Vor Nominierung für Finnland-Spiel: Beckenbauer übt erneut Kritik an Wörns
zuletzt aktualisiert: 26.09.2001 - 14:03München (rpo). Franz Beckenbauer hat die direkte Qualifikation der deutschen Nationalmannschaft für die WM 2002 abgehakt und vor dem Länderspiel gegen Finnland seine Kritik an Christian Wörns erneuert.
"Ich kann diese Wehleidigkeit nicht leiden. Mitleid gibt es nicht im Fußball. Wenn ihm was nicht passt, dann sollte er nicht spielen", erklärte das DFB-Präsidiumsmitglied vor dem letzten WM-Qualifikationsspiel am 6. Oktober (16.00 Uhr) in der Arena AufSchalke gegen Finnland, für das DFB-Teamchef Rudi Völler am Donnerstag im Lueg-Center in Gelsenkirchen sein Aufgebot benennen wird.
Große Chancen, sich nach dem 1:5-Debakel gegen England vor einem Monat noch direkt für Südkorea und Japan zu qualifizieren, sieht Beckenbauer indes nicht mehr. "Wir werden nicht umhin kommen, uns mit dem zweiten Platz zufrieden geben zu müssen und zwei Qualifikationsspiele zu bestreiten", meinte der "Kaiser". Dennoch nimmt er die deutsche Auswahl, die am letzten Spieltag der Gruppe 9 auf einen Ausrutscher der Engländer gegen Griechenland angewiesen ist, in die Pflicht: "Es ist notwendig, dass wir nach dem Debakel gegen England eine überzeugende Leistung bringen und gewinnen."
Völler mit Personalproblemen
Allerdings plagen Völler vor der Partie gegen die Finnen (Hinspiel 2:2) erhebliche Personalprobleme. Neben den verletzten Mehmet Scholl (Sprunggelenk), Thomas Linke (Schulter), Jörg Heinrich (Syndesmoseband) und Jens Jeremies (Knie) befinden sich derzeit auch die Angreifer Oliver Bierhoff vom AS Monaco (Bänderriss im Sprunggelenk) sowie die beiden Münchner Carsten Jancker (Muskelfaserriss in der Fußsohle) und Alexander Zickler (Innenbanddehnung im rechten Knie) im Krankenstand. Ob alle drei rechtzeitig fit werden, ist unwahrscheinlich.
Deshalb hatte Beckenbauer ein Comeback von Leverkusens Torjäger Ulf Kirsten gefordert. Der 35-Jährige lehnte eine Rückkehr jedoch ab, Völler wollte dies indes grundsätzlich nicht ausschließen: "Wenn einmal Not am Mann sein sollte, ist Ulf sicher der Erste, der sich bereit erklärt. Aber im Moment ist die Situation nicht so dramatisch." Neben Kirsten scheint auch der 31 Jahre alte Gladbacher Arie van Lent ein möglicher Ersatz-Kandidat für das DFB-Aufgebot zu sein.
Auf jeden Fall wird Christian Wörns von Borussia Dortmund nach einem Gespräch mit dem Teamchef zum Kader gehören. Der 29-Jährige hatte sich nach dem 1:5 gegen England zum wiederholten Mal als Sündenbock gefühlt und deshalb mehrfach Rücktrittsgedanken geäußert.
Teamchef freut die Entscheidung von Wörns
Würde es nach Beckenbauer gehen, hätte Völler trotz mangelnder Alternativen künftig auf den Abwehrspieler verzichtet. Der Teamchef gab jedoch klein bei und betonte: "Ich freue mich über die Entscheidung von Christian, weil er in meinen Planungen eine große Rolle spielt und für unsere Mannschaft wichtig ist."
Die deutlichen Aussagen von Beckenbauer hatten zuletzt jedoch bereits Dortmunds Manager Michael Meier auf den Plan gerufen. Es könne nicht sein, dass der Präsident des Organisations-Komitees für die WM 2006 Personalpolitik betreibe. Meier wertete dies auch "als Attacke gegen Borussia Dortmund", und man müsse sich überlegen, ob man Spieler aus freien Stücken an die Nationalmannschaft abgeben kann. "Wenn Beckenbauer meint, man könne ohne Wörns auskommen, dann soll er auch die Alternative nennen: Es gibt keine. Auf diese Art und Weise kann man einem Mann, der 37 Länderspiele absolviert hat, nicht behandeln."
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