1. Bundesliga 17/18
| 15.45 Uhr

BVB will in der Rückrunde angreifen
Hoffen auf Reus und Paradiesvogel Aubameyang

Die Verletzungshistorie von Marco Reus
Die Verletzungshistorie von Marco Reus
Dortmund. Borussia Dortmund ist die Hoffnung auf eine unterhaltsamere Bundesliga-Rückrunde. Während Pechvogel Marco Reus am nächsten Comeback schraubt, produziert Paradiesvogel Pierre-Emerick Aubameyang Schlagzeilen. Von Robert Peters

Den größten Unterhaltungswert hatte wieder mal Pierre-Emerick Aubameyang. Der Freund auffälliger Fußballschuhe, rasend schneller Autos, bemerkenswerter Frisuren und fröhlicher Oberbekleidung bot im Trainingslager von Borussia Dortmund nicht nur wegen neuerlicher Transfergerüchte Gesprächsstoff.

Während vermeintliche Wechselambitionen nach China inzwischen vom BVB und aus dem Reich der Mitte dementiert wurden, sorgte Aubameyang zumindest in einer Hinsicht für eine Bestleistung. Er quartierte Vater und Bruder im Mannschaftshotel ein. Das hat vor ihm in den vergangenen Jahren noch keiner geschafft. Öffentlich erwähnenswert fanden es die Dortmunder Führungskräfte nicht.

Das hängt vor allem mit Aubameyangs sportlicher Bedeutung zusammen. Der BVB verspricht sich von seinen Toren eine deutlich bessere zweite Hälfte der Saison. Und ganz Deutschland - mit Ausnahme der starken Bayern-Fraktion - hofft, dass der BVB den Abstand zum enteilten Bald-schon-wieder-Meister ein wenig verkürzen kann.

Dabei soll auch Marco Reus wieder eine entscheidende Rolle spielen. Der Nationalspieler kehrt spätestens Anfang Februar aus der nächsten langen Verletzungspause zurück ins Team. Für den Stürmer geht es zum einen darum, seine Mannschaft in die Nähe der eigenen Ansprüche zu bringen. Zum anderen träumt er davon, erstmals seit 2012 ein großes internationales Turnier als Teil der deutschen Nationalmannschaft zu erleben. 2014 verletzte er sich im letzten Test vor dem WM-Turnier in Brasilien. 2016 wurde er nach einer Blessur aus dem Pokalfinale gegen Bayern München nicht rechtzeitig fit für die EM in Frankreich.

Fast schon verwunderlich, dass Reus ein positives Kerlchen bleibt. "Mir geht es gut", sagte er im Trainingslager im spanischen Marbella, "es läuft alles nach Plan. Es spricht nichts dagegen, dass ich der Mannschaft sofort helfen kann. Ich bin von mir überzeugt." Im mentalen Bereich, der seit dem frühen Boris Becker seine Bedeutung in allen Diskussionen über Leistungssportler hat, ist Reus offenbar völlig austrainiert.

Die Dortmunder Chancen auf Platz zwei wird ein gesunder Reus nicht schmälern, das steht fest. Immerhin spricht sein Trainer von der Vizemeisterschaft - allerdings mit größter Zurückhaltung. "Wenn wir am Ende Zweiter werden und im Europapokal sehr weit kommen, wären viele Menschen glücklich, glaube ich", erklärte Peter Stöger.

Erneut geht es nur noch um eine Meisterschaft hinter den Bayern, die in einem eigenen Fußballkosmos unterwegs sind. Stöger redet gar nicht erst über die Münchner. Clemens Tönnies, als Aufsichtsratschef der starke Mann beim Zweiten Schalke, betonte: "Bayern soll jagen, wer will." Und der Leipziger Coach Ralph Hasenhüttl, immerhin oberster Übungsleiter beim Vizemeister von 2017, stellte fest: "Es ist nicht die Aufgabe von RB Leipzig, sich Gedanken zu machen, wie man die Lücke zum FC Bayern schließt. Da gibt es andere Vereine, die mehr Möglichkeiten haben als wir." Wer das denn sei, hat er nicht verraten.

Tatsächlich ist Deutschlands höchste Spielklasse in der Hinrunde der Saison 2017/18 eine Liga der Mittelmäßigen gewesen. Hinter München kommt lange nichts, vor dem Tabellenletzten Köln kommt ebenfalls lange nichts. Auf den Zweiten Schalke (30 Punkte) folgen vier Teams mit 28 Punkten, der Abstand von Platz elf (Hannover), der noch zum Blick Richtung Europa berechtigt, und der Abstiegszone beträgt vier Zähler.

Die bescheidenen Unterschiede bei den Punkten offenbarten sich in der ersten Saisonhälfte auch auf dem Platz. Nie war es so wahr, wenn behauptet wurde, dass jeder jeden schlagen kann in dieser Spielklasse (immer jeweils ausgenommen: Bayern und Köln). Optimisten nehmen das als Beweis für allgemein gewachsene Qualität. Es gilt aber auch die Schlussfolgerung, dass zwar in so manchem finanziell nicht so begüterten Klub sehr solide Arbeit abgeliefert wird, dafür in so manch anderem Klub der Aufwand in keinem vernünftigen Verhältnis zum Ertrag steht.

Neben den Dortmundern, die nach glänzendem Start ziemlich von der Rolle gerieten, haben Wolfsburg und Hamburg das größte Wiedergutmachungspotenzial. Und es bleibt ja ein Trost: Der wie in der Vergangenheit zähe Wettlauf um die Plätze in Europa erhält einen Hauch von Spannung.

Quelle: RP
 
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