1. Bundesliga 17/18
| 15.58 Uhr

Rekordmeister auf der Suche
Diese Trainer könnten den FC Bayern übernehmen

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Wer übernimmt in der kommenden Saison den FC Bayern München? Nach der Absage von Thomas Tuchel ist die Trainerfrage beim Rekordmeister wieder völlig offen. Wir geben einen Überblick über mögliche Kandidaten und schätzen ihre Chancen ein. Von Aaron Knopp

Kein Dementi. Nirgends. Nach der für den Geschmack der Bayern-Bosse allzu öffentlich geratenen Absage von Thomas Tuchel herrschte beredtes Schweigen an der Säbener Straße. Es verfestigt sich der Eindruck, dass dem Rekordmeister binnen weniger Tage Plan A und B für die Besetzung des Cheftrainerpostens um die Ohren geflogen sind. 

Dem Vernehmen nach hatte Uli Hoeneß bis zuletzt darauf gehofft, Jupp Heynckes noch für ein weiteres Jahr seinen Freundschaftsdienst abzuringen. Wohl nicht zuletzt aus Nachsicht gegenüber ihrem amtierenden Übungsleiter hatten die Bosse den Flirt mit Thomas Tuchel daher nicht glaubhaft vorangetrieben, was Tuchel wiederum veranlasste, sich anderweitig umzutun. Im Ergebnis sind nun beide Optionen passé. Einzig darüber, welcher Klub nun ursächlich für Tuchels Absage war, ist sich die Medienlandschaft uneins. Für den Rekordmeister ist das allerdings auch maximal unerheblich.

Wenn im April die riesigen Weißbiergläser wieder tieffliegen, weiß in München womöglich noch niemand, wer im nächsten Jahr die Bierduschen abbekommen soll. Die Bayern stehen ohne Trainer für die kommenden Saison da, schlimmer noch: offenbar auch ohne überzeugende Idee. Der Markt gibt derzeit scheinbar wenig Personal nach dem Zuschnitt eines Bayern-Trainers her. Man darf mit einiger Gewissheit annehmen, dass in München derzeit die Köpfe rauchen. Zwar hat sich der Kandidatenkreis durch Tuchels Absage reduziert, einfacher ist die Aufgabe dadurch nicht geworden.

Wir haben einen Blick auf mögliche Kandidaten geworfen und ihre Chancen eingeschätzt.

Julian Nagelsmann

Der Dauerflirt mit dem Hoffenheim-Coach ist merklich abgekühlt. Zwischenzeitlich hatte sich der Shootingstar der deutschen Trainergilde schon zu Wortmeldungen hinreißen lassen, die unterkühlteren Zeitgenossen wohl höchstens bei einer Antrittsrede über die Lippen gekommen wären. In den letzten Wochen war nur noch sporadisch von einem Wechsel des schließlich ja auch immer noch erst 30-Jährigen zu lesen, der es sich vielleicht auch einfach noch ein wenig im Kraichgau bequem macht. Verschiedene Medien berichten, dass das Interesse der Bayern abgeklungen sei, nicht zuletzt aufgrund der enttäuschenden Europapokal-Auftritte der TSG Hoffenheim.

Mauricio Pocchettino

In den letzten Monaten war immer wieder zu hören, dass die Personalabteilung des FC Bayern gesteigerten Wert darauf lege, dass der neue Übungsleiter Deutsch spricht. Über ausgefeilte Deutschkenntnisse des Argentiniers ist herzlich wenig verbrieft. Allerdings müssen die Münchner nach der Absage von Thomas Tuchel den Blick zwangsläufig etwas weiten, die Sprache muss kein K.o.-Kriterium mehr sein. Mit Tottenham Hotspur, die er zu einem europäischen Spitzenteam geformt hat und Torjäger Harry Kane, der unter ihm in die Riege internationaler Topstars vorstieß, machte Pocchettino Schlagzeilen. Nun soll sogar Real Madrid interessiert sein. Würde sich das Interesse der Königlichen erhärten, wäre wohl nicht nur das spanischsprachige Umfeld in Madrid noch etwas reizvoller als die Säbener Straße. Angeblich soll Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic schon einmal vorgefühlt haben. Ob das reicht, um Pocchettino zu überzeugen, ist allerdings genauso fraglich wie die Ernsthaftigkeit der Münchner Avancen.

