1. Bundesliga 17/18
| 14.49 Uhr

Borussia Dortmund
Bartras Sieg über die Angst

Dortmund. Marc Bartra ist bei Borussia Dortmund zurück im Mannschaftstraining - rund vier Wochen nach seiner schweren Verletzung beim Sprengstoff-Anschlag am 11 April.

Bartra dribbelt lachend im Sonnenschein, der TV-Kamera schenkt er aus der Drehung ein filmreifes Augenzwinkern. Nur eine Schiene am rechten Unterarm, die eine fünf Zentimeter lange Operationsnarbe verdeckt, erinnert beim Innenverteidiger von Borussia Dortmund äußerlich noch an die schrecklichen Stunden nach dem Bomben-Anschlag vom 11. April.

"Wenn ich einen Ball sehe", sagt der Spanier mit Glanz in den Augen, "dann vergesse ich alles um mich herum. Ich habe so viel Lust zu laufen, zu trainieren, zu verteidigen und mit meinen Mitspielern zusammen zu sein wie nie zuvor." Dann sagt er, er danke dem Herrn für seine schnelle Rückkehr ins Mannschaftstraining.

Selbstverständlich ist vier Wochen nach dem Anschlag nicht alles gut. "Der Schmerz, die Panik, die Unsicherheit, das war das Schlimmste in meinem ganzen Leben", berichtet er. Jedoch scheint dieser Marc Bartra, das zeigt sich auch am Donnerstag, ein Gemüt zu besitzen, das es ihm ermöglicht, bewundernswert mit den psychischen Folgen einer Attacke auf sein Leben umzugehen.

"Es ist eine Situation, wie ich sie noch nie erlebt hatte", sagt der 26-Jährige, "und man weiß nicht, wie man sich verhält, ob man danach ängstlicher ist oder nicht." Er ist es nicht: "Ich freue mich mehr denn je." Es ist sein Sieg über die Angst.

Zwischen Kreisspiel und Pass-Übungen zwickt es noch im Arm, in dem sich nach dem Anschlag Einsprengsel befanden. Aber "dem Arm geht es gut", sagt Bartra. "Der Arzt hat mir direkt gesagt, dass der Knochen durch die Explosion und die Splitter gebrochen ist." Aber alles andere, "die Sehnen und Bänder, waren zum Glück nicht betroffen".

Der Spanier hat weltweite Anteilnahme erfahren, das mag geholfen haben. Sogar in Japan hielten Fans bei einem Ligaspiel sein Trikot mit der schwarzen Fünf in die Höhe. Umgehend schauten alte Freunde vom FC Barcelona vorbei, der BVB hilft sowieso, wie und wo er nur kann. Bartras Ehefrau Melissa und die gemeinsame Tochter Gala sind in diesen Tagen aber die wichtigste Stütze: "Sie sind mein ein und alles, der Grund, aus dem ich kämpfe."

Und er spricht bereits wieder über sportliche Ziele. "Hoffentlich kann ich diese oder die kommende Woche im Kader stehen und der Mannschaft helfen." Sein Ziel ist das DFB-Pokal-Finale am 27. Mai: "Nach all den Titeln, die ich mit dem FC Barcelona gewonnen haben, kann ich in meinem ersten Jahr in Dortmund einen Pokal holen."

Bartra weiß um die Symbolkraft dieser Geschichte. "Das ist das, was mir gefällt und was die ganze Welt möchte." Sie will das Märchen - den Mann, der schwer verletzt wurde, jubeln sehen.

In den sozialen Netzwerken hat Marc Bartra kurz nach dem Anschlag seine Lebenseinstellung verbreitet: "Verliere niemals dein Lächeln! Nie, nie, nie." Es ist ihm gelungen.

(sid)
 
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