"Champions League kein Selbstgänger": Beckenbauer warnt Bayern-Stars
zuletzt aktualisiert: 05.03.2001 - 14:53Lyon (dpa). Nach dem neuen Schwächeanfall in der Bundesliga ist beim FC Bayern München auch in der Chefetage die Toleranzgrenze endgültig überschritten. Vor dem Gastspiel am Dienstagabend (20.45 Uhr/live bei RP Online) bei Olympique Lyon rief Franz Beckenbauer die Bayern-Stars zum Umdenken auf: "Man weiß, dass die Champions League kein Selbstläufer ist. Man braucht ein Faustpfand, und das ist die Meisterschaft", sagte der Präsident, derweil Manager Uli Hoeneß am Montag auch nach der Ankunft in Frankreich weiterhin schweigend grollte.
Ein Donnerwetter des Managers dürfte sich spätestens entladen, wenn der Liga-Schlendrian auch auf die "Königsklasse" übergreifen sollte. Doch nicht nur der nach dem 2:3 in Rostock extrem verärgerte Trainer Ottmar Hitzfeld ("Wir bewegen uns auf einem schmalen Grat") vertraute auf das für diese Saison so typische Phänomen. "In der Champions League haben wir immer die Erwartungen erfüllt, konnten wir uns immer auf den Punkt fit bekommen", sagte der 52-Jährige.
Das Geheimnis über seinen Abwehrchef im "Stade Municipal de Gerland" lüftete Hitzfeld nicht, um die wichtigste Personalie machte er ein großes Rätsel. Wahrscheinlich ist, dass Patrik Andersson wie beim 3:0 in Moskau eine Dreierkette anführt. Der neue Libero Jeremies, der am Montag 27 Jahre alt wurde, könnte nach seinem erneuten Patzer in Rostock ins defensive Mittelfeld wechseln. So oder so machte Hitzfeld seinem Geburtstagskind zumindest ein verbales Geschenk: "Jens Jeremies hat nach wie vor mein volles Vertrauen."
Auf jeden Fall wird Michael Tarnat für den gesperrten Bixente Lizarazu in die Mannschaft kommen, die eine Woche nach dem ernüchternden 0:1-Auftritt der deutschen Nationalmannschaft in Paris den Ruf des deutschen Fußballs im Land des Weltmeisters aufpolieren soll. Trotz großer Rückenprobleme ist auch Carsten Jancker zumindest als Joker in Lyon dabei.
Schon ein Punkt genügt den Bayern zum Einzug ins Viertelfinale. "Wir treten dort an, um diesen letzten Schritt zu machen", erklärte Trainer Ottmar Hitzfeld entschlossen. Torwart Oliver Kahn warnte dennoch vor "einem ganz gefährlichen Ding". Zu Recht: Denn die scheinbar einfache Rechnung für den Tabellenführer der Gruppe C birgt ein Risiko. Verlieren die Bayern (10 Punkte) gegen Lyon (4) mit zwei Toren Unterschied und gewinnt Arsenal London (5) gleichzeitig sein Heimspiel gegen Spartak Moskau (3), dann droht den Bayern im letzten Zwischenrundenspiel am 14. März im Olympiastadion gegen Arsenal urplötzlich ein Zitterspiel. "Unser primäres Ziel muss es darum sein, mindestens den direkten Vergleich mit Lyon zu gewinnen", forderte Kahn volle Konzentration.
Die Chancen dafür scheinen günstig. Mit einem 2:1-Sieg im Liga- Spitzenspiel gegen Girondins Bordeaux wahrte Olympique am Samstag zwar seine Titelchance in der französischen Meisterschaft. Doch gegen die Bayern muss Trainer Jacques Sanitini gleich auf vier Leistungsträger verzichten: Stürmer Steve Marlet, Mittelfeldspieler Marc-Vivien Foe und Abwehrspieler Patrick Müller sind ebenso wie bei den Bayern Bixente Lizarazu nach der dritten gelben Karte gesperrt.
Dazu fehlt der überragende Abwehrchef Edmilson, der mit Brasiliens Nationalmannschaft ein Länderspiel gegen Mexiko bestreitet. An der Ausgangslage ändert der personelle Engpass nichts: "Wir haben keine andere Wahl, als auf Sieg zu spielen", kündigte Spielmacher Vikash Dhorasso an. 40 000 Zuschauer werden Lyon nach vorne peitschen.
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