1. Bundesliga 16/17
| 16.08 Uhr

"Sind für solche Spiele geboren"
Thiago reißt den FC Bayern von den Sitzen

Halbfinaleinzug des FC Bayern München - Pressestimmen
Halbfinaleinzug des FC Bayern München - Pressestimmen FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO
Ein Mann für gewisse Stunden: Seit seinem Comeback ist Thiago in Abwesenheit von Antreibern wie Arjen Robben oder Franck Ribery der Dreh- und Angelpunkt des FC Bayern.

Die Uhr zeigte 89 Minuten und 42 Sekunden, als Thiago Alcantara wie in Zeitlupe über die weiße Seitenlinie vor der Bank des FC Bayern schritt. Dort stand schon Pep Guardiola, bereit zum ultimativen Liebesbeweis. Der Trainer lachte, wie er sonst nur selten lacht, er breitete die Arme aus, und dann fiel er seinem Lieblingsspieler um den Hals. Kein "supersupersuper", kein "toptoptop", nein, für den ausgewechselten Thiago gab es eine Sonderbehandlung durch den glücklichen Guardiola.

Es war ein Augenblick, in dem das Publikum sich längst von den Sitzen erhoben hatte. 6:1 (5:0) stand es gegen den FC Porto, der tosende Beifall für Thiago war zugleich Ausdruck einer gewissen Ehrfurcht vor diesem kleinen Spanier, ohne den dieser Abend und das Erreichen des Halbfinals der Champions League kaum möglich gewesen wäre für die Münchner. Thiago hatte in Porto immerhin den Bayern-Treffer beim 1:3 erzielt, diesmal köpfte, ja, köpfte er das 1:0 (14.) und versetzte den FC Bayern fast in einen Rausch.

"Das ist ein großartiger Tag, alles ging auf. Ich bin sehr, sehr glücklich", sagte der immer noch erst 24 Jahre alte Stratege und Zauberer nach einem grandiosen Spiel, auf dem er eindrucksvoll seine Handschrift hinterließ. In Abwesenheit von Antreibern wie Arjen Robben, Franck Ribery oder David Alaba inszenierte Thiago das Münchner Spiel, kaum ein Angriff, der nicht über ihn lief. "Er ist der Dreh- und Angelpunkt. Es wäre eine Katastrophe, wenn er jetzt nicht dabei wäre", sagte Torhüter Manuel Neuer.

Dieser Thiago, wohlgemerkt, hat über ein Jahr nicht Fußball gespielt, erst seit dem 4. April ist er wieder am Ball. "Ich bin noch nicht bei 100 Prozent, aber ich fühle mich schon großartig. Mit diesen Spielern ist es leicht", sagte er. Guardiola lobte nach dem Spiel die bemerkenswerte Mentalität seiner Mannschaft, die den Unterschied ausmache in der Champions League. Thiago, das war an diesem Abend erkennbar, ist neben einem Weltmeister wie Thomas Müller ein Mann für diese gewissen Stunden.

"Es ist Weltklasse, was er darstellt", kommentierte Klubchef Karl-Heinz Rummenigge die überragende Leistung von Thiago, "er hat unglaubliche Talente und ist wichtig für die Mannschaft. Er ist ein Spieler, der Spiele entscheiden kann. Er bringt noch einmal einen Schuss mehr Qualität rein." Sportvorstand Mathhias Sammer ergänzte: "Er ist ein Instinktfußballer, etwas Besonderes. Deshalb waren wir immer so bemüht, dass er die Zeit bekommt, um wieder gesund zurückzukehren."

Ob er Druck verspürt habe vor diesem Abend, wurde Thiago gefragt. Druck? Ach was! "Wir sind Profis", erklärte er, "wir können damit umgehen. Wir sind für solche Spiele geboren." Er, Thiago, ist auf alle Fälle geboren für Spiele wie diese.

(sid)
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