1. Bundesliga 17/18
| 08.34 Uhr

Wie gut ist die Bundesliga?
Gradmesser BVB

BVB - Hannover: Bilder des Spiels
BVB - Hannover: Bilder des Spiels FOTO: dpa, bt hak
Dortmund. In der Liga haben die Dortmunder mit dem 1:0 über Hannover zwölfmal hintereinander nicht mehr verloren - in Europa sind sie hingegen sang- und klanglos ausgeschieden. Das sagt viel über die derzeitige Qualität der Bundesliga aus. Von Robert Peters

Zu ausgiebigen Siegesfeiern fand sich nicht einmal die berühmte gelbe Wand von Fans auf der Südtribüne des Dortmunder Stadions bereit. Das lag vielleicht auch an den Temperaturen und dem strammen Wind aus Nordost, der aus der Arena eine Tiefkühltruhe machte. Der 1:0-Erfolg des BVB über Hannover 96 hätte aber selbst bei besseren Witterungen keine Begeisterungsstürme entfacht. Die Gastgeber spielten eine ganz ordentliche erste Halbzeit, hatten jedoch vor allem in der zweiten Hälfte kaum fußballerischen Zusammenhalt. Hannover war auf keinen Fall wesentlich schwächer als der Champions-League-Kandidat aus Westfalen.

Spielerische Armut

Es ist eine der erstaunlichen Fußnoten dieser Bundesliga-Saison, dass der BVB trotz spielerischer Armut den Platz unter den ersten drei der Tabelle behauptet. Und es mutet seltsam an, dass Trainer Peter Stöger keines seiner zwölf Meisterschaftsspiele mit den Dortmundern verloren hat. Es sagt einiges über die Qualität der Bundesliga aus, dass Dortmund, das am Donnerstag in Salzburg so sang- und klanglos aus dem internationalen Wettbewerb ausgeschieden ist, in der nationalen Liga unbeeindruckt punktet.

Stöger wertete die Leistung beim Erfolg über Hannover möglicherweise auch deswegen sehr gern ein bisschen auf. "Mit der Leistung sind wir sehr einverstanden", sagte der Österreicher, "es ist sowieso immer schwierig nach einem Europapokalspiel, dafür haben wir ein richtig gutes Spiel gemacht." Seine Elf, urteilte Stöger, habe "Tiefe gefunden, Überzahl im Zentrum hergestellt und Zug zum Tor gehabt". Über den bescheidenen Vortrag nach dem Wechsel schwieg er lieber.

Es ist ihm noch nicht gelungen, aus dieser bemerkenswerten Sammlung an fußballerischem Talent eine Mannschaft zu machen, die ihr Vermögen auch auf den Platz bringt - jedenfalls nie über ein ganzes Spiel. In der Bundesliga reicht die Klasse einzelner offenbar aus, tüchtig zu punkten. International waren die Vorstellungen beinahe indiskutabel.

Stögers Zukunft beim BVB weiter offen

Ob Stöger überhaupt die Zeit bekommt, das Potenzial dieser Mannschaft auszuschöpfen, ist vor allem durch die Vorstellungen in Europa äußerst ungewiss. Der Fußballlehrer löste im Dezember den Niederländer Peter Bosz ab, der mit seinem hemmungslosen Offensivstil krachend gescheitert war. Die Dortmunder Klubführung gab dem Österreicher Stöger freilich nur einen Vertrag bis zum Ende der Saison. Und eine Weiterbeschäftigung über den Sommer hinaus hängt maßgeblich davon ab, wie sich seine Mannschaft bis zum Ende der Spielzeit präsentiert.

Stöger hat sicher zu Anfang seiner Arbeit für dringend notwendige defensive Stabilität gesorgt, zu einfallsreichem Fußball hat er sein Team noch nicht anregen können. Dabei hat er ja durchaus Personal, das für hochwertigen Sport sorgen könnte. Zentrale Mittelfeldspieler wie Mo Dahoud und Julian Weigl haben ihre Veranlagung in der Vergangenheit nachhaltig bewiesen. André Schürrle und Mario Götze schossen Deutschland im Doppelpass zum Weltmeistertitel, Marco Reus gilt seit Jahren als einer der kreativsten Angreifer des Landes, vielleicht des Kontinents.

Doch Reus plagt sich durch ein verletzungsreiches Leben - gegen Hannover musste er mal wieder aussetzen. Schürrle findet nur zu Ansätzen früherer Klasse, Dahoud kommt so langsam in die Nähe der Vorstellungen, die ihn in Mönchengladbach zu einem der begehrten Nachwuchsleute machten. Weigl dagegen verabschiedet sich in die erste richtige Krise seiner Laufbahn, und bei Götze weiß niemand, ob er noch mal der wird, der er war, bevor er Dortmund vorübergehend in Richtung Bayern München verließ.

Gegen Hannover war er zumindest ganz engagiert unterwegs, nachdem ihn Stöger wegen einer blutleeren Vorstellung in Salzburg tüchtig angezählt hatte. Die Rückkehr zu getreuer Pflichterfüllung bezeichnete sein Trainer nun "als sehr gutes Spiel, Mario Götze hat vieles von dem gezeigt, was wir sehen wollen". Es ist möglicherweise eines der Dortmunder Probleme im eisigen Frühjahr 2018, dass einige mit relativ wenig schnell zufrieden sind.

Es ist noch nicht heraus, wie viele Minimalisten in der Vereinsführung sitzen. Wer im Gesicht des Geschäftsführers Hans-Joachim Watzke lesen wollte, der hatte zuletzt reichlich Gelegenheit, aussagekräftige Mienen wachsenden Unmuts zu studieren.

Watzke wird seine Schlüsse aus der Spielzeit ziehen. Es ist zu hören, dass Dortmund dem Team defensiv Führungspersonal und in einigen Bereichen ein wenig mehr Erfahrung einkaufen will. Es ist nicht bekannt, wie sich der Klub zu Stöger positioniert. Im Umfeld heißt es, dass dessen Landsmann Ralph Hasenhüttl (derzeit RB Leipzig) sehr aufmerksam beobachtet werde.

Da ist er nicht allein. Auch Stöger und seine Truppe stehen im Fokus der Vereinsoberen. "Wir halten die Augen sehr geöffnet und beobachten ganz genau, was hier in den letzten Monaten passiert ist und was in den nächsten Monaten auf dem Platz passiert", sagte Sportdirektor Michael Zorc in Salzburg. Kein Zweifel: Stöger arbeitet auf Bewährung.

Quelle: RP
 
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