1. Bundesliga 16/17
| 15.12 Uhr

BVB-Kapitän Hummels
"Ich kenne kaum jemanden, der selbstkritischer ist als ich"

Fotos: Frauenschwarm, Abwehrchef, Weltmeister
Fotos: Frauenschwarm, Abwehrchef, Weltmeister FOTO: dpa, jhe
Dortmund. Borussia Dortmunds Kapitän Mats Hummels saß am Sonntag gegen Stuttgart 80 Minuten auf der Bank. Der Weltmeister hatte zuletzt ziemlich polarisiert.

Es war Thomas Tuchel offenbar ein inneres Bedürfnis, für Klarheit zu sorgen. "Dass Mats heute zunächst auf der Bank saß, war eine geplante Maßnahme zur Belastungssteuerung. So wie wir es bei anderen Spielern zuvor auch gemacht haben", sagte der Coach von Borussia Dortmund. Weltmeister Mats Hummels, nach zuletzt einigen Patzern und öffentlicher Kritik aus der Schusslinie zu nehmen, war nicht die Intention.

Zum zweiten Mal in den bisher 25 Pflichtspielen der laufenden Saison nach dem Europa-League-Auftritt bei PAOK Saloniki (1:1/1. Oktober) stand der BVB-Kapitän nicht in der Startelf. Beim 4:1 gegen Stuttgart wurde der Innenverteidiger in der 80. Minute eingewechselt. "Es ist ein gutes Gefühl in der Schlussphase so viel Qualität einwechseln zu können", so Tuchel.

Kein Wunder, dass eine derartige Maßnahme zum jetzigen Zeitpunkt Spekulationen um Missstimmung und Missverständnisse schürt. Hummels, der sich wegen der Kritik in den Medien ein siebenwöchiges Schweigegelübde auferlegt hatte, schilderte in einem Interview im kicker sein Verhältnis zu Tuchel: "Wir haben überhaupt keine Probleme miteinander. Wir können uns Dinge offen sagen, und das werden wir auch weiter machen."

Pechvogel Hummels erzielt Eigentor FOTO: dpa, chc lof

Dafür stand er mit den Pressevertretern auf Kriegsfuß. Der Kapitän, ansonsten auch nach der bittersten Niederlage ein kompetenter Gesprächspartner, wurde seinem Status als Führungsperson auf und außerhalb des Platzes zuletzt nicht gerecht. Sein pikierter Rückzug wurde kontrovers diskutiert.

Hummels stellte fest, dass "die mediale Betrachtungsweise meiner Person während der Zeit, in der ich bewusst nichts gesagt habe, keineswegs objektiver wurde. Es ist gefühlt leider noch extremer geworden". Er fühle sich definitiv falsch bewertet und sehe seine Leistung auch besser als manch ein Medium. Schlechte Sachen würden sich einfach besser verkaufen lassen.

Die Vorwürfe, es mangele ihm an Selbstkritik, wollte der 26-Jährige so nicht stehen lassen. "Ich kenne kaum jemanden, der selbstkritischer ist als ich. Ich schaue mir meine Spiele zu Hause noch einmal an. Ich weiß, wann ich Fehler mache, und ich weiß, wann ich keine mache", so der BVB-Kapitän. "Ich habe eigene Fehler immer deutlich angesprochen und werde das weiter so handhaben. Ich ducke mich nicht weg!"

Hummels charakterisiert sich als "manchmal sturköpfig und ein bisschen dickköpfig". Er sei etwas direkter, auch mal zynisch und sarkastisch. Deshalb finde er es auch völlig in Ordnung, das Klub-Boss Hans-Joachim Watzke ihn einst als nicht pflegeleicht beschrieb. Ansonsten sei das Verhältnis zum Klub-Boss "mehr als nur in Ordnung".

Ob ihn die kritische Berichterstattung der vergangenen Monate eventuell daran hindern könnte, den bis 2017 laufenden Vertrag zu verlängern? "Wenn mich die kritische Berichterstattung aus Dortmund vertreiben würde, hätte ich einen Dachschaden", sagte Hummels. Schon im Sommer kursierten Gerüchte um einen Abschied. Tuchel, so heißt es, habe ihn überzeugt zu bleiben.

Hummels ist die Galionsfigur des BVB – oder sollte es sein. Doch muss der Kapitän auch in der Lage sein, dem Wind zu trotzen, der ihm sicherlich nicht das letzte Mal in seine Karriere ins Gesicht geblasen ist.

(sid)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Borussia Dortmund: Mats Hummels – "Ich ducke mich nicht weg!"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.