1. Bundesliga 17/18
| 10.37 Uhr

Unruhe bei Borussia Dortmund
Jetzt macht Aubameyang wieder Theater

Borussia Dortmund kommt nicht zur Ruhe – Ärger um Pierre-Emerick Aubameyang
Pierre-Emerick Aubameyang und Ousmane Dembélé beim gemeinsamen Torjubel für Borussia Dortmund. FOTO: dpa, jai soe nic
Dortmund. Borussia Dortmund kommt eine Woche vor dem Bundesliga-Start einfach nicht zur Ruhe. Der von Barcelona umworbene Ousmane Dembélé tritt erst in den Trainingsstreik, wird dann suspendiert. Und jetzt macht auch Pierre-Emerick Aubameyang wieder Ärger. Von Denis Canalp

Am Samstag noch hatte der Torschützenkönig der abgelaufenen Saison beim Pokal-Erstrundensieg über den FC Rielasingen-Arlen in Abwesenheit von Dembélé drei Treffer erzielt und sich in der Liste der treffsichersten Ausländer der BVB-Historie mit 124 Treffern vor den Schweizer Stephane Chapuisat aud Platz eins katapultiert. Alles gut? Eher nicht, denn es brodelt intern bei den Schwarz-Gelben. Nach dem 4:0 wurde dies bei einem Interview Aubameyangs deutlich, als dieser ein klares Bekenntnis zu Borussia Dortmund verweigerte. "Es ist eine schwierige Situation. Wir werden sehen was passiert, ich kann im Moment nichts sagen", antwortete er auf die Frage, ob er die kommende Saison für Dortmund spielen werde.

Selbstverständlich vertritt man in Dortmund in Person von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc die Meinung, dass ein Bekenntnis zu Schwarz-Gelb und der proklamierten "Echten Liebe" gar nicht nötig sei. Schließlich hatte die Dortmunder Führungsriege Diskussionen um die Zukunft Aubameyangs, dem ein unmoralisches Angebot aus China vorgelegen haben soll, schon vor Wochen für beendet erklärt. Doch Watzke und Zorc haben die Rechnung offenbar ohne den Angreifer gemacht, der am Samstagabend auf Instagram sogar noch nachlegte.

Aubameyang flirtet mit Milan

Bei einer Fragestunde mit Fans antwortete Aubameyang auf eine mögliche Rückkehr zum AC Mailand angesprochen: "Ich möchte zurück, aber die Verantwortlichen schlafen. Was soll ich tun?" Diese Aussagen verwundern die Dortmunder Führungsetage. Zumal auch – anders als bei Dembélé – gar kein Angebot für Aubameyang vorliegt. Das Thema liegt allerdings längst wieder auf dem Tisch. Der Angreifer demonstriert öffentlich seine Unzufriedenheit – für den BVB ein Thema zur absoluten Unzeit, mitten im Krach um und mit Dembélé.

Doch der Zeitpunkt ist kein Zufall. Aubameyang pflegt ein enges Verhältnis zu Dembélé, half dem jungen Franzosen bei der Eingewöhnung in Deutschland und gilt als besondere Bezugsperson für Dembélé. Und von den fußballerischen Vorzügen des Kollegen ist der Torjäger ohnehin überzeugt. "Wenn man ihn spielen sieht, spürt man die Magie des Fußballs", sagte er zuletzt über den Flügelflitzer. Klar ist: Aubameyang steht einem Verkauf Dembélés mehr als skeptisch gegenüber.

Der BVB ist aber nicht gewillt, Aubameyang ebenfalls zu verkaufen. Anders als bei Dembélé gibt es für den Torschützenkönig auch keine Schmerzgrenze. Zudem sieht man sich nach dem Dreierpack im Pokal beim BVB im Glauben an Aubameyangs Professionalität bestätigt. Aubameyang, so die interne Annahme, werde sich schon wieder beruhigen und weiter Leistung bringen. Der Gabuner nervt die Verantwortlichen zwar latent mit seinen Wechselandeutungen, trat jedoch noch nie in den Trainingsstreik. Als er einmal nach einem privaten Ausflug in seine alte Heimat Mailand verspätet nach Dortmund zurückkehrte, akzeptierte er die Geldstrafe und Suspendierung für ein Spiel in der Champions League ohne zu murren. Danach traf er in bewährter Manier weiter.

Dembélé spricht nicht mehr mit dem BVB

Bei Dembélé sind die charakterlichen Zweifel der BVB-Bosse wohl größer – und offenbar auch begründet. Die Dortmunder erinnern sich wahrscheinlich gerade daran, dass der 20-Jährige vor zwei Jahren seinen Wechsel von Stade Rennes zu Red Bull Salzburg auf ähnliche Art und Weise erzwingen wollte. Laut "Bild" verlangt der BVB eine Entschuldigung Dembélés bei allen Beteiligten für sein vereinsschädigendes Verhalten zuletzt. Ob es zu dieser Entschuldigung jedoch jemals kommen wird, ist unwahrscheinlich. Dem Bericht zufolge spricht der französische Mittelfeldspieler nicht mehr direkt mit dem Klub, sondern kommuniziert nur noch über einen Mittelsmann. Das Tischtuch zwischen beiden Parteien scheint endgültig zerrissen. Dembélés Wechsel zum FC Barcelona gilt als sicher.

Bleibt aus Dortmunder Sicht zu hoffen, dass sie nicht auch noch Aubameyang kurz vor dem Saisonstart verlieren. Zwei Ausnahmespieler dieser Kategorie könnte der BVB keinesfalls adäquat ersetzen. Doch auch ein Bleiben Aubameyangs birgt Risiken. Was macht der BVB, wenn Aubameyang seiner Unzufriedenheit freien Lauf lässt und sich auf dem Platz nicht mehr so professionell verhält wie noch am Wochenende? Beim BVB, der eigentlich durch den Trainerwechsel von Thomas Tuchel zu Peter Bosz Harmonie im Pott erzeugen wollte, bleibt es unruhig. Und dieser Zustand könnte die Schwarz-Gelben noch ein ganzes Weilchen begleiten.

 
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