1. Bundesliga 17/18
| 13.59 Uhr

Trainer immer mehr in der Kritik
Die BVB-Fans sägen schon an Bosz' Stuhl

Dortmund/Düsseldorf. Bei Borussia Dortmund hängt der Haussegen mächtig schief. Der BVB hat innerhalb von gerade einmal vier Spielen unglaubliche elf Punkte auf den FC Bayern verloren, hechelt dem Rekordmeister nun bereits sechs Punkte hinterher. Trainer Peter Bosz sieht sich heftiger Kritik ausgesetzt.  Von Denis Canalp

Die Dortmunder zeigen in dieser Saison nicht nur ein Gesicht. Berauschende Auftritte wie beim 5:0 über den 1. FC Köln und beim 6:1 über Borussia Mönchengladbach, mit denen die Schwarz-Gelben in den ersten Spielen der Bundesliga zum vermeintlichen Titelfavoriten avancierten, geraten mehr und mehr in Vergessenheit. Nach den vergangenen vier Bundesliga-Spielen mit nur einem Punkt und zwölf Gegentoren ist die Euphorie verflogen. Es herrscht stattdessen Krisenstimmung beim BVB.

Das ist Peter Bosz FOTO: dpa, vge nic

Wenn selbst Hans-Joachim Watzke dieses Krisengerede nicht mehr abwehrt, das er vor zwei Wochen noch "krank" nannte, muss die Lage in Dortmund wirklich brenzlig sein. "Es ist eine Situation, die nicht schön ist, die müssen wir annehmen. Dazu müssen wir stehen", gab der Geschäftsführer nach dem 1:3 in München unumwunden zu.

Die Lösungsansätze liegen im spieltaktischen Bereich. Die BVB-Profis waren in München fast immer zu weit von ihren Gegenspielern entfernt. Das sah auch Michael Zorc so: "Die haben uns schön hin- und hergespielt", kritisierte der Sportdirektor. "Wir waren nicht scharf und hart in den Zweikämpfen." Nur Torhüter Roman Bürki und Christian Pulisic nahm Zorc in Schutz: "Christian hatte den Mut, den ich mir mehr erhofft hatte."

Mut, Selbstvertrauen und Form fehlen

Das heißt im Umkehrschluss, dass Zorc bei anderen BVB-Profis Mut, Selbstvertrauen und Form vermisst. Dazu gesellen sich Probleme mit der Taktik. Das zu Beginn der Saison so eindrucksvoll praktizierte Pressing der Dortmunder offenbart immer mehr Schwächen, vor allem im Defensivverbund. Zwar variierte Bosz gegen die Bayern taktisch, ließ seine Mannschaft etwas tiefer verteidigen, doch insgesamt ist die Abwehr mit langen Bällen zu leicht auszuhebeln. Es fehlt die nötige Kompaktheit bei defensivem Umschaltspiel.

Die Abwehr stand gegen die Bayern nicht immer sattelfest, dennoch hatte der BVB seine Chancen im eigenen Stadion. Doch vor allem das fahrlässige Auslassen von Großchancen trug dazu bei, dass der BVB erstmals seit über zweieinhalb Jahren zwei Bundesligaspiele in Serie verlor. Es passte ins Bild von der anhaltenden Talfahrt, dass auch Pierre-Emerick Aubameyang erneut daran beteiligt war. Seit mittlerweile fünf Spielen ist der Bundesliga-Torschützenkönig der vergangenen Saison ohne Treffer. 

Doch bei den BVB-Fans steht vor allem Bosz in der Kritik. Ihm wird vorgeworfen, zu stur an seinem kompromisslosen Offensivfußball festzuhalten und die Abwehr nicht gut zu organisieren. Zudem wird sein Umgang mit den Niederlagen in den Medien kritisiert. Plattitüden wie "So ein Spiel müssen wir als Borussia Dortmund gewinnen", kann kein BVB-Anhänger mehr ertragen. Nicht wenige Fans fordern in den sozialen Netzwerken unverhohlen die vorzeitige Ablösung des erst im Sommer von Ajax Amsterdam verpflichteten Übungsleiters.

Derby gegen Schalke auf Augenhöhe

"Die Stimmung ist nicht gut in Dortmund", hatte Zorc richtigerweise schon vor Spielbeginn festgestellt. Durch die Niederlage wurde sie nicht besser, obwohl die Fans aufmunternden Applaus spendeten. Erst recht nicht durch den Blick auf die Bundesliga-Tabelle. Borussia Dortmund: 20 Punkte, Schalke 04: auch 20 Punkte! Das nächste BVB-Heimspiel ist das Revierderby. Für Bosz könnte das Derby sogar schon zu einem kleinen Endspiel um den Job werden, obwohl er noch die komplette Rückendeckung der BVB-Bosse Watzke und Zorc besitzt. Doch die explosive Stimmung im Umfeld der Schwarz-Gelben ist nicht zu unterschätzen. Bosz braucht jetzt vor allem Ergebnisse. 

Auch ein Blick zurück hilft dem Niederländer nicht. In der vergangenen Saison hatte der BVB nach elf Spielen gerade einmal ein Pünktchen mehr auf dem Konto, allerdings stellte sich die Stimmungslage vor einem Jahr gänzlich anders dar, weil Bosz' Vorgänger Thomas Tuchel 16/17 am 11. Spieltag sein Heimspiel gegen den FC Bayern 1:0 gewann und so den Abstand auf den Rekordmeister damals verkürzen konnte.

An einen Angriff auf die Bayern denkt derzeit in Dortmund wohl kaum noch jemand. Dennoch hoffen natürlich alle Beteiligten inständig, dass die nun anstehende Länderspielpause zur Trendwende beiträgt. "Wir haben in der letzten Länderspielpause unsere Form verloren", sagt auch Bosz, "in dieser müssen wir sie wiederfinden!" Die letzte Saisonunterbrechung Anfang Oktober spricht jedoch dagegen. Danach folgte der BVB-Absturz. 

(mit SID-Material)
 
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