1. Bundesliga 17/18
| 12.58 Uhr

Fan zeigt Hoeneß Mittelfinger
Pöbler haben keinen Applaus verdient

Uli Hoeneß: Pöbler haben keinen Applaus verdient
Während des Spiels zeigte dieser Dortmund-Fan Uli Hoeneß den Mittelfinger. FOTO: Twitter!Wim Tiese
Meinung | Düsseldorf. Ein Dortmunder Fan hat Uli Hoeneß während des Finals um die deutsche A-Jugend-Meisterschaft auf der Tribüne den Mittelfinger gezeigt. So weit, so gut. Die Glorifizierung des Ereignisses ist allerdings traurig. Von Gianni Costa

Uli Hoeneß ist ein verurteilter Steuerbetrüger. Er hat auch nach der abgesessenen Strafe sein Ego nur in sehr beschränktem Maße im Griff und posaunt in seinem ureigenen Selbstverständnis Dinge in die Welt hinaus. Hoeneß polarisiert, Hoeneß teilt aus. Damit macht er sich zur beliebten Zielscheibe. Er weiß um seinen Stellenwert und pflegt die Marke Hoeneß intensiv. Wo immer er auftaucht, wird ihm a) gehuldigt oder b) blanker Hass entgegengebracht.

Am Montag war Hoeneß mit weiten Teilen der Vorstandsriege des deutschen Rekordmeisters in den Dortmunder Signal Iduna Park gereist. Dort traf der BVB im Finale der U19-Meisterschaft auf die Vertretung des FC Bayern. Ein Spiel voller Emotionen – 33.450 Fans waren dabei. Die Partie diente auch als Machtdemonstration: Wer stellt den talentiertesten Nachwuchs hierzulande? Wer hat die Stars von morgen in seinen Reihen? Sportlich war die Frage nach einem dramatischen Elfmeterschießen geklärt: Die Dortmunder setzten sich mit 8:7 durch. Es war bereits der fünfte nationale Titel in Folge, den der überragende 1998er-Jahrgang um Felix Passlack in seiner Spielklasse gewinnen konnte.

Die berühmtesten Stinkefinger im Sport FOTO: Twitter

Und nun kommt tatsächlich auch noch Uli Hoeneß ins Spiel, der überhaupt keine Hauptrolle an diesem Abend verdient gehabt hätte. Hoeneß saß mittlerweile nicht mehr im Stadion, sondern er stand. Eine Reihe vor ihm standen ein paar Anhänger des BVB. Einer von ihnen drehte sich irgendwann um und zeigte Hoeneß den Stinkefinger, in der linken Hand hielt er zwei Becher Bier. Dazu gab's wohl auch noch ein paar Pöbeleien in Richtung des 65-Jährigen. In früheren Zeiten hätte man das Geschehene ganz schnell abgehakt.

Doch in Zeiten der sozialen Medien geht die Jagd dann erst richtig los. Das Foto ist hundertfach veröffentlicht worden, darunter viele Kommentare, in denen der Stinkefinger-Fan des BVB auch noch beglückwünscht wird. Das ist das eigentlich Verwerfliche an der Aktion. "Wir feiern das gerade so ab." "Der Typ sollte lebenslang eine Dauerkarte für den BVB bekommen." Die Glorifizierung eines solchen Ereignisses ist das eigentlich Traurige.

Ein Stadion ist gewiss kein rechtsfreier Raum, aber es ist ein Ort mit besonderen Emotionen. Deshalb muss man den Zwischenfall an sich nicht größer machen, als er ist. Das wird auch Uli Hoeneß so sehen. Von ihm ist nicht überliefert, dass er schwer beleidigt war oder über eine Anzeige nachdenken würde. Er hat mit angemessener Verachtung darauf reagiert – seine Hände in der Hosentasche blickte er den Pöbler von oben herab an.

Die richtige Reaktion zeigten viele andere BVB-Anhänger, die dem Fan aus den eigenen Reihen die Solidarität entzogen haben und um eine richtige Einordnung bemüht sind: eine völlig unnötige Aktion. Bei aller Antipathie gegen Hoeneß sollte man nicht seine Manieren über Bord werfen.

(gic)
 
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