1. Bundesliga 17/18
| 21.21 Uhr

Comeback beim BVB nach Anschlag
Emotionale Rückkehr von Bartra

Bartra weint nach Comeback beim BVB
Bartra weint nach Comeback beim BVB FOTO: afp
Dortmund. Borussia Dortmund hat sich an einem Tag voller Emotionen direkt für die Champions League qualifiziert. Für den Pokalsieg wollen sich alle ein letztes Mal zusammenreißen.

Marc Bartra stand allein vor der tosenden Südtribüne und weinte. Trotzig reckte der Spanier den Fans nach dem episch-verrückten Millionenspiel seinen gelb geschienten Arm entgegen, Thomas Tuchel kam angestürmt und drückte ihm im Überschwang einen Schmatzer auf die Wange. Dazu dirigierte Torschützenkönig Pierre-Emerick Aubameyang den Tanz der Sieger. Es könnte alles so schön sein bei Borussia Dortmund - ist es aber nicht.

Noch absurder erscheint nach diesem so ekstatisch bejubelten 4:3 (2:1) im Endspiel um die direkte Champions-League-Teilnahme gegen Werder Bremen, dass es wahrscheinlich Tuchels letztes Heimspiel als BVB-Trainer gewesen ist. Weil sich die Verantwortlichen der Schwarz-Gelben nicht mehr annähernd grün sind - trotz des Erfolgs und einer exzellenten Chance auf den DFB-Pokal-Sieg am kommenden Wochenende.

Aubameyang sichert sich mit 31 Treffern die Torjägerkanone FOTO: afp

Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und sein unbequemer Trainer nahmen sich immerhin kurz und kaufmännisch in den Arm, begleitet von beiderseitigem leichten Rückenklopfen. "Na klar umarmen wir uns. Aki fiebert da oben ja schließlich auch heftig mit", sagte Tuchel, ohne auf die tiefen Risse im Verhältnis einzugehen: "Dass ich große Lust auf eine weitere Saison hier habe, steht außer Frage." Dazu wird es wohl nicht kommen.

Und Watzke? Lehnte Interview-Wünsche ab. Die Fassade professioneller Einigkeit soll mit aller Kraft hochgedrückt werden, um den Pokalsieg nicht zu gefährden. "Wir haben zwei Saisonziele mit einem Spiel erreicht", sagte Tuchel und meinte neben dem dritten Tabellenplatz die alleinige Torjägerkanone für Aubameyang: "Das dritte steht noch aus."

Der Trainer nannte die letzten Minuten eines wüsten, beinahe chaotischen Spiels ohne jede Fessel "unglaublich emotional", es sei wahrlich eine "wilde Fahrt" gewesen. Dies trifft noch mehr auf die gesamte Saison zu, die bei allen schweren Verletzungen, heftigen Zerwürfnissen und anderen Störungen vom schockierenden Bomben-Anschlag auf den Mannschaftsbus am 11. April überschattet wurde.

39 Tage danach stand Bartra um 15.30 Uhr entgegen der Ankündigung auf dem Aufstellungsbogen plötzlich in der Startelf, weil sich sein Kapitän Marcel Schmelzer beim Aufwärmen verletzt hatte. Er löste seine Aufgabe ordentlich, doch die Gefühle machten ihm zu schaffen. "Nach allem, was passiert ist, war es ein sehr emotionales Spiel für mich", sagte der Spanier mit stockender Stimme. Nach dem Abpfiff ließ er sich feiern und verneigte sich sich tief vor seinen applaudierenden Mitspielern. "Das war etwas sehr Besonderes", sagte Tuchel, "ein ganz besonderes Bild."

Als Bartra gegen 18.30 Uhr mit seiner Tochter Gala auf dem Arm hinweg schlenderte, habe es sich angefühlt, "als sei ein Kreislauf geschlossen", berichtete der gerührte Trainer. "Ich habe Marc vorher ja im Arm gehalten."

Aubameyang wurde vom spindeldürren Tuchel gar schwungvoll in die Luft gehoben. Mit zwei Treffern, seinen Saiontoren 30 und 31, hatte der Gabuner tatsächlich noch Robert Lewandowski ("Der beste Stürmer der Welt") vom großen Rivalen Bayern München überflügelt. Er präsentierte den Fans die Kanone mit Tränen in den Augen.

Über seine Zukunft, sagte Aubameyang, "werde ich nach dem Finale entscheiden. Ich werde mit dem Klub sprechen." Dies wäre angesichts seines Vertrages bis 2020 kaum nötig, würde er nicht wechseln wollen.

Tuchel gab ihm noch einen Auftrag: "In Berlin darf er gerne noch mal treffen."

(sid)
 
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