Jürgen Klopp

Ein prominentes Gesicht, das dem Selbstverständnis des FC Bayern natürlich gut stehen würde. Es gibt allerdings mehrere Gründe, die gegen Klopp sprechen: Zwar verließ er den BVB höchst freiwillig, dennoch bleibt von seinem letzten Jahr in Dortmund der Nachgeschmack einer sportlichen Krise. Der von ihm kultivierte laufintensive Konterfußball galt als weitgehend entschlüsselt. Ob eine solche Spielweise dem FC Bayern gut zu Gesicht stünde, der in der Liga oft vor Dominanz kaum laufen kann und eher Ideen für das Spiel mit dem Ball benötigt? Beim FC Liverpool ist Klopp zwar durchaus erfolgreich, gerade das sollte aber wiederum ein gutes Argument für ihn sein, den Arbeitgeber alsbald nicht zu wechseln.

Ralph Hasenhüttl

Seine Vertragsverlängerung bei RB Leipzig ist ein Dauerthema. Die Laufzeit des aktuellen Arbeitspapiers (bis 2019) mahnt nicht zur Eile. Verein und Trainer geben sich daher diesbezüglich betont entspannt. Gleichwohl reißen die Gerüchte über einen Wechsel zum Rekordmeister nicht ab. Hasenhüttl ließ durchblicken, dass ein Job bei der deutschen Nummer eins möglicherweise noch zu früh für ihn käme. Vor den "Roten Bullen" war Hasenhüttl schließlich noch Trainer beim FC Ingolstadt, der Rekordmeister würde für ihn ein nochmal anderes Level bedeuten. Sollten die Bayern-Bosse allerdings zuversichtlicher sein und Hasenhüttl das letzte Quantum Selbstvertrauen impfen, könnten sie Leipzigs Coach wohl auch aus einem laufenden Vertrag freikaufen.

Christian Streich

Genauso schnell wie er beim FC Bayern gehandelt wurde, entkräftete er das Gerücht auch wieder. Christian Streich leistet beim SC Freiburg respektable Arbeit, jedoch unter völlig anderen Voraussetzungen. Wenn Jupp Heynckes noch als eher unprätentiös beschrieben werden kann, ist Christian Streich der nachgerade Gegenentwurf zu den Auswüchsen des modernen Fußball-Geschäfts, die auch bei den Bayern wirken. Allein deshalb scheint ein Engagement beim deutschen Branchenprimus schwer vermittelbar. Zudem fehlt dem 52-Jährigen die Erfahrung auf höchstem Niveau.

Domenico Tedesco

Skeptiker hielten schon den Schritt in die Bundesliga nach wenigen Monaten als Trainer bei Erzgebirge Aue für sehr frühzeitig. Beim FC Schalke 04 hat Domenico Tedesco jedoch in ähnlichem Tempo weiter Karriere gemacht und nach nicht mal einer Saison den vermeintlich kaum zu bändigenden Klub aus Gelsenkirchen hinter sich gebracht. Zwar nicht mit berauschendem Fußball, dafür aber mit ausgefuchster Taktik hat Tedesco Königsblau nach schweren Jahren auf Anhieb zurück zu alter Stärke geführt. In der aktuellen Diskussion fällt sein Name noch nicht, auf Sicht könnte in Gelsenkirchen aber ein Mann für noch höhere Aufgaben heranwachsen. Sollten die Bayern das ähnlich sehen, könnte der 32-Jährige vielleicht ein Überraschungskandidat sein. Gleichwohl lassen seine Aussagen wenig Interpretationsspielraum: Tedesco fühlt sich bei Schalke derzeit (noch) sehr gut aufgehoben.

Arsene Wenger

War über Jahre immer mal wieder im Gespräch, wenn in München der Trainer wackelte, nicht zuletzt, weil der Elsässer hervorragend Deutsch spricht. Etablierte beim FC Arsenal ansehnlichen Kombinationsfußball moderner Prägung, holte in über 20 Jahren aber nicht einen europäischen Titel mit den Nord-Londonern. Selbst Optimisten sehen nun das Ende seiner Ära bei den "Gunners" nahen. Ob er sich mit 68 Jahren noch einmal einer solchen Aufgabe annimmt, ist mindestens genauso unwahrscheinlich wie ein ernsthaftes Interesse der Bayern.

