1. Bundesliga 17/18
| 11.52 Uhr

Krisen-Gipfel in Dortmund
Bosz vor der Entlassung - Stöger soll neuer BVB-Trainer werden

Das ist Peter Bosz
Das ist Peter Bosz FOTO: dpa, vge nic
Dortmund. Das war es wohl für Peter Bosz. Nach einem Offenbarungseid gegen Werder Bremen steht der Trainer von Borussia Dortmund vor der Entlassung. Muss Bosz gehen, könnte der jüngst beim 1. FC Köln beurlaubte Peter Stöger die Lücke auf der Trainerbank schließen.

Peter Bosz stand entsetzt über das kollektive Versagen wie eine Salzsäule im Schneefall - doch die Bosse handelten. Umgehend hasteten Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc nach dem 90-minütigen Offenbarungseid gegen Werder Bremen in die Kabine von Borussia Dortmund. Es war wohl das letzte Mal, dass sie dort neben der erneut desolaten Mannschaft noch Bosz als Trainer ins Gebet nahmen: Der Niederländer steht unmittelbar vor der Entlassung. 

BVB lädt zur Pressekonferenz

Für 12.00 Uhr am Sonntagmittag lud der BVB zu einer Pressekonferenz, allgemein wird die Bekanntgabe der Ablösung des Chefcoaches erwartet. Laut einem Bericht der "Bild" soll  Peter Stöger neuer BVB-Trainer werden.

Am Samstagabend hatte es nach "kicker"-Informationen ein Treffen von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc mit dem Mannschaftsrat um Kapitän Marcel Schmelzer, Nuri Sahin und Marco Reus gegeben. Das Treffen dauerte bis in die späten Abendstunden.

Kurz nach dem Abpfiff herrschte allgemeine Ratlosigkeit bei den Borussen. "Ein paar Spieler haben vor sich hingeflucht, sonst wurde in der Kabine nicht allzu viel geredet", berichtete Schmelzer, der nach dem dramatisch schwachen 1:2 (0:1) gnadenlos mit seiner Mannschaft abrechnete: "Das kotzt mich an, das geht mir tierisch auf den Sack. Das war eine absolute Frechheit. Der Wahnsinn."

Schmelzers Analyse fasste das Spiel bestens zusammen. Konzeptlos, ratlos, hilflos gar war der BVB in das "Endspiel" für seinen Trainer gegangen. Schon zur Halbzeit pfiffen die Fans in höchster Lautstärke.

"Das war richtig kacke"

"Seit Wochen sage ich, wir sollen nicht nur reden, sondern endlich Taten folgen lassen. Dann treten wir hier so auf. Wahnsinn!", schimpfte Schmelzer am Sky-Mikrofon, er war kaum zu bremsen: "Ich verstehe nicht, wie solch eine Leistung in so einem Spiel passieren kann. Das war richtig kacke. Der Trainer ist die ärmste Sau!"

Der Kampfgeist des Trainers glimmt noch, stark ist er nicht mehr. Beinahe servierte Bosz der Vereinsspitze seinen Kopf auf dem Silbertablett. "Die Enttäuschung sitzt sehr tief", berichtete er resignierend, "das war sehr schlecht, und ich bin der Verantwortliche dafür."

Es sei schwer, sagte Bosz, noch Hoffnung zu haben. Die haben wohl auch Watzke und Zorc vor dem Ligaspiel beim FSV Mainz 05 am Dienstag verloren. Sie haben Bosz lange verzweifelt gestützt, vor Wochen noch das vermeintlich übertriebene Krisengerede "schizophren" und "krank" genannt. Den richtigen Zeitpunkt für eine Entlassung haben sie mehrfach verpasst: nach dem Champions-League-Heimspiel gegen Tottenham Hotspur (1:2), nach dem verrückten 4:4 trotz 4:0-Führung im Derby gegen Schalke 04. Nun erscheint die Trennung vom Nachfolger Thomas Tuchels unausweichlich.

Jeder Satz von Peter Bosz klang passenderweise wie eine Selbstanklage. "Das kann man alles nicht erklären. Ich stimme Marcel Schmelzer auch zu", sagte der 54-Jährige, "die erste Halbzeit war die schlechteste, seit ich hier bin. Wir haben keinen Druck auf den Gegner gemacht, nur der Gegner auf uns."

Dies war wohlgemerkt die Analyse eines Heimspiels von Borussia Dortmund, im September noch klarer Tabellenführer der Bundesliga, gegen den Tabellenvorletzten. In acht Liga-Spielen ohne Sieg sind aus einstmals fünf Punkten Vorsprung auf Bayern München 13 Punkte Rückstand geworden. Die Qualifikation zur Champions League gerät in Gefahr, was für Watzke und Zorc stets der erklärte Maßstab war.

"Wir haben es versucht, aber die Qualität hat gefehlt", sagte Bosz. Er senkte den Kopf. Er hat es nicht geschafft, der Mannschaft ein taktisches Stützkorsett zu geben, ihr zumindest die richtige Einstellung zu vermitteln. Das war es wohl.

(ems/sid)
 
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