Voraus, wann Guardiola Bayern München verlassen würde, nämlich in diesem Sommer. Das haben nur nicht viele Menschen gemerkt, weil das Buch elend schlecht übersetzt ist und nicht gerade Lesevergnügen bereitet. Es ist nicht bekannt, ob Guardiolas Chefs beim FC Bayern sich durch die Schwarte gebissen haben. Wahrscheinlich ist es nicht. Sie hätten sich ihre ausdauernden Bemühungen um eine Fortsetzung der Zusammenarbeit sicher gespart.

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Weil sie ein halbes Jahr Ungewissheit über Guardiolas weiteren beruflichen Werdegang verbreiteten, hatte der Katalane oft ziemlich schlechte Laune, wirkte fahrig und manchmal ganz weit weg, wenn er mal wieder auf einem Podium saß und Fragen nach seiner Zukunft bei den Bayern beantworten sollte. Gestern war das ganz anders. Bei seiner ersten Pressekonferenz des neuen Jahres plauderte er entspannt, lächelte reichlich und ausdauernd, und wenn er mal die hohe Stirn in die berühmten Dackelfalten legte, dann sah er amüsiert aus. Viel Neues hatte er nicht zu berichten. Immerhin verriet er den Medien, was die ohnehin schon wissen. "Ich verlasse den FC Bayern, weil ich in England in der Premier League trainieren will. Das ist der einzige Grund." Einen weiteren nannte er allerdings auch. "Drei Jahre bei einem Klub sind genug. Ich wäre gern ein Trainer, der 30 Jahre bei einem Verein arbeitet. Aber so bin ich nicht. Ich will neue Erfahrungen, neue Stadien, neue Städte. Und ein Wechsel ist vielleicht auch für einen großen Klub ganz gut." Ob sein nächster großer Klub Manchester City heißt, wie das allgemein angenommen wird, wollte er nicht bestätigen. Er habe noch nichts unterschrieben, sagte Guardiola.

Guardiola geht Risiko ein

Die Aussicht auf kraftvollen Inselfußball schreckt den zartgliedrigen Katalanen nicht. "Nach England zu gehen, ist ein Risiko", räumte er ein, "aber deshalb mag ich das. Ich brauche neue Herausforderungen." Den größten Schrecken werden seine künftigen Arbeitgeber mit einem angemessenen Lohn zusätzlich gemildert haben. Schon bei den Bayern wird Guardiolas Jahreseinkommen auf zwölf Millionen Euro geschätzt. In England werden es sicher ein paar Euro mehr.

Über Geld aber redet Guardiola nicht. Auch bei seinen beruflichen Zielen spricht er lieber nicht über harte Fakten wie Titel und Trophäen, sondern eher über vergleichsweise weiche Lernziele. "Mir ist am wichtigsten, die Spieler besser zu machen", beteuerte er, "und für mich ist ein größerer Erfolg als der Gewinn der Champions League, dass wir nach dem Triple mit Jupp Heynckes drei Jahre in der Hinrunde in 51 Spielen nur einmal verloren haben. Das ist Wahnsinn." Na ja.

Dass viele sein Projekt Bayern München ohne den krönenden Abschluss Champions-League-Sieg für unvollendet halten, weiß Guardiola. Wahrscheinlich denkt er selbst so. "Wir werden es probieren. Ich bin mir sicher, ich habe das Beste gemacht und werde bis zum Ende das Beste für die Spieler machen", versicherte er, "wenn es nicht reicht, die Leute zufriedenzustellen, dann reicht meine Qualität vielleicht nicht. Aber ich bin glücklich und dankbar, dass ich bei Bayern sein durfte und darf."

Möglicherweise locken ihn auf der britischen Insel nicht nur Geld und neue Stadien. Tatsächlich will Guardiola auch "neue Restaurants kennenlernen". Er hat wirklich vor gar nichts Angst, nicht mal vor der englischen Küche.

Quelle: RP
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