1. Bundesliga 16/17
| 12.49 Uhr

BVB kassiert in Gladbach schnelles Gegentor
Zorc: "Wir haben doch vorher keine Schlaftabletten verteilt"

Reaktionen: Schaaf: "Es war natürlich nicht so schön"
Reaktionen: Schaaf: "Es war natürlich nicht so schön" FOTO: dpa, pst hak
Mönchengladbach. Die Euphorie nach dem Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals ist verflogen. Borussia Dortmund erlitt in der Bundesliga mit dem 1:3 in Mönchengladbach einen neuen Rückschlag.

Michael Zorc hatte die Nase gestrichen voll. Einen "absoluten Weltrekord" habe er wohl soeben erlebt, mutmaßte der Sportdirektor von Borussia Dortmund mit beißender Ironie. Denn schon zum dritten Mal in dieser Saison kassierte der deutsche Vizemeister in der ersten Spielminute ein Gegentor. Insgesamt passierte dies in der Bundesliga in der laufenden Spielzeit fünfmal.

"Das darf einfach nicht passieren, das ist Schläfrigkeit und sagt viel aus", wetterte Zorc nach der 1:3 (0:2)-Pleite bei Borussia Mönchengladbach. "Wir haben doch vorher keine Schlaftabletten verteilt?"

Gladbach braucht nur 28 Sekunden bis zur Führung

28 Sekunden benötigten die Gladbacher für ihre 1:0-Führung durch Oscar Wendt. Wesentlich schneller war Leverkusens Karim Bellarabi beim Saisonauftakt (neun Sekunden/0:2) in Dortmund. Der Mainzer Elkin Soto benötigte immerhin 53 Sekunden. Zumindest gewann der BVB anschließend noch 4:2.

Wieder einmal waren am Samstag alle taktischen Pläne schon nach wenigen Sekunden über den Haufen geworfen, wieder einmal zeigte die Borussia Schwächen, die Routinier Sebastian Kehl nach seinem letzten Auftritt in Gladbach vor seinem Karriereende als "Rückfall in alte Zeiten", sprich Hinrunde, beschrieb. "Wir wollten einen Schritt nach vorn machen, jetzt müssen wir wieder nach hinten schauen", klagte der 35-Jährige. Kehl lieferte sich mit Trainer Jürgen Klopp in der 82. Minute ein Wortgefecht. "Das war eine Situation, die ich anders gesehen habe als der Trainer. Aber das ist abgehakt", wurde der Routinier in der Bild am Sonntag zitiert.

Von der Europa League sprach beim BVB nach der ernüchternden Vorstellung derweil niemand mehr. Schwarz-Gelb muss sich wieder an unteren Tabellenregionen orientieren und hofft noch zuletzt zwei Niederlagen in Folge auf zwei Siege in den kommenden beiden Heimspielen am Samstag gegen den SC Paderborn und eine Woche später gegen Eintracht Frankfurt.

"Das passt in diese Saison"

Kopfschüttelnd suchte Mats Hummels nach Erklärung. "Das passt in diese Saison", seufzte der Weltmeister. Für das falsche Schuhwerk habe er sich entschieden, sei deshalb ausgerutscht und nehme den ersten Treffer auf seine Kappe: "Wir haben ein richtig schlechtes Spiel gemacht."

Es blieb einer der wenigen Erklärungsversuche. Frustriert schlichen die BVB-Profis aus den Stadion-Katakomben. Von Selbstbewusstsein oder einem Schub nach dem Einzug ins Viertelfinale vier Tage zuvor gegen Hoffenheim (3:2) war nichts mehr zu spüren.

"Wir haben verdient verloren", musste Klopp zugeben. "Der Gegner hat die meisten unserer Fehler genutzt. Wer in Gladbach solche Gegentore bekommt, kann nicht gewinnen." Ähnliche Worte waren schon oft zu hören in dieser Saison, aber dezimieren oder gar abstellen konnte Klopp die Fehler nicht.

Harmlos, statisch, ohne Konzept, Spielkultur und Esprit kreisten die Schwarz-Gelben um den Strafraum, wo die Gastgeber ihre Konter taktisch diszipliniert vorbereiteten. Entlarvend wirkte das 2:0 der Gladbacher durch Raffael (52.) nach einem ungestörten 70-Meter-Spurt von Patrick Herrmann. "Wir machen uns das Spiel selbst kaputt", wetterte Kehl, "und das ist keine Frage des Personals."

Denn der BVB musste unter anderem auf den angeschlagenen Ex-Gladbacher Marco Reus verzichten, der ebenfalls froh sein durfte, wenn die verkorkste Bundesliga-Spielzeit endlich Vergangenheit ist. Zorc gibt sich jedoch kämpferisch: "Ich schmeiße die Saison noch nicht weg."

(sid)
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