1. Bundesliga 17/18
| 21.54 Uhr

Borussia Dortmund
Sahin führt beim BVB wieder Regie

Das ist Nuri Sahin
Das ist Nuri Sahin FOTO: dpa, bt fux hak hpl
Dortmund. Im Sommer ging es für Nuri Sahin um den Fortgang seiner Karriere. Dortmunds neuer Trainer Peter Bosz schenkte ihm Vertrauen und gegen Hertha BSC lieferte der Mittelfeldmann den Nachweis, dass er zur zentralen Figur im Spiel des BVB taugt.  Von Robert Peters, Dortmund

Nuri Sahins rechter Fuß hat bislang keine Berühmtheit erlangt. Der Dortmunder Mittelfeldspieler benötigt ihn, damit er das Gleichgewicht nicht verliert. Die kleineren fußballerischen Aufgaben, die Querpässe, die Rückpässe erledigt er mit rechts, für alle anspruchsvollen Dinge hat er den linken Fuß. Damit streichelt er den Ball und spielt die schwierigen Pässe. Seit dem Bundesligaspiel gegen Hertha BSC muss die Fußballwelt wohl umdenken. Da gelang Sahin mit seinem Standbein per Dropkick ein Traumtor. Es war das 2:0, der verdiente Endstand für die über weite Strecken deutlich bessere  Mannschaft im Samstagabend-Spiel. 

Und es war für Sahin der gerechte Lohn für einen überragenden Auftritt. Sahin war das Zentrum des BVB-Spiels, er bestimmte den Rhythmus und führte sein Team. Diese zentrale Rolle hat der neue Trainer Peter Bosz für den Türken reserviert - zumindest so lange, wie Julian Weigl wegen seiner Verletzung fehlt. 

Vor der Sommerpause hatte es nicht danach ausgesehen, als werde Sahin noch einmal so ein wichtiger Mann für die Dortmunder werden können. Bosz' Vorgänger Thomas Tuchel war kein großer Fan des in der Mannschaft sehr beliebten Mittelfeldspielers. Er demütigte ihn im Pokalfinale, als er ihn nicht einmal ins Aufgebot nahm - offenbar wegen leise kritischer Äußerungen des Fußballers. "Im Sommer", räumte Sahin ein, "ging es um den Fortgang meiner Karriere. Ich bin 29, ich will nicht der Beste, der Wichtigste sein, aber ich muss wissen, dass ich gebraucht werde." In einem Gespräch mit den Funktionären des Klubs und mit dem neuen Trainer wurde ihm signalisiert, dass er gebraucht wird. "Dann hieß es für mich nur noch arbeiten, arbeiten, arbeiten", erklärte Sahin, "und dann genießen. Ich merke, dass ich mein Niveau wieder erreicht habe."

Davon konnte sich gut 80.000 Zuschauer im ehemaligen Westfalenstadion überzeugen. Sahin sorgte mit einem gefühlvollen Flankenball auf Pierre-Emerick Aubameyang dafür, dass die Hertha trotz ihrer defensiven Qualitäten früh erwischt wurde. Die Führung durch den Gabuner gab Dortmund Sicherheit. Und Berlin erinnerte sich erst daran, dass auch in der gegnerischen Hälfte ein Tor steht, als die Geschichte längst entschieden war. Herthas Trainer Pal Dardai fand das nicht furchtbar tragisch. "Die Tore waren unnötig, aber Dortmund war besser", sagte er, "es war nicht grottenschlecht, und wir sind noch am Anfang der Saison."

Deshalb nahm sein Kollege Bosz seinem Team nicht besonders krumm, dass einige der so wesentlichen Kleinigkeiten in ihrem Spiel noch nicht so nach seinem Geschmack waren. "Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, mit unserem Spiel im Ballbesitz noch nicht", sagte er, "wir müssen schneller spielen, um in diesem Fall Nuri Sahin zu erreichen. Er war der freie Mann in unserem Spiel." Es wird noch ein wenig dauern, bis die Borussia die Vorstellungen des Holländers vollends verinnerlicht. Dass in dieser Lehrzeit zwei Bundesligasiege ohne Gegentor gefeiert werden können, erleichtert das bestimmt.

 
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