1. Bundesliga 17/18
| 10.20 Uhr

Mögliche Bosz-Nachfolge im Visier
Dortmunds Plan mit Veh und Nagelsmann

Das ist Julian Nagelsmann
Das ist Julian Nagelsmann FOTO: dpa, ua nic
Dortmund. Die Spekulationen um einen Trainerwechsel beim BVB reißen nicht ab. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung sollen die Dortmunder mit Armin Veh als möglichem Interimstrainer planen - und Julian Nagelsmann zur neuen Saison übernehmen. Von Tim Specks

Hans-Joachim Watzke hat mit Sicherheit schon ruhigere Tage erlebt. Der Geschäftsführer des BVB hat es aber auch nicht leicht in diesen Tagen: Seine Borussia läuft den eigenen Ansprüchen weiter meilenweit hinterher, am Wochenende setzte es die gefühlte Derbyniederlage gegen Schalke 04. Und dann musste der BVB-Boss auch noch keine 24 Stunden nach dem 4:4 gegen den Erzrivalen auf der Mitgliederversammlung erklären, wie die Dortmunder wieder in die Erfolgsspur zurückfinden sollen. Sein Appell richtete sich vor allem an Trainer Peter Bosz. "Ich habe die klare Erwartung an dich, Peter, dass ihr in dieser Woche alles auf den Prüfstand stellt, jeden Stein umdreht. Wir müssen wieder ganz schnell zurück in die Erfolgsspur. Die Champions-League-Qualifikation steht über allem", sagte Watzke. Es könnte der letzte große Appell an den Niederländer gewesen sein.

Nicht erst seit dem schmerzlich aus der Hand gegebenen Derbysieg steht der vor der Saison von Ajax Amsterdam verpflichtete Bosz in der Kritik. Überrannte der BVB an den ersten Bundesligaspieltagen quasi jeden Gegner, hat sich das auf totale Offensive ausgelegte Boszsche System längst gegen den BVB gedreht: Statt durch begeisternden Angriffsfußball fallen die Schwarz-gelben längst durch defensive Anfälligkeit auf. Die primären Konsequenzen: In der Champions League ist der BVB längst ausgeschieden, in der Bundesliga aus den anvisierten Champions-League-Plätzen gefallen. Die sekundäre Konsequenz: Trainer Bosz steht seit Wochen gefühlt kurz vor der Entlassung.

Sollte es tatsächlich so weit kommen, scheinen Watzke und seine Kollegen in der Führungsetage schon mögliche Szenarien für den weiteren Verlauf in der Schublade liegen zu haben. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, sollen sie Armin Veh als möglichen Nachfolger Boszs ins Auge gefasst haben. Der Plan demnach: Veh soll bis zum Saisonende als Interimscoach übernehmen - um den Trainerposten dann Julian Nagelsmann zu überlassen.

Auf den ersten Blick scheint dieses Szenaro gar nicht abwegig. Sollte es tatsächlich zum großen Knall kommen, dürften die BVB-Bosse einen Coach suchen, der die üblichen Interimstrainer-Qualitäten mit sich bringt: Er kennt die Bundesliga, spricht Deutsch und kann eine Mannschaft kurzfristig wieder in die Erfolgsspur führen. Über die ersten beiden verfügt Veh zweifellos, die dritte Kompetenz müsste Veh, eigentlich nicht als Feuerwehrmann bekannt, jedoch erst noch unter Beweis stellen.

Porträt: Armin Veh - Meistertrainer und FC-Sportchef FOTO: dpa, brx jhe

Und dann bliebe ja noch die Personalie Nagelsmann. Auch hier gilt: Auf den ersten Blick denkbar, auf den zweiten schon weniger. Grundsätzlich hat der BVB mit dem Modell "junger, talentierte Trainer" schon einmal ganz gut gelegen: Unter Bosz Vorgänger Thomas Tuchel legte der BVB immerhin den bislang Besten Punkteschnitt in Erstligaspielen (2,09) hin. Auch dürfte Nagelsmann bei einer Offerte aus Dortmund zumindest ins Grübeln kommen - wäre da nicht das seit Monaten kolportierte Interesse des FC Bayern München. Was gab es diesbezüglich schon an Geschichten - Nagelsmann baut ein Haus in München, er saß schon in einer roten Jacke in der Allianz Arena und gab sogar schon unumwunden zu, der FC Bayern würde ihn "ein Stück glücklicher machen."

Im Fall Nagelsmann spielen demnach zwei Faktoren eine Rolle. Zunächst einmal müsste die TSG Hoffenheim bereit sein, ihren Trainer, dessen Vertrag noch bis zum 30. Juni 2021 läuft, ziehen zu lassen. Dass er den langfristigen Kontrakt im Kraichgau jedoch tatsächlich erfüllt, scheint schon allein ob der auf ihn angestimmten Lobeshymnen von allerorten her fraglich. Der zweite - und somit wohl entscheidende - Faktor also dürfte Nagelsmanns eigene Planung betreffen: Sieht er seine Zukunft in München, in Dortmund - oder gar woanders? Die Antwort darauf kennt wohl nur der 30-Jährige selbst. Tendenziell aber dürfte - zwei tatsächliche Angebote vorausgesetzt - sein Weg eher gen Bayern führen, denn in den Ruhrpott. Doch wollen ihn die Bayern überhaupt im Sommer? Oder würde der Zwischenschritt Dortmund perfekt in Nagelsmanns Lebenslauf passen und letzte Zweifel in München ausräumen? Es bleiben derzeit noch viele Fragen offen.

Trainer Bosz bleibt im Amt - vorerst FOTO: dpa, bt jhe

Wie auch immer die BVB-Bosse verfahren wollen, wie auch immer sich der mögliche Nachfolgekandidat Nagelsmann entscheidet - am Samstag bekommt erst einmal Bosz die nächste Chance, seine Position wieder etwas zu stärken. Es gibt allerdings derzeit leichtere Aufgaben als die bei Bayer 04 Leverkusen - auch für Bosz dürfte es also schon ruhigere Tage gegeben haben.

 
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