1. Bundesliga 17/18
| 17.34 Uhr

BVB-Rückspiel in Monaco
Nuri Sahin wird wieder gebraucht

Borussia Dortmund: Nuri Sahin wird wieder gebraucht
Pierre-Emerick Aubameyang jubelt mit Nuri Sahin (rechts). FOTO: dpa, a vge
Dortmund. Nuri Sahin wird in schwierigen Dortmunder Tagen zur wesentlichen Figur. Auch heute im Viertelfinal-Rückspiel in Monaco. Von Robert Peters

2005 wird Angela Merkel Bundeskanzlerin. Fußball-Deutschland stimmt sich im Confederations-Cup schon mal auf die WM im kommenden Jahr ein, die schließlich als Sommermärchen in die Geschichte eingeht. Und in Dortmund geht ein Stern auf. Nuri Sahin macht sein erstes Europapokalspiel, sein erstes Bundesligaspiel und sein erstes Länderspiel für die Türkei. Als er in die Profimannschaft von Borussia Dortmund wechselt, könnte er noch für die B-Jugend auflaufen. Er ist 16 Jahre alt.

Das liegt eine kleine Ewigkeit zurück, und deshalb wundert man sich manchmal, dass er erst 28 ist. Er wäre damit im besten Fußballalter. Aber er ist längst ein Veteran, weil er schon zwölf Jahre dabei ist. Beim Trainer Thomas Tuchel spielt er lange überhaupt keine Rolle. Seit einer Woche ist das anders. Sahin liefert im Champions-League-Viertelfinale gegen AS Monaco (2:3) ebenso wie in der Bundesliga gegen Eintracht Frankfurt (3:1) starke Leistungen ab. Er wird wieder gebraucht. An ihm sollen sich die Kollegen heute Abend im Rückspiel in Monaco (20.45 Uhr/Live-Ticker) aufrichten. Neben dem nach einer Verletzung ins Team zurückgekehrten Stürmer Marco Reus ist Sahin die große Hoffnung auf Dortmunds Sprung ins Halbfinale.

Das ist eine überraschende Entwicklung. Tuchel selbst, der bei seiner Aufstellung mit kühlem Verstand vorgeht, hat nicht erwartet, dass Sahin auf dem Platz noch mal so wichtig sein würde. "Nuri hat mich widerlegt, er hat mich eines Besseren belehrt", räumt der Coach nach den jüngsten Auftritten des Türken ein. So nüchtern, wie Tuchel den Fußballer Sahin in die dritte Reihe verschoben hat, so nüchtern holt er ihn nun wieder hervor.

Dem Menschen Sahin begegnet er mit deutlich mehr Wohlwollen. "Nuri ist ein einfühlsamer und empathischer Charakter", erklärt sein Trainer. Und er schätzt den wohltuenden Einfluss des Türken in der Kabine. Dort gilt sein Wort, weil Sahin weder zu den Lautsprechern noch zu den Fabrikanten branchenüblicher Sprachhülsen gehört. Er hat schon früh sehr reife Wortbeiträge abgeliefert, und er tut das im fortgeschrittenen Stadium seiner Karriere erst recht.

Schließlich verfügt er über einen reichen Erfahrungsschatz. Er gehört in Dortmund zu einer jungen Mannschaft, die 2005 unter der lockeren Hand des holländischen Trainers Bert van Marwijk für Aufsehen sorgt. Und er ist 18, als ihn ein Klub zum ersten Mal wegschickt. Ausgerechnet die westfälische Borussia will ihn nicht mehr haben. Coach Thomas Doll hat im zentralen Mittelfeld andere Favoriten. Sahin geht auf Leihbasis zu Feyenoord Rotterdam, zu seinem frühen Förderer van Marwijk, wird dort Pokalsieger und spielt eine ganz starke Saison.

Dortmund holt ihn zurück. Und bei Jürgen Klopp blüht der Spielmacher aus dem defensiven Mittelfeld richtig auf. Er ist eine wesentliche Figur beim Aufstieg des BVB zur zweiten Kraft im deutschen Fußball hinter Bayern München. Die Borussia wird 2011 deutscher Meister, und die Spielergewerkschaft wählt Sahin zum Spieler des Jahres.

Dortmund wird zu klein für den eleganten Fußballer mit den guten Umgangsformen. Sahin wechselt zu Real Madrid, zum größten Klub der Welt. Aber Verletzungen durchkreuzen den Traum vom Durchbruch zum Weltstar. Real leiht den Hochbegabten an den FC Liverpool aus. Aber auch dort wird er nicht glücklich. Anfang 2013 holen ihn die Dortmunder zurück. Sahin wird mit dem BVB Vizemeister, doch im Champions-League-Finale gegen die Bayern (1:2) darf er als Einwechselspieler nur ein paar Minuten Nachspielzeit erleben. Danach ist er für eine Saison wieder die Stammbesetzung auf der sogenannten Sechs. Und dann wird es stiller.

Der Körper rebelliert zunehmend gegen ein Jahrzehnt Hochleistungs-Tretmühle. Sahin gerät in die zweite Reihe. Und weil Tuchel sein Spiel eher über nur einen zentralen Mittelfeldspieler entwickelt, der in der Regel Julian Weigl ist, spielt Sahin auf dem Rasen immer kleinere Rollen. Das hat sich maßgeblich geändert. Und das hat zwei Gründe: Tuchel braucht den reifen Mann Sahin in der schwierigen Lage nach dem Bombenanschlag. Er benötigt ihn, weil Sahin mit der extremen Belastung rational fertig wird und die richtigen Botschaften an die Kollegen sendet. Und er braucht ihn auf dem Feld, weil das Team Sicherheit durch zwei Spielgestalter aus der Tiefe bekommt. Sahin ist wieder wichtig. Über Nacht.

Quelle: RP
 
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