1. Bundesliga 17/18
| 09.47 Uhr

Dortmund und der kuriose Transfermarkt
Fressen und gefressen werden

Borussia Dortmund: Fressen und gefressen werden
In der Welt des Kult-Videospiels Pac-Man ist der BVB der Protagonist, der sich Talente (gelbe Punkte) einverleibt, aber vor den Gespenstern der ganz großen Klubs aufpassen muss, die wiederum ihn und seine Stars verfolgen. FOTO: RP/Zörner
Dortmund. Das Hickhack um den möglichen Abgang von Ousmane Dembélé und Pierre-Emerick Aubameyang führt dem BVB schmerzlich vor Augen, dass er auf dem Transfermarkt noch immer nicht am Ende der Nahrungskette angekommen ist. Von Stefan Klüttermann

Wer wissen möchte, wie stark die Suspendierung des akut zum FC Barcelona wechselwilligen Ousmane Dembélé sowie die allwöchentlichen Nachrichten über einen wahlweise nach Paris, Mailand oder China wechselwilligen Pierre-Emerick Aubameyang die Welt von Borussia Dortmund erschüttern, für den lohnt ein Blick auf die gestrige Meldung zu Christian Pulisic.

Der US-Nationalspieler ist 18 und gilt als großes Talent, mehr nicht. Anfang des Jahres verlängerte der Offensivspieler seinen Vertrag beim BVB bis 2020. Nun sagte er der "Sport-Bild" – wenig überraschend, mag man denken – "Klipp und klar: Ich denke nicht über einen Vereinswechsel nach." Pulisic sagte das aber, weil der FC Liverpool ziemlich konkret über ihn nachgedacht haben soll. So taugte das Bekenntnis eines 18-Jährigen zu einem gültigen Arbeitspapier unterm Strich zum großen Aufatmen an der B1.

Denn das Hickhack um Stars auf dem Absprung verursacht eine tiefgehende Betrübnis bei den Dortmundern. Es führt ihnen fast alljährlich schmerzhaft vor Augen, dass sie auf dem Transfermarkt noch immer nicht am Ende der Nahrungskette angekommen sind. 

Schwarz-Gelb misst sich zwar jede Saison mit den Branchengrößten in der Champions League und ist auch anerkannter Dauerrivale der Bayern, man spielt vor der größten Kulisse Europas, ist börsennotiert und investiert selbst auch beachtliche Millionenbeträge in Zugänge - und doch muss man machtlos mitansehen, dass ein Dembélé mit 20 Jahren in einen bockigen Streik tritt, weil ihm das Interesse aus Barcelona den Kopf verdreht.

"Wir müssen der Mannschaft mit Verstärkungen helfen – und diese werden in den kommenden Tagen bei uns sein", sagte Barca-Manager Pep Segura nach der Niederlage im Supercup-Rückspiel gegen Rekordmeister Real Madrid (0:2) am Mittwoch: "Wir haben die Bedingungen für einen Transfer von Philippe Coutinho und Dembélé diskutiert. Wir sind nahe dran. Wir hoffen, dass beide in der kommenden Saison für Barcelona spielen."

In der Geschichte von "Fressen und gefressen werden" findet der BVB deutlich mehr Vereine, in deren Revier er erfolgreich Talente jagt, aber es gibt eben weiterhin Jäger, die genauso erfolgreich Jagd auf Stars im Trikot der Borussen machen.

Im Vorjahr hatte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke mit Blick auf die umworbenen Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Henrikh Mkhitaryan versichert, es sei "völlig ausgeschlossen, dass alle drei nächstes Jahr nicht für Borussia Dortmund spielen". Am Ende wechselte Hummels zu den Bayern, Gündogan zu Manchester City und Mkhitaryan zu Manchester United. Torjäger Robert Lewandowski war bereits 2014 dem Werben aus München erlegen - aller "Echten Liebe" zum Trotz. Aber was hindert Dortmund daran, ans Ende der Nahrungskette vorzustoßen? Vor allem drei Gründe.

Das Geld Aubameyang verdient in Dortmund dem Vernehmen nach vier Millionen Euro. Aber was, wenn der Gabuner woanders das Doppelte, das Dreifache, ja noch mehr verdienen kann? Wie soll der BVB mithalten, wenn Vereine wie Paris St. Germain oder Manchester City ungeachtet des Financial Fair Play exorbitante Ablösesummen bieten und exorbitante Gehälter aufrufen, an denen Berater gewaltig mitverdienen können?

Das Renommee Dortmund-Fans werden dem natürlich vehement widersprechen, aber Real Madrid, der FC Barcelona, der FC Bayern oder Manchester United haben nach wie vor einen anderen Klang und bieten in der Vita eines Profis noch einmal ganz andere Aussichten auf den Gewinn eines internationalen Titels.

Die Lebensqualität Dortmund hat bestimmt viele lebenswerte Ecken, aber kann die Stadt wirklich mithalten, wenn Barcelona, Madrid, Paris, Mailand oder München als Wohnort zur Wahl stehen? Kaum ein Spieler wird den Faktor Lebensqualität bei der Entscheidung an erster Stelle berücksichtigen, seine Familie vielleicht aber schon. Und der Wille der Familie ist in vielen Fällen einer, der durchaus ins Gewicht fällt.

Geld, Renommee und Lebensqualität - es sind drei Stellschrauben, an denen der BVB nur bis zu einem endlichen Grad drehen kann, um Stars zum Bleiben zu bewegen. Das Werben um Dembélé scheint derweil verloren: Die Quote für einen Wechsel nach Barcelona lag bei einem Wettanbieter gestern nur noch bei 1,1.

Quelle: RP
 
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