Tobias Schweinsteiger

Zuletzt haben immer mehr Bundesligaklubs auf unverbrauchte Kräfte aus den eigenen Reihen gesetzt. Würde man dieses Schema auf die Bayern anwenden, käme mit einiger Wahrscheinlichkeit Tobias Schweinsteiger dabei heraus. Der ältere Bruder von Weltmeister Bastian hat schon in der zweiten Mannschaft der Münchner gespielt, nun ist er gleichzeitig "Co" bei der U17 und der U23 und gilt als eines der verheißungsvollsten Trainertalente im Bayernstall. Schweinsteiger absolvierte die theoretische Prüfung beim Trainerlehrgang des DFB ohne einen Fehler. Das gelang in den letzten 16 Jahren davor nur einem anderen Trainer: Thomas Tuchel. Ernsthaft in Betracht für den Posten kommt er zunächst noch nicht, aber nicht wenige bescheinigen ihm große Perspektiven.

Diese Trainer sind aktuell arbeitslos FOTO: dpa, jai

Lucien Favre

Lange war der Franzose bei Borussia Dortmund im Gespräch, nun tauchte sein Name auch als möglicher Bayern-Trainer auf. Rangiert in seiner dritten Saison als Trainer beim OGC Nizza derzeit im grauen Tabellenmittelfeld. Von seinem Wirken in Mönchengladbach hallt zweierlei nach: Dass er bei den Borussen mit phasenweise begeisterndem Offensivfußball eine Zeitenwende einleitete. Und sein überstürzt wirkender Abgang, auf dem in Teilen seine Beschreibung als kauziger Freigeist gründet. Beides werden die Bayern-Bosse ins Kalkül ziehen. Sein Vertrag in Nizza läuft bis 2019. Das könnten die Bayern ändern – wenn sie überzeugt sind, das zu wollen.

Joachim Löw

Jedes große Turnier ist eine Sollbruchstelle in der Erwerbsbiografie von Nationaltrainern. Sollte Deutschland erneut erfolgreich sein, vielleicht sogar den WM-Titel verteidigen, gäbe es kaum einen Grund für ihn, noch weiterzumachen. Im Misserfolgsfall würden möglicherweise Rufe nach einem Neuanfang laut. Allerdings wäre den Bayern wohl das Risiko zu groß. Die Unterschiede zwischen der Arbeit als Bundestrainer und bei einem Bundesligaverein – besonders dem FC Bayern – sind immens. Löw hat zuletzt vor über 14 Jahren einen Verein betreut, seine Arbeitgeber waren damals international eher drittklassig – namentlich: Adanaspor, FC Tirol und Austria Wien. Hinzu kommen ganz praktische Erwägungen: Nach der WM würde Löw frühestens Mitte Juli zur Verfügung stehen, dazu mit einem anstrengenden Turnier in den Knochen. Vor dessen Ausgang würde Löw, dessen Vertrag noch bis 2020 läuft, wohl unter keinen Umständen einem Abschied vom DFB zustimmen. Daher scheidet diese Lösung praktisch aus. Löw selbst hat sich ebenfalls eindeutig geäußert: "Natürlich habe ich gelesen, dass Tuchel abgesagt hat. Die Gründe kenne ich nicht und ich weiß nicht, welche Pläne die Bayern haben", sagte Löw dem ZDF. "Für mich ist das überhaupt kein Thema, bei mir steht die WM im Mittelpunkt, und die geht für uns hoffentlich bis Mitte Juli. Von daher habe ich andere Sorgen als die Bayern möglicherweise."

Niko Kovac

Stallgeruch ist bei der aktuellen Trainersuche zwar kein ausschlaggebendes Kriterium, er schadet aber sicher nicht. In München ist der gebürtige Berliner noch immer ein gern gesehener Gast. Dass ihm Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und sein früherer Mitspieler Hasan Salihamidzic allein aufgrund seines gewinnenden Wesens den Schlüssel zur Trainerkabine überlassen wollen, darf bezweifelt werden. Dafür hat sich der anfangs von vielen skeptisch beäugte Kroate in Frankfurt inzwischen aber einen guten Ruf erarbeitet. Die Eintracht hat sich in der Tabelle in den letzten drei Jahren unter Kovac kontinuierlich verbessert und konkurriert inzwischen ernsthaft mit Dortmund, Schalke und Leverkusen um die Champions-League-Plätze. International ist der 46-Jährige allerdings gänzlich unerfahren und zweifellos eher eine kleine Lösung. Wie strapazierfähig das Vertrauen in den 46-Jährigen ist, müsste sich bei ersten sportlichen Rückschlägen erst noch erweisen.

 
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